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Marcus Ehning Weltcupgewinner : Richtige Taktik, gute Nerven und starkes Pferd

  • Aktualisiert am

Glück und Können in Las Vegas: Markus Ehning Bild: AP

Marcus Ehning hat beim Weltcupfinale alles richtig gemacht. Der 29 Jahre alte Springreiter wurde mit der Stute Anka der 25. Weltcupsieger, nach Ludger Beerbaum und Otto Becker erst der dritte deutsche.

          Reiten ist kein Glücksspiel, auch wenn man in Las Vegas startet. Man braucht die richtige Taktik, gute Nerven und ein starkes Pferd. Marcus Ehning aus Borken in Westfalen hat beim Weltcupfinale alles richtig gemacht: Er ist im Zeitspringen am Gründonnerstag trotz eines Fehlers als Sechster auf Tuchfühlung mit der Spitze geblieben. Beim zweiten Wettbewerb, dem Springen mit Stechen am Karfreitag, gehörte er zwar zu den Besten, forcierte aber nicht unnötig das Tempo und gab sich mit Rang drei zufrieden.

          Und am Schlußtag erntete er mit zwei fehlerfreien Runden, was er vorher gesät hatte: Der 29 Jahre alte Springreiter wurde mit der Stute Anka der 25. Weltcupsieger, nach Ludger Beerbaum 1993 und Otto Becker 2002 erst der dritte deutsche. “Hut ab“, sagte Bundestrainer Kurt Gravemeier. “Er ist jeden Tag brillant geritten.“ Neben dem Pokal hätte Ehning auch ohne weiteres einen Stilpreis verdient. Große Gefühlsausbrüche hebt sich Ehning für große Momente auf, wie den Zieleinlauf am Ostersonntag. Nachdem sein Pferd auch das letzte Hindernis fehlerfrei überflogen hatte, jubelte er unbändig und reckte die Faust in Richtung Hallenhimmel.

          Nahtloser Generationswechsel

          Es hatte nur einen brenzligen Moment gegeben: Als Anka in der ersten Runde ihre Hinterbeine zwischen die Stangen des dritten Sprungs steckte. Doch sie konnte die Hufe ohne Folgen blitzschnell wieder herausziehen. Ansonsten war der Reiter begeistert: “Sie ist phantastisch gesprungen.“ Zudem hatten kleine, schnelle Pferde im engen “Thomas and Mack Center“ Vorteile. Ehning hat in Las Vegas nicht nur die inoffizielle Hallen-WM gewonnen, sondern auch seine Zukunft gesichert. Anka war nämlich bisher die hoffnungsvolle zweite Besetzung in seinem Stall, während der Hengst For Pleasure die glanzvolle Hauptrolle spielte.

          In Las Vegas bestritt die Oldenburger Stute ihr erstes Championat. Ein solch nahtloser Generationswechsel ist der Traum eines Springreiters: Mit dem siebzehnjährigen Hengst For Pleasure hat er bereits grandiose Erfolge gefeiert, unter anderem Mannschafts-Olympiagold gewonnen. Und jetzt, da sich die Karriere des großen Springers dem Ende zuneigt, beschert ihm die zwölfjährige Nachfolgerin den größten Einzelerfolg seiner Karriere.

          Rodrigo Pessoa Zweiter

          Wenn es um die Europameisterschaften im September in Donaueschingen geht, wird Ehning die Wahl wohl noch schwerfallen. Aber danach dürfte Anka die Spitzenrolle im Stall Ehning übernehmen. Zum Verkauf steht die Stute nämlich nach dem österlichen Coup nicht: “Mein Vater Richard hat an dem Pferd einen Narren gefressen. Der wird es nie im Leben hergeben.“

          Zweiter wurde der dreimalige Weltcupgewinner Rodrigo Pessoa (Brasilien) mit Baloubet du Rouet, der genau einen Hindernisfehler hinter Ehning lag. Die Schwedin Malin Baryard, die mit Butterfly Flip als Führende in den Schlußtag gestartet war, mußte in jeder Runde einen Abwurf hinnehmen und fiel noch auf Platz drei zurück.

          Deutscher Pessimismus voreilig

          Auf Rang vier landete Lars Nieberg (Homberg/Ohm) mit Fighting Alpha als Zweitbester des achtköpfigen deutschen Riesenaufgebots. Der favorisierte Schweizer Markus Fuchs wurde mit Tinka's Boy Fünfter. Nach einem unglücklichen Start als Fünfzehnter holte er Schritt für Schritt auf und tat es am Sonntag als einziger Ehning gleich: zwei Null-Fehler-Runden. Und das, obwohl er in der zweiten Runde am sechsten Hindernis den Verlust eines Steigbügels samt Riemen ausbalancieren mußte.

          Der deutsche Pessimismus nach dem Zeitspringen, das ganz besonders von den rutschigen Bodenverhältnissen beeinträchtigt war, erwies sich also als voreilig. Andere wiederum mußten ihren frühen Ehrgeiz bezahlen. Der Auftaktsieger etwa, der Amerikaner McLain Ward mit Viktor, fiel schon am zweiten Tag mit drei Abwürfen weit zurück. Der Weltranglistenerste Ludger Beerbaum (Riesenbeck) mit Goldfever und seine Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum mit Shutterfly ergänzten das gute deutsche Abschneiden gemeinsam auf Rang acht. Christian Ahlmann (Marl) mit Cöster, Toni Hassmann (Lienen) mit Goldika und Markus Merschformann (Laer) mit Camirez B belegten die Ränge 13, 14 und 18. Merschformann nutzte immerhin seine schwache Ausgangsposition, um beim zweiten Wettbewerb auf Angriff zu reiten, und er gewann das Stechen mit deutlichem Vorsprung vor den Spitzenleuten der Gesamtwertung.

          Franke Sloothaak verzichtete mit dem erst neunjährigen Adolf D wegen Chancenlosigkeit auf den Start im Finale und entschädigte sich mit einem vierten Rang im Großen Preis am Samstag, dem Weltcup-Ruhetag.

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