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Walldorf-Trainer Matthias Born : „Wir waren in allen wichtigen Punkten besser als Darmstadt“

  • -Aktualisiert am

Der Trainer des Pokalschrecks: Matthias Born (links) jubelt mit Pascal Pellowski Bild: dpa

Astoria Walldorf hat für die Sensation im Pokal gesorgt. Trainer Matthias Born spricht nach dem Sieg gegen Darmstadt 98 über seine Feierabend-Fußballer, das Leben in der Nische und die Regionalliga.

          3 Min.

          Wie hat Ihre Mannschaft das 1:0 über Darmstadt gefeiert?

          Sie ist ziemlich geschlossen nach Heidelberg in einen Club gefahren. Wie mir berichtet wurde, wurde es länger.

          Waren die Darmstädter gute Verlierer?

          Sie waren sehr sympathisch, es sind alles sehr angenehme Menschen. Auch die Spieler haben sich top verhalten. Auch die Darmstädter Fans waren extrem positiv.

          Walldorf trifft nun im Achtelfinale als einziger Viertliga-Verein im Wettbewerb auf Arminia Bielefeld. Eine richtige Belohnung für das sportliche Husarenstück ist das nicht, oder?

          Das wird Bielefeld nicht gerecht. Ich hatte vorher gesagt, dass uns im Fall des Weiterkommens jeder Gegner recht sein würde. Wir freuen uns auf Bielefeld.

          Weil es ein machbares Los ist?

          An einem normalen Tag ist Bielefeld definitiv besser als wir und wird uns raushauen. Aber wenn wir Normalform haben und einige über dem Limit spielen, ist für uns sicherlich etwas drin.

          Ist jetzt das Endspiel in Berlin in Ihrem Hinterkopf?

          Nein, wir müssen realistisch bleiben. Der Wettbewerb ist das Ziel – dass man da weiterkommt Richtung Berlin.

          Was ist das Besondere an Ihrer Mannschaft im DFB-Pokal? In der Regionalliga-Südwest ist sie nur Dreizehnter.

          Wir hatten gegen Darmstadt keine Ausfälle. Alle auf dem Platz haben am Limit gespielt – und zwei, drei Spieler sogar darüber. Und wir hatten im richtigen Moment das Quentchen Glück, als wir in den ersten Minuten zwei brenzlige Situationen unbeschadet überstanden haben. In der Truppe ist dann ein Prozess entstanden, irgendetwas zündet, was schwer zu erklären ist. Jeder hat gemerkt, hoppla, hier ist etwas drin. Wir wurden immer frecher und mutiger. Was die Statistik angeht, waren wir dann in allen wichtigen Punkten besser als Darmstadt. Zum Schluss hat es Darmstadt mit der Brechstange versucht. Man hat gemerkt, dass sie ein bisschen ratlos waren.

          Schon vor dem Spiel sprachen Sie davon, dass Darmstadt nicht Bayern München oder Real Madrid sei. Hat es Sie überrascht, dass Walldorf verdient gewonnen hat?

          Nein, es hat mich gefreut. Ich weiß, was die Jungs an einem guten Tag können. Ich war aber überrascht, dass wir bei der Darmstädter Qualität im Abwehrverbund so stabil gestanden haben. Das war schon herausragend.

          Das Siegtor durch Hillenbrand: „Wir hatten gegen Darmstadt keine Ausfälle. Alle auf dem Platz haben am Limit gespielt“

          Ihr Kader besteht aus Studenten und Arbeitnehmern. Wird der Begriff „Feierabend-Fußballer“ Ihrem Verein gerecht?

          Wir haben damit kein Problem und sind nicht beleidigt. Wir trainieren jeden Tag um 17.30 Uhr, einmal in der Woche ist frei, meistens der Sonntag. Für Regionalliga-Verhältnisse ist das vielleicht etwas außergewöhnlich.

          Die Regionalliga soll in Walldorf das Ende der Fahnenstange sein. Erschwert das Ihre Arbeit?

          Wenn wir die Chance auf den Aufstieg in die dritte Liga hätten, dann wäre keiner im Verein da, der sagt: Ihr dürft nicht. Es liegt an uns als Mannschaft. Wir arbeiten mit jungen Spielern aus der Region und keinen Profis. Unter diesen Bedingungen ist es unrealistisch, dass es eine Klasse höher geht. Aktuell ist unser Pensum eine Riesenbelastung. In den vergangenen drei Monaten hatten wir acht Spiele pro Monat. Da lässt du schon Körner.

          Hatten Ihre Spieler wenigstens am Donnerstag frei?

          Der eine oder andere Student vielleicht. Aber bei den anderen kann ich mir das nicht vorstellen. Deren Urlaubstage sind knapp, weil sie die auch für den Fußball nehmen müssen. Womöglich ist der eine oder andere aber eine Stunde später zur Arbeit gekommen.

          Der FC Astoria Walldorf spielt im Dietmar-Hopp-Sportpark. Das klingt nach viel Geld.

          Unser Etat in der Regionalliga liegt im unteren Drittel. Es wird mit Bedacht und Augenmaß gewirtschaftet. Wir haben eine tolle Anlage und top Bedingungen.

          Feierwütige Amateure: „Wie mir berichtet wurde, wurde es länger.“

          Als erster Regionalliga-Klub benutzen Sie wie die deutsche Nationalmannschaft die Sport-Software „SAP Sports one“. Hat Sie Ihnen entscheidende Tipps gegen Darmstadt gegeben?

          Sie erleichtert uns definitiv die Arbeit. Wir hätten wohl einen Vorteil im Elfmeterschießen gehabt. Durch die Software haben wir bei uns zum Beispiel die Belastungssteuerung optimiert.

          Das Achtelfinale bringt dem Klub einen Geldsegen. Wissen Sie schon, wie das Geld investiert wird?

          Keine Ahnung. Wie viel gibt es denn?

          Rund 800.000 Euro.

          Okay.

          Walldorf liegt in der Nähe von Sandhausen und Hoffenheim. Wo ordnen Sie Ihren Klub sportlich ein?

          Wir besetzen eine Nische. Für die Spieler, bei denen der Schritt in Hoffenheim, Sandhausen oder Karlsruhe vielleicht zu groß war. Für die sind wir eine sehr gute Adresse. Womöglich schaffen sie dann über uns den Weg in den Profifußball.

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