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Im Gespräch: Clemens Prokop, DLV-Präsident : „Harting hat Grenzen überschritten“

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DLV-Präsident Prokop: „Unsägliche und unakzeptable Aussagen” Bild: dpa

Diskuswerfer Harting darf bei der WM trotz seines Angriffs gegen Doping-Opfer starten - er habe sich doch entschuldigt, meint Verbandschef Clemens Prokop. Der Verband werde sich nach der WM mit dem Verhalten des Diskuswerfers beschäftigen.

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          Diskuswerfer Robert Harting darf bei der WM trotz seines Angriffs gegen Doping-Opfer starten - er habe sich doch entschuldigt, meint Verbandschef Clemens Prokop. Der Verband werde sich nach der WM mit Hartings Verhalten beschäftigen.

          Sie haben sich bei der WM erfolgreiche und sympathische Sportler gewünscht. Erfolgreich sind sie – aber Robert Harting darf Doping-Opfer und den Ruf der deutschen Leichtathletik ungestraft beschädigen. Warum?

          Die Äußerungen von Robert Harting sind unsäglich und unakzeptabel. Aber dass er bei der WM trotzdem startet, beruht darauf, dass er sich entschuldigt hat. Wir werden uns nach der WM mit diesem Vorgang beschäftigen müssen.

          Mit Entschuldigung an den Start: Robert Harting

          In Paragraph 2 der Nominierungsrichtlinien steht, dass ein Athlet für Deutschland starten darf, wenn er nicht grob gegen den Geist des Fair play verstoßen hat und seine Eignung als Vorbild für die Jugend nicht in Frage gestellt ist. Hätte der DLV aufgrund seiner Regeln Robert Harting nicht suspendieren müssen?

          Die Suspendierung ist in den Nominierungsrichtlinien nicht vorgesehen. Die Kaderzugehörigkeit und die Suspendierung sind zwei verschiedene Dinge. Mit den Nominierungsrichtlinien ist die Frage des Startrechts nicht zu lösen.

          Aber der Geist, um den es geht, ist derselbe.

          Es geht bei solchen Dingen nicht nur um den Geist, sondern auch um juristische Fragen. Deswegen hat die Abteilung Leistungssport auf Grund der Entschuldigung die Entscheidung getroffen, ihn starten zu lassen.

          Warum entscheidet eine solche Frage die Abteilung Leistungssport? Was deren Ziel ist, wissen wir: Medaillen. Als Präsident müssen Sie doch Schaden vom Ansehen des Verbandes abwenden.

          Ich muss noch einmal auf die Erklärung von Robert Harting verweisen . . .

          . . . die der DLV für ihn formuliert hat . . .

          Ich weiß nicht, wie die Erklärung zustande gekommen ist. Ich war nicht daran beteiligt. Ich habe sie nur zur Kenntnis bekommen.

          In der Erklärung wird entschuldigend vom Wettkampfdruck gesprochen. Harting aber fällt ständig auf. Vor drei Wochen forderte er die Doping-Freigabe – und ruderte dann halbherzig zurück.

          Das ist eine nicht akzeptable Aussage, die der Auffassung des DLV diametral entgegensteht. An der Deutlichkeit meiner Stellungnahme gibt es nichts zu rütteln.

          Dann hat Harting in dieser Woche Ihnen und Generalsekretär Hensel vorgeworfen, untätig zu sein, nichts geleistet zu haben und Sie aufgefordert, von Ihren Ämtern zurückzutreten.

          Es gibt in der Leichtathletik gewisse Rituale vor einer Weltmeisterschaft, um Aufmerksamkeit zu erregen. Eines davon ist die Kritik an der Verbandsführung. Das haben wir schon vor vielen sportlichen Großveranstaltungen erlebt. Ich nehme solche Äußerungen nicht ernst. Wenn Kritik auf diesem Niveau stattfindet, halte ich eine Auseinandersetzung darüber für überflüssig.

          Und dann kommt der Angriff auf die Doping-Opfer. Das sieht nicht nach unbedachten Sprüchen aus, sondern nach Provokationen mit System.

          Man muss unterscheiden: Diese Angriffe auf Doping-Opfer sind unakzeptabel. Ich sehe das gesamte Verhalten von Robert Harting als sehr problematisch an. Wir werden uns nach der WM mit seinem Verhalten beschäftigen.

          Plädieren Sie dafür, dass er aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen wird?

          Diese Frage werden wir in den zuständigen Gremien diskutieren, nicht in den Medien. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Wenn ich aber die Möglichkeiten aufzählte, würde ich damit nur zu Spekulationen einladen. Grundsätzlich gilt: Jeder Athlet hat das Recht zur eigenen Meinung. Jeder Athlet hat auch das Recht, den Verband zu kritisieren. Was ich aber erwarte: Die Grenzen der Meinungsfreiheit und die Grundwerte des Sports müssen stets beachtet werden.

          Was heißt das in Bezug auf die Doping-Opfer?

          Meiner Auffassung nach sind hier diese Grenzen überschritten worden.

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