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Doping und Korruption : Die Leichtathletik versinkt im Chaos

IAAF stimmt Veröffentlichung nicht zu

Die Arbeitsgruppe hatte 90 Handlungsempfehlungen gegeben und Schwächen einzelner Akteure detailliert aufgelistet. So heißt es über internationale Verbände wie die IAAF an erster Stelle, es gäbe keinen Anreiz, Doper zu erwischen, da Anti-Doping nicht zum Geschäftsmodell gehöre – „außer in Krisenzeiten“. Hinweisgeber würden barsch behandelt, Interessenkonflikte seien inhärent und: „ernsthaften Hinweisen auf Doping und dessen Vertuschung wird nicht nachgegangen.“

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Die festgestellten Schwächen der internationalen Verbände zeigen sich bis heute, das im Bericht beschriebene Verhalten auch. Präsidentschaftsbewerber Sebastian Coe sagte am Sonntag, es gebe keinen Grund angesichts der „historisch belegten Kompetenz und Integrität“ der IAAF m Kampf gegen Doping, die einen solchen Angriff auf die Leichtathletik rechtfertige. Und die IAAF verschickte eine Pressemitteilung, in der versucht wieder wird, Medienberichte herunterzuspielen.

So hatte die „Sunday Times“ auf ihrer Titelseite über die Studie der Universität Tübingen berichtet, mit der sie unter Leichtathleten, die an der WM 2011 in Daegu/Südkorea teilgenommen haben, erfragt hatte, dass rund ein Drittel der Teilnehmer dope. Die Studie, die der F.A.Z. vorliegt, war bereits vor zwei Jahren von der „New York Times“ zitiert worden. Unter den Teilnehmern der Panarabischen Spiele in jenem Jahr räumten 45 Prozent der Teilnehmer Doping ein.

„Ein zu schroffes Schwert“: Wada-Chef Craig Reedie
„Ein zu schroffes Schwert“: Wada-Chef Craig Reedie : Bild: dpa

Die IAAF hat der Veröffentlichung der Studie bis heute nicht zugestimmt, hält aber nun fest, die Nachricht sei nicht neu. Man habe der Veröffentlichung auch nicht widersprochen, aber ernste Bedenken hinsichtlich der Ergebnisinterpretation. Gleichzeitig empfehle man aber anderen Verbänden, ähnliche Umfragen zu unternehmen – man sei bislang der einzige Verband, der dies tue. Die Tübinger Universität beklagt dagegen einen „ernsthaften Eingriff in die Publikationsfreiheit“.

„Warum gibt es keine Sanktionen?“

Die ARD berichtete am Sonntag, die IAAF habe den russischen Leichtathletikverband aufgefordert, die Olympiasiegerin über 800 Meter, Marija Sawinowa, und die Olympia-Dritte Jekaterina Poistogowa sowie zwei weitere 800-Meter-Läuferinnen für vier Jahre, Chefmediziner Sergej Portugalow, Verbandstrainer Alexej Melnikow, 800-Meter-Trainer Wladimir Kasarin und Trainer Wladimir Mochnew lebenslang zu sperren, sollten diese die Doping-Vorwürfe nicht widerlegen können. Zugleich seien sechs weitere russische Geher positiv auf das Blutdoping-Mittel Epo getestet worden.

Der deutsche Trainer und frühere Geher Andre Höhne kritisierte in einem Video des Senders die IAAF scharf: Sie verwende, angesichts ihrer Einnahmen, „lächerliche Summen“ für die Bekämpfung von Doping. Er komme gegenüber Kindern und Eltern in Nöte zu erklären, welchen Sinn Wettkämpfe überhaupt noch hätten. „Warum“, fragt Höhne, „gibt es keine Sanktionen, keine Sperren gegen Länder? Warum geht das nicht?“

Tatsächlich hatte Richard Pound in seinem Bericht vor zwei Jahren gefordert, die Wada müsse die Möglichkeit erhalten, wenigstens interimistische Sperren gegen Verbände auszusprechen, wenn offenbar werde, dass der Anti-Doping-Code verletzt wird. Die Möglichkeit besteht bis heute nicht – Wada-Präsident Craig Reedie lehnte entsprechende Forderungen zuletzt mit der Behauptung ab, das sei ein „zu schroffes Schwert“.

Allerdings hatte die Wada im Frühjahr sechs Staaten an das IOC gemeldet, die den Wada-Code nicht den Verpflichtungen entsprechend umsetzten: Nordkorea, El Salvador, Guinea-Bissau, Haiti, Sierra Leone und die amerikanischen Jungferninseln.

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