https://www.faz.net/-gtl-nn8c

Lewis gegen Klitschko : Körper gestählt, Geist noch nicht bereit

  • Aktualisiert am

Sucht totale Konzentration: Vitali Klitschko Bild: dpa/dpaweb

Nach der letzten Übungseinheit vor dem Schwergewichts-Duell um die Weltmeisterschaft gegen den britischen WBC-Titelträger Lennox Lewis am Samstag wirkt Vitali Klitschko zufrieden und erschöpft zugleich.

          2 Min.

          Die Schwerstarbeit ist getan. Nun gilt es für Vitali Klitschko zu entspannen, den Geist genauso fit zu bekommen wie den gestählten Körper, um im wichtigsten Boxkampf seines Lebens den Ring als Champion verlassen zu können.

          Nach der letzten Übungseinheit vor dem Schwergewichts-Duell um die Weltmeisterschaft gegen den britischen WBC-Titelträger Lennox Lewis am Samstag im Staples Center von Los Angeles wirkte der Ukrainer zufrieden und erschöpft zugleich. „Mein Körper ist bereit“, befand der Herausforderer vier Tage vor seinem „Traumkampf“. „Im Kopf jedoch bin ich nach der zehnwöchigen Vorbereitung sehr müde. Deshalb“, sagte er, „brauche ich nun Erholung. Nur so finde ich die totale Konzentration für den Kampf“.

          Wachablösung durch „Dr. Eisenfaust“

          Ausgedehnte Spaziergänge am Pazifik, ein wenig Schattenboxen unter der kalifornischen Sonne, die Kampfstrategie besprechen und generell viel reden, mit Trainer Fritz Sdunek oder mit Bruder Wladimir, egal über welches Thema, sollen Klitschko in den verbleibenden Stunden bis zum Showdown die mentale Spannkraft verleihen, um den sechs Jahre älteren Weltmeister aus London zu entthronen.

          Dieser rührte am Dienstagabend noch einmal die Werbetrommel. Beim Baseball-Match zwischen den gastgebenden Dodgers und den San Francisco Giants eröffnete Lewis mit dem ersten Ballwurf das Spiel. Daß in der Königsklasse des Preisboxens die Wachablösung durch „Dr. Eisenfaust“ vollzogen wird, bezweifelt weder der als 5:1-Außenseiter geführte Ex-Champion aus dem Hamburger Universum Boxstall noch sein Coach. Über eine mögliche Niederlage hätten sie nicht einmal gesprochen, versicherte Sdunek.

          Locker und selbstkritisch

          „Wir denken grundsätzlich positiv. So wie alle Amerikaner, die den Weg vom Tellerwäscher zum Millionär gemeistert haben.“ Sdunek würde sein Geld auf Klitschko setzen, so überzeugt ist er vom Triumph seines Schützlings. Denn noch nie habe der ältere der beiden „Sweet Scientists“ (Süße Wissenschaftler), wie die „Los Angeles Times“ die promovierten Sportwissenschaftler aus der Ukraine respektvoll betitelte, eine bessere Vorbereitung absolviert.

          Er habe mit Wladimir, der vier Zentimeter größer als Lewis (1,96 m) ist, den besten Sparringspartner der Welt gehabt, erklärte Vitali. Außerdem hatte der 31-Jährige nicht ein Wehwehchen zu beklagen. „Alles lief optimal. Vitali wurde von Woche zu Woche stärker und sicherer. Und trotz der Anspannung ist er locker und selbstkritisch geblieben“, resümierte Sdunek, der neun Weltmeister hervorgebracht hat.

          „Vitalis Rechte haut dir den Kopf ab“

          Er schwärmte: „Vitalis Rechte kommt so blitzschnell und brutal, daß sie dir den Kopf abhaut“. Sowas habe er bei der „Pratzenarbeit“ noch nicht erlebt. „Nur gut“, flachste Sdunek, „daß ich jetzt einen Vollbart habe. Dadurch sind die Schläge nicht ganz so hart gewesen“. Den ungewohnten grauen Kinnschmuck trägt der Mecklenburger seit zehn Tagen. Wegen eines Ausschlags im Gesicht, ausgelöst durch eine Obstallergie, konnte er sich nicht rasieren.

          Wladimir, der am 30. August in München wieder in den Ring steigt, schlug daraufhin vor: „Fritz, wir werden uns beide erst wieder nach dem Kampf rasieren, so wie die Eishockey-Spieler nach ihren Playoffs.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.