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Betty Heidler : Hammerfrau mit Wildcard

Der Hammer: Betty Heidler hat das Vier-Kilo-Gerät im Griff Bild: picture-alliance/ dpa

Sie ist Berlinerin und eines der Gesichter der Leichtathletik-WM: Betty Heidler. In Südafrika und Teneriffa ließ sie den Hammer schon fliegen, doch 2009 hat sie nur ein Ziel: Berlin.

          Die Hammerwerfer fühlen sich oft als Stiefkinder der Leichtathletik. Um ihre Disziplin ausüben zu können, werden sie in Käfige gesperrt. Bei großen Meisterschaften müssen sie stets in den Randschichten antreten, da ihre fliegenden Sportgeräte so gefährlich sind. Und zu den großen Meetings werden sie oft gar nicht erst eingeladen - es soll vermieden werden, dass Läufer oder Springer von dem 16 englische Pfund (7,26 Kilogramm) schweren Gerät gefährdet oder gar erschlagen werden.

          Und dann können sich die Hammerwerfer im Gegensatz zu ihren werfenden Kollegen, die mit Diskus oder Speer hantieren, noch nicht einmal auf antiken Wurzeln berufen: Hammerwerfen stammt nicht aus Griechenland, sondern aus Schottland - und hat seine Ursprünge nicht bei den edlen Olympischen Spielen sondern den eher rustikalen „Highland Games“.

          Die Anführerin der deutschen Werferinnen

          Frauen dürfen erst seit 1994 offiziell mit dem Hammer (allerdings nur vier Kilo schwer) hantieren. Umso mehr freute sich Deutschlands beste Werferin, dass sie zu den Gesichtern der Leichtathletik-WM 2009 gezählt wird. „Ich bin mit im Team und darf national wie international für die WM in meiner Heimatstadt Berlin Werbung machen!“, schrieb Betty Heidler ganz begeistert auf ihrer Homepage (siehe: Homepage von Betty Heidler). Aber warum auch nicht, schließlich ist sie eine von nur zwei amtierenden deutschen Weltmeisterinnen von 2007.

          Daumen hoch: Die Frühform stimmt bei Betty Heidler

          Bei der Präsentation von „Germanys next Track & Field-Faces“ in Berlin konnte die rotmähnige Athletin vergangene Woche nicht dabei sein; da saß sie noch im Flugzeug von Südafrika zurück nach Frankfurt. Drei Wochen Trainingslager hatte sie am Kap verbracht, nach Aussage ihres Trainers Michael Deyle ist ihr die Zeit dort „sehr gut bekommen: Die Wetterbedingungen waren hervorragend, die Trainingsbedingungen auch, und die Form lässt sich auch sehen.“ Bei einem Wettkampf in Germiston bei Johannesburg gewann Betty Heidler mit einer Leistung von 74,25 Metern. So weit hatte sie den Hammer seit ihrem WM-Sieg in Osaka nicht mehr geworfen (siehe: Leichtathletik-WM: Betty Heidler gewinnt Hammerwurf-Gold).

          „Ich hatte gehofft, dass es etwas weiter geht“

          Kaum zurück in Deutschland, stieg die vom Dienst freigestellte Polizeimeisterin dann schon wieder in den Flieger, diesmal in Richtung Teneriffa. Beim Winterwurf-Europacup in Los Realejos war die 25-Jährige von der LG Eintracht Frankfurt am Wochenende die deutsche Anführerin. „Klar ist das Reisen stressig“, sagt Trainer Deyle. „Doch das gehört zum Job. Man registriert das, schüttelt sich und los geht's.“

          Der Werfercup ist einer der wenigen Wettbewerbe in der Leichtathletik, bei denen die Werfer die ungeteilte Aufmerksamkeit genießen. Zudem wird hier der Teamgedanke groß geschrieben: die Resultate aus Speer-, Hammer- und Diskuswerfen sowie Kugelstoßen werden zusammen addiert, und am Ende ein Gesamtsieger gekürt.

          „Ein gutes Ergebnis und ein aufregender Wettkampf“

          Betty Heidler gelang am Samstag eine ordentliche Serie mit einer Reihe von Würfen über 71 Metern. Ihre beste Marke von 73,45 Meter reichte in der Hammerwertung für Rang zwei hinter Anita Wlodarczyk aus Polen (75,05). „Ich hatte gehofft, dass es etwas weiter geht“, reflektierte Heidler ihre Leistung: „Aber für den frühen Zeitpunkt im Jahr war es ein gutes Ergebnis und ein aufregender Wettkampf.“ Fünfte wurde Vereinskollegin Kathrin Klaas, die mit 71,23 Metern erstmals die doppelt geforderte Norm von 70 Metern für die Heim-WM erfüllte.

          Das ansonsten mit Nachwuchswerferinnen angetretene deutsche Frauenteam belegte in der Nationenwertung Rang drei mit 4203 Punkten hinter Rumänien (4223) und Italien (4216). „Insgesamt ganz zufriedenstellend“, nannte Trainer Deyle die Vorstellung der zweiten Werfergarde, zu der Katharina Molitor (Leverkusen) 59,75 Meter mit dem Speer, Josephine Terlecki (Ohra) 16,71 Meter mit der Kugel und Nadine Müller 57,40 Meter mit dem Diskus beisteuerten. Die deutschen Männer gewannen dagegen mit 4337 Punkten vor Spanien und Russland.

          „Ich will wieder Gold gewinnen“

          „In den nächsten Wettkampf werden wir anders reingehen“, so Deyle: „Da soll Betty direkt auf Sieg werfen.“ Doch ohnehin ist alles, was jetzt passiert, nur Zwischengeplänkel. Die Gesamtplanung des Jahres ist nach der Enttäuschung von Peking, wo die Weltmeisterin nur Neunte wurde, Einzig und allein auf Berlin ausgerichtet. Und für ihre Heim-WM hat Betty Heidler ganz große Pläne.

          „Obwohl ich in Frankfurt wohne, ist Berlin meine Heimatstadt. Deshalb sind die Weltmeisterschaften etwas ganz besonderes für mich. Ich will wieder Gold gewinnen“, kündigt sie selbstbewusst an. Die Jurastudentin genießt den Vorteil, dass sie schon jetzt ohne Wenn und Aber für die WM vom 15. bis 23. August planen kann, denn sie muss sich weder um internationale Normen noch um nationale Qualifikationskriterien kümmern: Als Titelverteidigerin erhält Betty Heidler vom Weltverband IAAF eine Wildcard.

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