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LR Ahlen : Fußball-Märchen im Münsterland

  • -Aktualisiert am

Mit letzter Kraft verhinderte der TuS Ahlen 1992 den Abstieg in die Kreisliga. Neun Jahre später klopft der LR Ahlen an die Tür zur ersten Fußball-Bundesliga.

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          „Hier bewegt sich was“, sagt Peter Neururer und lässt seinen Blick über die Ahlener Fußballanlage schweifen. Das Stadion wird ausgebaut, neue Trainningsplätze kommen hinzu. Die Pläne liegen schon in der Schublade.

          Die Sitzplatztribüne wird komplett überdacht, die Kapazität des derzeit nur 11.000 Zuschauer fassenden Wersestadions wird aufgestockt. Um DFB-Auflagen zu erfüllen, vorsorglich für die Bundesliga. „Das wird alles topp hier“, freut sich Neururer.

          Fußball-Ahlen ist in Bewegung, nicht erst seit dieser Saison. Da die Geschäftsstelle gerade renoviert wird, ist das Präsidium provisorisch in Containern untergebracht. Hier arbeitet Ahlens Manager Joachim Krug und der „Patron“, der erste Vorsitzende und Macher Helmut Spikker. Das Sportareal ist eine Baustelle, man bereitet sich auf Größeres vor.

          Ansprüche wachsen schneller

          Nach dem 5:2 gegen Absteiger Chemnitz rückt Tabellenplatz drei und damit der Aufstieg in die Bundesliga in greifbare Nähe. Und Ahlen hat das leichteste Restprogramm aller Mitkonkurrenten. „Uns in die Rolle des Aufstiegsfavoriten zu drängen, halte ich für Schwachsinn,“ wiegelt Neururer ab. „Wir haben doch schon für ein Fußball-Wunder gesorgt. Zwei in einer Saison gibt es nicht“, meinte Neururer mit Bezug auf den missratenen Saisonstart, als das Team nach fünf Spieltagen mit nur einem Punkt als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt worden war.

          Nirgendwo sind auf Deutschlands Fußballplätzen die Ansprüche so schnell gewachsen wie im münsterländischen Ahlen. Schnell gewöhnt man sich an den Erfolg, Misserfolge sind Tabu. So musste Trainer Franz-Josef Tenhagen nach dem schlechten Einstieg in die zweite Bundesliga seinen Hut nehmen. Schnell war vergessen, dass er mit einer höchstens durchschnittlichen Regionalliga-Mannschaft den Aufstieg in die zweite Liga schaffe. „Tenhagen hat den Fehler gemacht, ganz auf die Aufstiegsmannschaft zu bauen,“ rechtfertigt Manager Joachim Krug die Entlassung.

          Vier Aufstiege in vier Jahren

          Ahlens Fußball hat sich innerhalb kürzester Zeit grundlegend gewandelt. Noch vor neun Jahren dümpelte der gemütliche Traditionsverein TuS Ahlen, der in den 60er Jahren einmal in der höchsten Amateurklasse gespielt hatte, in der Bezirksliga vor sich hin. Im Juni 1992 stand er sogar dort vor dem Abstieg.

          Dieses Trauerspiel wollte der Ahlener Unternehmer Helmut Spikker, Chef der Kosmetik-Vertriebsfirma LR-International, nicht weiter mit ansehen. Mit seinem dicken Portemonnaie machte Spikker den Erfolg zur Chefsache. In fünf Jahren, so der Plan, sollte Ahlen in der Oberliga spielen, drei Meisterschaften waren dafür nötig. Doch Ahlen gewann sogar vier Mal hintereinander den Klassentitel und spielte fortan in der Regionalliga.

          1996 fusionierte der TuS Ahlen mit dem einstigen Ortsrivalen Blau-Weiß. Der neue Verein bekam den Namen Leichtathletik- und Rasensport Ahlen, was sich problemlos mit LR abkürzen lässt - Gleichzeitig eine Hommage an den Geldgeber und seine Firma. Doch in der höchste Amateurklasse stieß der LR an seine Grenzen. Das bewährte Rezept „Geld für Leistung“ versagte.

          Kompetenz oder großes Glück?

          Trainer Tenhagen war es dann, der mit einem langfristige Konzept nach vier Jahren Regionalliga in die zweite Bundesliga aufstieg - „ein sportlicher Quantensprung“, sagt Krug. Doch in der Profiliga überlebte Tenhagen nur fünf Spiele. Peter Neururer kam. Ein Trainer der in 14 Jahren zehn Profivereine trainierte. Der wegen seinen Äußerungen („Bei mir haben die Spieler Spaß am Kotzen“) immer wieder Angriffsfläche für Spott und Kritik bot. Und dessen Renommee, spätestens seit seinem sang- und klanglosen Absturz mit Herta BSC aus der ersten Bundesliga, stark angekratzt war.

          Neururer präsentierte dem Präsidenten eine Wunschliste mit sieben erfahrenen Profis, die in Deutschland eigentlich schon ausgemustert waren. Er bekam Sie alle: Michael Rösele, Matthias Hamann, Petar Vasiljevic, Zeljko Sopic, Holger Gaißmayer, Marc Arnold, Dirk Schuster, Harald Spörl und Stefan Simon. Die andernorts schon ausgemusterten Profis erwachten unter Neururer zu neuem Leben. „Ich wollte nur Spieler, deren Fußballcharakter ich kenne“, so Neururer.

          Geballte Kompetenz des Trainers, der selbst angibt, die Stärken und Schwächen hunderter Fußballprofis zu kennen, oder großes Glück? Die neuen Spieler zündetet auf Anhieb. In 23 Spielen unter der Regie Neururers leistete sich das Team ganze vier Niederlagen und avancierte nach der Winterpause zur erfolgreichsten Zweitliga-Elf.

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