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Doping und Korruption : Die Leichtathletik versinkt im Chaos

Die London-Olympiasiegerin über 800 Meter, Marija Sawinowa (rechts), und die Olympia-Dritte Jekaterina Poistogowa Bild: dpa

Der Leichtathletik-Weltverband und die Welt-Anti-Doping-Agentur verstricken sich in immer größere Widersprüche: Zurückgetretene Funktionäre nehmen an Sitzungen teil. Und die Wada erinnert sich nicht an eigene Forderungen.

          Der Internationale Leichtathletik-Verbandes (IAAF) und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) verstricken sich bei dem Versuch, der Vertrauenskrise infolge des weitreichenden Doping- und Korruptionsverdachts in der Leichtathletik Herr zu werden, in immer größere Widersprüche. So nahm Walentin Balachnitschew, der zurückgetretene Präsident des russischen Leichtathletik-Verbandes, nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Sonntag in Peking an der Sitzung des 27 Personen umfassenden IAAF-Councils teil – obwohl er sein Amt als Schatzmeister des Weltverbandes ruhen lässt, seitdem im vergangenen Dezember bekannt wurde, dass Balachnitschew daran beteiligt war, der russischen Marathonläuferin Lilija Schobukowa einen Teil der 450.000 Dollar zurückzuerstatten, die sie zur Vermeidung einer Doping-Sperre in bar beim russischen Verband in Moskau abgeliefert hatte.

          Auch Habib Cissé hat an den Beratungen in Peking teilgenommen, obwohl er nach den Berichten der ARD über Korruption und verschleierte Doping-Fälle in der Leichtathletik im vergangenen Dezember als Rechtsberater des Weltverbandes ebenfalls zurückgetreten war.

          Auch der Umgang der „Unabhängigen Kommission“, die von der Wada zur Aufklärung der Vorwürfe eingesetzt wurde und die von dem Kanadier Richard Pound geführt wird, mit den Berichten der britischen „Sunday Times“ und der ARD über Hunderte verdächtige Blutwerte aus der Zeit zwischen 2001 und 2012, verwundert.

          Die Kommission hatte am Freitag veröffentlicht, dass sie die Berichte in ihren Arbeitsauftrag einbeziehe und sich ein Ergebnis ihrer Arbeit verzögere. Zugleich wird in der Stellungnahme festgehalten, dass Werte aus der Zeit vor Einführung eines Blutpasses, also vor 2009, „verdächtig gewesen sein mögen und zu zielgerichtete Kontrollen hätten führen können. Aber ansonsten hätte mit den Werten nichts weiter gemacht werden können“.

          Pound: „Er muss ein Weckruf sein“

          So viel Verständnis für die Haltung der IAAF, deren Vertreter seit Wochen angeben, ihr Möglichstes angesichts der verdächtigen Blutwerte getan zu haben? Im Frühjahr 2013 hatte Pound, Gründungspräsident der Wada und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, ein 27 Seiten umfassendes Papier mit dem Titel „Bericht an das Exekutivkomitee der Wada zur mangelnden Effektivität der Testprogramme“ abgegeben. Der Kanadier hatte damals einer Wada-Arbeitsgruppe vorgestanden, die sich mit den Schwächen des Anti-Doping-Kampfes auseinandersetzte.

          Das Ergebnis ist eindeutig: „Offensichtlich gibt es viele systemische, organisatorische und menschliche Gründe“, heißt es in dem Bericht, „warum die Anti-Doping-Programme generell erfolglos dabei waren, Doper und Betrüger zu aufzudecken“. Doping-Tests seien dabei „nicht eben effektiv“ gewesen, die Aufklärungsquote bewege sich auf dem Niveau von 1985. „Es gibt keinen generellen Drang, das Bemühen und die Kosten für einen erfolgreichen Versuch aufzubringen, den Sport vom Doping zu befreien.“

          Richard Pound rief 2013 „zu den Waffen“ – zwei Jahre später vertröstet er seine Kommission.

          Dies betreffe, „in unterschiedlichem Maße“, Athleten, Verbände, Nationale Olympische Komitees, Anti-Doping-Agenturen und Regierungen und komme in dem „Unwillen zum Ausdruck, Verdachtsmomenten und Hinweisen nachzugehen, Informationen zu teilen und Aufklärung, effektive Maßnahmen und andere Ressourcen zu investieren“.

          Pound hatte damals der Nachrichtenagentur AP zu dem Bericht gesagt: „Er muss ein Weckruf sein, ein Ruf zu den Waffen. Wir werden sehen, welche Reaktionen wir von den Akteuren im Sport bekommen. Wenn sie nicht richtig reagieren, wird es nur ihnen anzulasten sein.“ Er hatte damals gefordert, Doping-verseuchte Sportarten aus dem olympischen Programm zu nehmen: „Es geht darum, hart zu sein. Druck ausüben zu können.“

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