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Robert Hartings Eklat : „Hoffe, der Diskus springt Richtung Brille“

„Ich freue mich auf die Pressekonferenz“

DLV-Präsident Prokop kommentierte den jüngsten Ausbruch Hartings mit dem Wort „unsäglich“. Später wurde eine Verbandserklärung verbreitet, in der es hieß, Harting bedauere aufrichtig seine Aussagen gegenüber Dopingopfern; er bitte um Nachsicht, dass die Anspannung des Qualifikations-Wettkampfes nachgewirkt und zu den unakzeptablen Äußerungen geführt hätte. „Dies wurde dadurch verstärkt, dass Diskussionen um die Dopingproblematik in der Vergangenheit wiederholt seine Konzentration auf die Vorbereitung gestört hatten“, so der DLV.

Am Mittwochabend soll Harting im Olympiastadion eine Medaille gewinnen. In der Qualifikation war sein einziger Versuch mit 66,73 Meter der zweitbeste Wurf. Mit einer Medaille in Händen, das hat er im Trainingslager angekündigt, wolle er die Verbandsführung erst recht angehen. „Ich freue mich schon auf die Pressekonferenz nach der Diskus-Entscheidung“, sagte er und verriet auch, warum. Er erhalte nicht die Wertschätzung, die er verdiene. Harting hat Erfahrung mit Ex-post-Forderungen. Nachdem er bei der Weltmeisterschaft in Osaka überraschend die Silbermedaille gewonnen hatte, verlangte er vom Verband, die Reisekosten für Trainer Goldmann zu übernehmen. Er bekam seinen Willen.

„Ich wünsche ihm, dass er Weltmeister wird“

Zu Forderungen, Harting wegen seiner Drohungen auf der Stelle aus der Mannschaft zu entfernen, sagte Ines Geipel: „Ich wünsche ihm, dass er Weltmeister wird. Umso länger wird die Diskussion anhalten.“ Robert Harting ist groß, 2,01 Meter, aber er ist nicht erwachsen. Er ist schwer, 131 Kilo, aber er weiß kaum, welches Gewicht hat, was er tut und was er sagt. Bald 25 Jahre alt, hat er eine Reputation als großer Junge, der in der Pubertät stecken geblieben ist.

Bevor Trainer Goldmann Hartings Kraft im Diskuswerfen kanalisieren konnte, setzte dieser sie gelegentlich bei Schlägereien in der Disco ein. „Jetzt reagiere ich mich im Training ab“, sagte Harting kürzlich einer Boulevardzeitung. „Wenn sich einer prügeln will, weise ich ihn kurz darauf hin, was mit ihm passieren könnte. Da habe ich mich im Griff, solange keiner mein Mädchen anfasst.“

„Robert Harting ist gegen jede Form des Dopings“

Aus einfachen Verhältnissen in Cottbus stammend, erlebte Harting früh, dass er mit seinen körperlichen Fähigkeiten im Sport gut aufgehoben ist. Bei einigen Handballspielen warf er fast alle Tore seines Teams - und verlor trotzdem. Den Ausschlag für den Wechsel der Sportart gab eine schwere Demütigung, die der Trainer seinem dünnhäutigen Koloss zufügte: Er verlangte vor versammelter Mannschaft den säumigen Vereinsbeitrag.

Vor vierzehn Tagen versuchte Harting den Widerspruch zwischen dem verbreiteten Doping und den Einschränkungen der persönlichen Freiheit durch Dopingkontrollen zu beschreiben. „Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben, so knallhart sich das auch anhören mag“, sagte er. „Dann würde sich zumindest niemand mehr darüber aufregen.“ Auch damit sorgte er für einen Skandal. Jetzt ließ der DLV ausrichten: „Robert Harting ist gegen jede Form des Dopings im Sport.“ Doch so ganz trauen ihm die Funktionäre wohl noch immer nicht über den Weg. Nach dem Finale „wird der Deutsche Leichtathletik-Verband die Problematik mit ihm noch einmal diskutieren“.

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