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Medien / Einzelhandel : Durch das DSF „ein Stück Michael Jordan verkaufen“

Nach zehn Jahren DSF: Shopping-Show statt Fußballtalk? Bild: DSF

Das Konsortium unter Führung von Karstadt-Quelle und EM.TV hat von den Gläubigern den Zuschlag für die Übernahme des Sportsenders DSF erhalten.

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          Der Essener Karstadt Quelle-Konzern hat gemeinsam mit dem schweizerischen Sportinvestor Hans-Dieter Cleven den Zuschlag für das Deutsches Sportfernsehen (DSF) und den Onlinedienst Sport 1 sowie des Produktionsbetriebes Plaza Media erhalten und sich damit gegen die konkurrierende Offerte des amerikanischen Investors Haim Saban durchgesetzt.

          Guido Franke
          Redakteur in der Politik.

          In Kürze wird die EM.TV & Merchandising AG, Unterföhring, als dritter Gesellschafter dem Konsortium beitreten. Die Tochter des Handelskonzerns, Karstadt New Media AG, und EM.TV sollen künftig durchgerechnet jeweils 38,81 Prozent an DSF und Sport 1 halten, Cleven die verbleibenden 22,22 Prozent. Der jetzt vom Gläubigerausschuß der Kirch Media-Tochtergesellschaft Taurus TV GmbH freigegebene Erwerb steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) und der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme bereits in der vergangenen Woche für unbedenklich erklärt.

          Übernahmekampf beendet

          Der Kaufpreis für den defizitären Sender liegt nach Angaben aus Verhandlungskreisen bei 20 Millionen Euro. Das Konsortium um Karstadt-Quelle hatte im April bereits den Zuschlag für DSF vom KirchMedia-Management und den Insolvenzverwaltern erhalten. Cleven, ehemaliger Vorstand der Metro AG und Völkl-Mehrheitsaktionär, ist unter anderem Berater von Boris Becker, der nun auch in die PR-Arbeit für den Sender eingebaut werden soll.

          Der amerikanische Medienunternehmer Haim Saban, der vor der Übernahme der Pro Sieben Sat.1 AG steht (auch die KEK hat inzwischen zugestimmt) und diesen mit dem Sportsender ergänzen wollte, war kurzfristig noch mit einem höheren Angebot in den Bieterwettbewerb eingetreten. Weil die endgültige Entscheidung bei dem Gläubigerausschuß lag, war in den letzten Tagen ein Übernahmekampf um das DSF entbrannt. Beide Parteien hatten noch am Freitagabend per Telefonkonferenzen gegenüber dem Gläubigerausschuss versucht, die eigene Offerte sowohl finanziell als auch konzeptionell nachzubessern. Im Gläubigerauschuß der Kirch-Tochter Taurus saßen Vertreter der Universalstudios, des Axel Springer Verlages und des DSF-Betriebsrates.

          Kein Shoppingsender

          Karstadt-Quelle gilt als Deutschlands größter Sporthändler. Mit Warenhäusern, Sportgeschäften und den Versandtöchtern Quelle und Neckermann hat er sich einen Marktanteil von zwölf Prozent am rund neun Milliarden Euro umfassenden deutschen Sportmarkt gesichert. Der von der der Konsumflaute betroffene Konzern erhofft sich aus dem Engagement im Fernsehbereich wichtige Impulse für das Geschäft.

          Vom Weltfußball-Verband FIFA haben EM.TV und Karstadt-Quelle Lizenzrechte an Merchandising-Produkten für die WM 2006 erworben und wollen das DSF auch als Plattform für den Verkauf solcher Artikel nutzen. Das DSF solle aber nicht zu einem Einkaufssender umfunktioniert werden. Dies versicherte Peter Gerard, Vorstandsvorsitzender der KarstadtQuelle New Media AG und Mitglied des Vorstands der KarstadtQuelle AG. Eine solche Umstrukturierung wäre auch aus medienrechtlichen Gründen nicht möglich. „Wir werden nicht alle fünf Minuten ein Karstadt T-Shirt hoch halten,“ versicherte ein Sprecher, geplant sei hochwertige Sportberichterstattung. In diesem Umfeld könnten aber zum Beispiel Reisen zu Champions-League-Spielen angeboten werden.

          Und: „Wenn sich ein Teenager Basketball-Schuhe kauft, dann kauft er auch ein Stück Michael Jordan oder Dirk Nowitzki,“ sagt Gerard, der sich erfreut zeigte, „daß unser solides und wirtschaftlich tragfähiges Konzept für die Weiterentwicklung des DSF bei den Gläubigern Vertrauen gefunden hat." Nun gehe es darum, „gemeinsam mit den Mitarbeitern die hohen Wachstums- und Ertragspotenziale des Senders und des Sportmarktes im allgemeinen zügig zu erschließen“ Nach dem Motto „Das Warenhaus kommt nach Hause“ baut der Konzern Internet und TV als Vertriebskanäle aus.

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