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Lothar Leder-Tagebuch : Im Morgennebel ans große Rennen denken

  • -Aktualisiert am

Volle Fahrt voraus: Lothar Leder Bild: dpa

Am 6. Oktober feiert der Triathlet Lothar Leder ein kleines Jubiläum: Zum zehnten Mal startet er beim Ironman auf Hawaii. Seinen Weg schreibt er wieder für FAZ.NET auf.

          Man könnte ja meinen, wenn einer zum zehnten Mal beim Ironman auf Hawaii antritt, dann ist das nichts Besonderes mehr. Aber das ist völlig falsch.

          Kein Rennen ist wie dieses. Natürlich treffen sich dort die Weltbesten, natürlich ist ein Sieg dort eine Prestigesache - aber vor allem ist das Rennen eine ganz harte Probe für Körper und Geist. Hawaii ist unberechenbar, sage ich immer.

          Wie im Backofen

          Und diese Unberechenbarkeit beginnt für einen Europäer schon mit der gewaltigen Anreise. Einmal um den Globus, 24 Stunden im Flugzeug. Und dann wird man auf dem kleinen Airport von Kona von dieser schwülen Hitze umarmt. Wie im Backofen. Mit einem Schlag sind es 35 Grad und nicht mehr fünf, oder zehn wie bei uns.

          Viele Spitzentriathleten bereiten sich unter ähnlichen klimatischen Bedingungen auf diese Hitzeschlacht vor, ich bleibe wieder einmal daheim. Darmstadt statt San Diego, heißt es bei mir. Das ist nicht immer ein Spaß, erst heute sind wir drei Stunden im strömenden Regen Rad gefahren. Meine Frau Nicole und meine Kumpels Holger Loew und Henning Plescher. Motto: Geteiltes Leid.

          Ein rechter Spaß ist so eine Radelei nicht, aber sie macht mental hart. Training ist nicht immer nur Vergnügen, und ein Wettkampf sowieso nicht.

          Seit August wieder im Training

          Seit Anfang August bin ich wieder voll im Training, gut vier Wochen Pause habe ich mir nach meinem Sieg beim Ironman in Roth gegönnt. Abschalten, nur abschalten wollte ich. Das ist immer so nach einem großen Rennen - der Kopf ist danach völlig leer, ich brauche dann viel Zeit, um mich von dem ganzen Stress zu erholen.

          Wobei Erholung übertrieben ist, denn anstatt zu trainieren, habe ich sehr viel aufgearbeitet, was sonst liegen bleibt. Bürokram, Sponsorenbetreuung, Pressesichtung - und TV-Auftritte. Es gab viele Anfragen von Fernsehstationen, mehr als sonst. Als es dann wieder losging mit dem Training, ging es mir so, wie einem Breitensportler auch. Alles tut ein bisschen weh, alles fällt schwerer.

          Lauftest über 30 Kilometer

          Jetzt bin ich in der fünften meiner insgesamt acht harten Trainingswochen für Hawaii. Das bedeutet etwa 30 Stunden Training in der Woche, 20 Kilometer Schwimmen, 700 Radfahren und 80 Laufen ist derzeit mein Pensum an den sieben Tagen.

          Bei einem Lauftest über 30 Kilometer wollte ich meinen Körper überprüfen. 1:50 Stunden bin ich gerannt, mit harten Schuhen, um meine Muskeln an diese Belastung zu gewöhnen. Ein guter Test.

          Insgesamt ist das Training so wie jedes Jahr, im Vergleich zum Jahr 2000 mache ich aber etwas anders: Ich lasse sämtliche Wettkämpfe vor dem Rennen der Rennen aus. Im vorigen Jahr bin ich noch als Gastfahrer bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt der Radprofis mitgefahren. Wahnsinn. Das war zwar ein großes Erlebnis, hat mich aber gewaltig Kraft gekostet.

          Drei Tage am Gardasee

          Natürlich trainiere ich sehr hart auf dem Rad, gerade bin ich von einem dreitägigen Trainingslager vom Gardasee zurückgekommen. Jeden Tag 150 Kilometer bin ich dort gefahren, nur die Berge hinauf. Jetzt ist mein Terrain wieder der Odenwald und die Bergstraße.

          Es ist Herbst geworden, habe ich jetzt gemerkt. Nicht nur wegen den Temperaturen. Man läuft morgens durch den Frühnebel, die Wege sind schon mit Laub bedeckt und die Luft ist sauerstoffhaltiger, das Atmen fällt leichter. Ich liebe es, diesen Wechsel der Jahreszeiten zu erleben. Natürlich denke ich schon an Hawaii, an das Rennen am 6. Oktober.

          Nur dein eigener Körper entscheidet

          Aber ich denke nicht daran, dass ich es gewinnen kann. Wer das macht, hat schon verloren. Ich weiß, dass ich gut drauf bin, dass mein Körper funktionier. Und dieses Wissen macht mich ruhig. Auf Hawaii kommt es darauf an, dass man sein eigenes Rennen durchbringt. Nur du allein entscheidest über dich. Wenn du alles richtig machst, dann haben die anderen ein Problem.

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