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Robert Hartings Eklat : „Hoffe, der Diskus springt Richtung Brille“

Robert Harting: „Die machen alles kaputt”
          4 Min.

          Robert Harting lernt einfach nicht dazu. „Das Problem ist, ich unterschätze die Kraft des Wortes“, sagte er am Dienstagmorgen, nachdem er sich fürs Finale qualifiziert hatte. Und dann bewies der Riese von mehr als zwei Meter Körpergröße, dass er mit seinem Gerede noch mehr Schaden anrichten kann als mit unkontrollierter Körperkraft. „Es ist ja nicht gelogen, es ist die Wahrheit“, sagte er über seine jüngste Kritik an der Führung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Präsident Clemens Prokop und Generalsekretär Frank Hensel.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Die sollen sich Gedanken mache, die diese Sache an den Kopf kriegen, und sie nicht abtun“, sagte er, und auf die Frage, ob er solchen Streit gezielt anzettele, um sich für den Wettkampf unter Spannung zu setzen, antwortete er: „Das puscht mich natürlich, wenn ein paar Leute dagegen sind. Aber einige Sachen wie die Pressekonferenz der Anti-Dopingopfer, die sollen uns in Ruhe lassen; was soll das denn! Mit den Brillen. . . Ich hoffe, wenn der Diskus aufkommt, dass er dann gleich noch mal Richtung Brillen springt. Dann gibt es wirklich nichts mehr zu sehen.“

          Der gemeinnützige Dopingopfer-Hilfeverein hat in Berlin gefordert, die Leidtragenden und ihre Erfahrung in die Bekämpfung von Doping einzubinden. An diesem Dienstag ließ der Verein zum ersten Mal undurchsichtige sogenannte Doping-Schutzbrillen verteilen, auf denen steht: „Sportbegeisterte freuen sich auf einmalige Erlebnisse. Stattdessen bekommen sie Hochglanzbilder, die lügen, Trainer, die leugnen, Anti-Doping-Kommissionen, die das Gift sauberreden, Sportfunktionäre, die den Betrug abnicken, Politiker, die das bezahlen und feiern.“ Sie sollen auch am Brandenburger Tor verteilt werden, wenn dort die Marathonläufe stattfinden.

          Trainer Goldmann (r.), Werfer Harting: Vorfreude auf die Pressekonferenz
          Trainer Goldmann (r.), Werfer Harting: Vorfreude auf die Pressekonferenz : Bild: dpa

          Nicht nur das empfindet Harting offenbar als persönlichen Angriff. Noch dazu hatte auf der Pressekonferenz das Dopingopfer Andreas Krieger, als Heidi Krieger 1986 Europameisterin im Kugelstoßen, heftig kritisiert, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband eine Handvoll DDR-Trainer pauschal die Absolution erteilt habe und auch Werner Goldmann, Hartings Trainer, weiterbeschäftige. „Dieser Mann gehört für mich überhaupt nicht mehr in den Sport“, sagte Krieger. „Er hätte nach der Wende die Gelegenheit gehabt, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen.“

          „Wollt ihr einen Geheimtipp?“

          Goldmann hatte vom DLV zunächst keinen Vertrag mehr erhalten, nachdem ein ehemaliger DDR-Kugelstoßer, Gerd Jacobs, ihm öffentlich vorgeworfen hatte, an ihn leistungssteigernde Hormonpräparate verabreicht zu haben. „Das ist das Problem“, sagte Harting am Dienstag. „Die machen alles kaputt. Gerd Jacobs - da sage ich nichts mehr dazu.“ Der Vorfall bekam eine merkwürdige Fortsetzung, als Harting in die Mixed Zone zurückkehrte und einigen Reportern, die noch nicht gegangen waren, sagte, sie sollten ihn nun nicht als Mörder beschreiben. Dann wandte er sich an einige Journalisten und fragte: „Wollt ihr einen Geheimtipp?“

          Ehe sie antworten konnten, sagte er „Geipel“ und ging. Ines Geipel ist Schriftstellerin und Hochschulprofessorin in Berlin, vor allem aber die Stimme der Dopingopfer. Sie ist die Frau hinter der Brillen-Kampagne. „Nach allem, was in den letzten Monaten passiert ist, ist klar, dass sie mich auf dem Kieker haben“, sagte sie. Noch vor Jahren sei sie auch persönlich bedroht worden von Vertretern des DDR-Sports; seit Erscheinen ihres Buches „No Limits“ sei das vorbei. „Die Äußerungen von Harting zeigen, wie viel Aufklärungsarbeit in diesem Verband noch nötig ist.“

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