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Marathon-Spektakel in Wien : Kipchoge will „wie der erste Mensch auf dem Mond“ werden

  • Aktualisiert am

Der Star und seine „Hasen“: Laufwunder Kipchoge Bild: Reuters

Der kenianische Weltrekordler Eliud Kipchoge will als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden laufen. In der Planung für seinen zweiten Versuch wird nichts dem Zufall überlassen.

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          „So etwas wie der erste Mensch auf dem Mond“: In dieser Dimension sieht der kenianische Protagonist Eliud Kipchoge den aufwendig gestalteten Versuch, als erster Marathon-Läufer die Zwei-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen. Die Laufwelt schaut am Samstag nach Wien: Quasi unter Laborbedingungen, mit 41 Tempomachern und auf ausgetüftelter Strecke will der 34 Jahre alte Olympiasieger „Sportgeschichte“ schreiben. Als Weltrekord wird seine Zeit im Erfolgsfall allerdings definitiv nicht anerkannt werden.

          Nach dem Reglement des Leichtathletik-Weltverbandes sind die Bedingungen irregulär - vor allem wegen der „Hasen“, die sich abwechseln. IAAF-Präsident Sebastian Coe sieht das Unternehmen trotzdem „ziemlich entspannt“ entgegen und freut sich über das Unternehmen: „Wir begrüßen alles, was die Aufmerksamkeit auf die Leichtathletik lenkt. Es ist eine aufregende Sache“, sagte der Brite.

          „Selbstverständlich ist der Druck da, aber ich versuche ruhig zu bleiben“, sagte Kipchoge am Donnerstag in Wien. „Ich bin bereit für das Rennen. Mein Training ist erfolgreich verlaufen. Ich bin sehr aufgeregt, hier in Wien zu sein“, meinte er nach seiner Ankunft aus Kenia, von wo er am Dienstag per Privatflugzeug angereist war. Es ist Kipchoges zweiter Versuch, die 42,195 Kilometern unter zwei Stunden zu bewältigen. 2017 rannte der Weltrekordler beim von Ausrüster Nike groß vermarkteten Rennen auf der Formel-1-Strecke in Monza (Italien) 2:00:25 Stunden. Diesmal sieht sich der Familienvater aber besser vorbereitet - vor allem mental. In Monza habe sich Kipchoge, Olympiasieger von Rio, wie ein Boxer gefühlt, der den Ring betrat ohne zu wissen, was ihn erwartet. „Diesmal bin ich vorbereitet und weiß, was passiert“, sagt Kipchoge und setzt zudem auf viele Fans an der Strecke.

          „Hasen“ mit 55 Medaillen

          Für den historischen Coup hat der umstrittene britische Chemiekonzern Ineos mit Sitz in London keine Kosten und Mühen gescheut. Die Rekord-Veranstaltung wird als „ineos159challenge“ aufwändig beworben.

          Dass Kipchoge ein aberwitziges Tempo gehen kann, hat er schon oft genug bewiesen. Um sein Ziel zu erreichen, muss er einen Kilometerschnitt von 2:51 Minuten halten beziehungsweise 21 Kilometer/Stunde schnell sein. Umgerechnet bedeutet dies: Er muss die 100 Meter 422 Mal in 17 Sekunden laufen – was für die meisten Menschen schon fast Sprinttempo ist.

          Ein Elektroauto mit programmierter Geschwindigkeit und 41 Topläufer, die ihn abschnittsweise begleiten, sollen für das richtige Tempo sorgen. Seine Pacemaker aus aller Welt haben nach Angaben des Veranstalters insgesamt 55 Medaillen unter anderem bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gewonnen.

          Das Ziel sind 1:59 Stunden: „Das ist eine goldene Chance, Geschichte zu schreiben.“

          „Ich will der ganzen Menschheit zeigen, dass keinem Menschen Grenzen gesetzt sind“, sagte Kipchoge im Interview des „Tagesspiegel“. 200 bis 220 Kilometer pro Woche ist er in der Vorbereitung gerannt. „Mir geht es nicht um den offiziellen Rekord, sondern darum, Geschichte zu schreiben, der Nachwelt etwas zu hinterlassen.“ Auch so gilt er unter Experten als größter Marathon-Läufer der Geschichte. Beim Berlin-Marathon hatte er im September 2018 den Weltrekord auf 2:01:39 Stunden verbessert.

          Wie beim Neujahrskonzert der Philharmoniker

          Die Strecke im Wiener Prater ist auch dank Asphaltierungsarbeiten in einem perfekten Zustand. Der Lauf unter „Laborbedingungen“ wird dort auf einem Rundkurs ausgetragen. Gestartet wird zunächst auf der Reichsbrücke. Dann geht es mit Tempo hinein in den Park auf den 9,6 Kilometer langen Rundkurs auf der völlig geraden und von Bäumen gesäumten Hauptallee, die Wendepunkte liegen am Praterstern und am Lusthaus. Zur Schonung Kipchoges ist eine kleine Steilkurve geschaffen worden. Dadurch seien etwa 13 Sekunden einzusparen, hieß es. Auch beim Start von der Reichsbrücke über der Donau kann Kipchoge schon mal sechs Sekunden gut machen.

          Der beste Marathonläufer ist Kipchoge ohnehin: 2018 stellte er den Weltrekord in Berlin auf

          30 Fernsehstationen und über 300 Medienvertreter sind nach Veranstalterangaben akkreditiert, um das Spektakel zu verfolgen. „Die internationale Medienresonanz ist für Österreich nur mit dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zu vergleichen“, sagte Wolfgang Konrad, Chef des Vienna City Marathon. Die genaue Startzeit – zwischen 5 und 9 Uhr morgens – wird übrigens erst am Freitag festgelegt. Ideal wäre laut Ineos-Experten eine Temperatur zwischen sieben und elf Grad.

          Eliud Kipchoge

          Alter: 34 Jahre
          Größe: 1,67 Meter
          Gewicht: 52 Kilomramm
          Erfolge: Marathon-Olympiasieger 2016; Sieger London-Marathon 2015, 2016, 2018, 2019; Sieger Berlin-Marathon 205, 2017, 2018.
          Bestzeit: 2:01:39 Stunden (Weltrekord), 2:00:25 (Breaking-2-Marathon)

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