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Schach-WM in New York : Warum Magnus Carlsen der Favorit ist

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Auch dahinter verbirgt sich wohl ein Vorteil, den Carlsen gegenüber seinem Herausforderer hat: Die physische Verfassung. Auch wenn man es nicht so recht glauben mag - die Physis nimmt eine immer größere Rolle im Schachsport ein. Es ist sehr schwer und kräftezehrend, sich fünf oder sechs Stunden am Stück auf eine Partie zu konzentrieren.

Chancenlos ist Karjakin nicht

Ausdauer ist dafür sehr nützlich. Über Magnus Carlsen ist bekannt, dass er sehr viel Bewegungssport macht, hauptsächlich Fußball und Basketball. Sergey Karjakin allerdings gehört nicht zu den sehr sportlichen Schachspielern, wenn es zugegebenermaßen auch nicht besonders viele von ihnen gibt.

Allerdings: Chancenlos geht Karjakin natürlich nicht in dieses Match. Es gibt durchaus einige Umstände und Faktoren die für ihn sprechen. Ein Vorteil von Karjakin könnte die Match-Dauer sein, in diesem Zweikamp werden nur zwölf Partien gespielt. Das ist ziemlich kurz, obwohl der Trend dahin geht, dass während einer Weltmeisterschaft nicht mehr mehr als 20 Partien gespielt werden wie es noch während der legendären Duelle zwischen Karpow und Kasparow üblich war.

Aus statistischer Sicht spielt bei weniger Runden Glück eine größere Rolle als etwa im Falle von 24 Partien. Da Karjakins Klasse nicht an die von Carlsen heranreicht, kann ihm das helfen. Zudem kann das zu größerem psychologischen Druck führen. Wenn Carlsen zum Beispiel nicht besonders gut ins Match startete und früh eine Partie verlöre, stünde er unter deutlich mehr Druck, das auszugleichen. Da er in seinen beiden bisherigen WM-Wettkämpfen gegen Anand nie zurück gelegen hatte, wäre das außerdem eine neue Situation für ihn. Es nicht nicht klar, wie er damit umginge.

Er hat ein großes Team

Für Karjakin spricht auch seine schachliche Hauptqualität, seine Zähigkeit. Schon im Kandidatenturnier in Moskau war seine Fähigkeit, schlechte Stellungen zusammenzuhalten, mitentscheidend für seinen Sieg. Als Beispiel sei auf seine Partie gegen Fabiano Caruana verwiesen, der ihn in seiner Lieblingseröffnung, der Damenindischen Verteidigung, enorm unter Druck gesetzt hatte.

Von Vorteil für den Herausforderer dürfte schließlich auch die große Unterstützung sein, die ihm zuteil wird. Er verfügt er über ein großes Team von Sekundanten, die für ihn arbeiten. Zwar gibt Karjakin nicht alle Teammitglieder bekannt. Fest steht aber, dass die beiden Supergroßmeister Ian Nepomniatchi aus Russland und Shakriyar Mamedyarov aus Aserbeidschan für ihn arbeiten. Überdies wird gemunkelt, dass möglicherweise der frühere Weltmeister Wladimir Kramnik ebenfalls zu  Karjakins Stab gehört. Kramnik wäre mit all seiner Matcherfahrung und seinem unglaublichen Eröffnungsrepertoire (vermutlich das beste weltweit) eine enorme Bereicherung.

Letztendlich ist aber nicht die Vorbereitung entscheidend, sondern dann doch die Qualität der einzelnen Spieler. Gegen einen so flexiblen Spieler wie Carlsen (der sich natürlich auch mit Mitarbeitern vorbereitet) ist es ausgesprochen schwer, genaue Vorhersagen darüber zu treffen, welche Eröffnungsvarianten und -strategien er wirklich anwenden wird. Deswegen denke ich, dass Karjakins Team ihm zwar sicherlich helfen wird. Aber Magnus Carlsen ist einfach der der bessere Schachspieler und es wäre schon eine mächtige Überraschung, wenn er seinen Titel verlieren würde.

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