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Mainz 05 : Heidels Versuchung

Wiedersehen mit Stil: Der Mainzer Manager Christian Heidel (r.) mit Thomas Tuchel Bild: Jan Huebner

Eine Versuchung nach 23 Jahren: Ein Schalker Angebot an den Manager erschüttert Mainz 05. Doch wem nutzt eigentlich die öffentliche Diskussion?

          2 Min.

          Christian Heidel war es sichtlich unangenehm, dass er die Hauptperson bei der 0:2-Niederlage seines FSV Mainz 05 gegen Borussia Dortmund war. Der 52 Jahre alte Manager stellte sich zwar vor dem Spiel im ausverkauften Mainzer Stadion den Fragen des Bezahlsenders „Sky“, aber er wirkte dabei angefasst nach zwei turbulenten Tagen, die seinen Klub erschüttert haben. Der gebürtige Mainzer spielt nach 23 Jahren als Leiter der Lizenzspielerabteilung mit Abwanderungsgedanken, der Klub würde in diesem Fall den nahezu Alleinverantwortlichen für die sportliche wie strategische Ausrichtung des Vereins verlieren.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein gleichwertiger Ersatz ist schwer vorstellbar, auch wenn Stadiongäste wie der ehemalige Hannoveraner Manager Dirk Dufner oder der ehemalige FSV-Profi Uwe Stöver zumindest in Erinnerung riefen, dass es noch andere kompetente und derzeit arbeitsuchende Menschen im deutschen Fußball gibt.

          Cui bono?

          Am Freitag wiederholte Heidel lediglich seine Aussagen vom Vortag, als er bei der Pressekonferenz ein fünfminütiges, wachsweiches Statement vortrug: Er würde sowieso nur bei einer ganz besonderen Herausforderung schwach, wenn zugleich bei Mainz 05 alles in gute Bahnen gelenkt sei. Seinem Klub würde er definitiv niemals schaden.

          Die besondere Herausforderung scheint gegeben aufgrund einer ernsthaften Anfrage von Schalke 04. Mainz 05 geht es zugleich so gut wie nie, eine kürzlich vereinbarte Partnerschaft mit der Vermarktungsagentur Infront beschert langfristige Planungssicherheit. Es bleibt das Ringen Heidels mit seiner Entscheidung, ob er sein Lebenswerk Mainz 05 gegen ein Abenteuer bei einem Traditionsklub eintauschen mag. Und es ist unklar, ob der restliche Vorstand den bis 2017 in den Vorstand gewählten und bis dahin auch als Manager im Wort stehenden Heidel so einfach ziehen lassen würde.

          Diese Überlegungen hätte Heidel wohl gerne in Ruhe und im Geheimen angestellt. Aber Mitte der vergangenen Woche muss jemand ein Interesse daran gehabt haben, dass Heidels Entscheidungsprozess in die Öffentlichkeit gerät. Cui bono? Schalke 04 scheint als Quelle unwahrscheinlich, Insider von Mainz 05 vermuten die undichte Stelle im eigenen Klub. Zumindest als Brandbeschleuniger dienten die Aussagen von Präsident Harald Strutz im Anschluss an die Pressekonferenz Heidels. Nachdem der Manager mit Mühe klare Aussagen vermied, bestätigte Strutz, dass es ein Angebot gebe. Dieses Vorgehen des Präsidenten war nicht abgesprochen im Vorstand.

          Diskussionen laufen: Heidel mit Strutz
          Diskussionen laufen: Heidel mit Strutz : Bild: Wonge Bergmann

          Strutz könnte zu dem Vertrauensbruch bewogen haben, dass er Heidel zu einer schnellen Entscheidung drängen will, damit der Klub handlungsfähig bleibt. Ihn könnte freilich auch geärgert haben, dass Heidel in jüngster Zeit immer wieder und zuletzt bei der Mitgliederversammlung anmahnte, dass der Verein und somit auch der Präsident wieder mehr Engagement an den Tag legen müsse. „Der Verein ist ihm zu bequem geworden“, heißt es intern.

          Pokert Heidel?

          Im Klub wird deshalb auch in Erwägung gezogen, dass Heidel das Werben um seine Person nutzen könnte, um Druck auf seine Mitstreiter auszuüben und beispielsweise Strukturveränderungen anzustoßen. Am Montagabend soll bei einer Vorstandssitzung besprochen werden, wie die Situation einstweilen beruhigt werden und die Außendarstellung des Klubs wieder verbessert werden kann, eine Entscheidung ist nicht zu erwarten.

          Trotz des Trubels um seine Person bewies Heidel am Freitagabend Stil, indem er sich vor dem Anpfiff einen Weg bahnte durch die Fotografenschar, um den ehemaligen Mainzer und heutigen BVB-Trainer Thomas Tuchel zu begrüßen. Vor diesem Handschlag an der Seitenlinie waren sich die einst engen Vertrauten seit dem Juni 2014 nicht mehr begegnet.

          Trotz der freundlichen Begrüßung nahm Tuchel mit seinen Spielern keine Rücksicht auf seinen ehemaligen Klub: Reus (17. Minute) und Mchitarjan (83.) nutzten leichtsinnige Fehler aus und sicherten dem BVB drei Auswärtspunkte. Vielleicht hat Tuchel das Hochgefühl des Sieges zu einer wohl eher unbewussten versöhnlichen Geste bewegt. Bei der Pressekonferenz entschied er sich bei der Wahl einer Cola-Dose für jene mit dem Mainzer Vereinslogo statt jener in Schwarz-Gelb.

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