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Weltrekord und WM-Gold : Der 100.000-Dollar-Zehnkampf

Der Zehnkämpfer, der alles kann: Ashton Eaton Bild: AFP

Für Bronzemedaillen-Gewinner Rico Freimuth ist er „größer als Usain Bolt“: Zehnkämpfer Ashton Eaton gewinnt Gold mit Weltrekord und dankt den Deutschen für ihren „Spirit“.

          Der Amerikaner Ashton Eaton hat bei der Leichtathletik-WM die Goldmedaille im Zehnkampf gewonnen und mit 9045 Punkten einen neuen Weltrekord aufgestellt. Der 27-Jährige kassierte damit als erster Leichtathlet bei diesen Titelkämpfen die 100.000 Dollar schwere Extraprämie, die der Weltverband IAAF für einen neuen Weltrekord ausgelobt hatte.

          Titelverteidiger und Olympiasieger Eaton, der selbst von seinen Konkurrenten als der „perfekte Athlet“ gelobt und allseits respektiert wird, lag an den beiden Zehnkampf-Tagen von Beginn an in Führung. Über 100 Meter rannte er zum Auftakt in 10,23 Sekunden die weltbeste Zeit, die je ein Leichtathlet im Rahmen eines Zehnkampfs erzielt hatte. Über 400 Meter stellte er in glatten 45,00 Sekunden einen WM-Rekord auf.

          Der Mann aus Eugene (Oregon) sprang am ersten Tag zudem 7,88 Meter weit, schaffte im Kugelstoßen 14,52 Meter und überwand im Hochsprung 2,01 Meter. Er startete in den zweiten Tag in 13,69 Sekunden über 110 Meter Hürden, warf den Diskus 43,34 Meter weit, erreichte im Stabhochsprung starke 5,20 Meter, und im Speerwurf 63,63 Meter.

          Weltrekord im Visier: Ashton Eaton ist ein Sprinter-Springertyp, aber er kann auch Speerwerfen

          Und dann wurde gerechnet. Im abschließenden 1500-Meter-Lauf kämpfte er um jeden Schritt. Am Ende kam er in 4:17,52 Minuten ins Ziel. Er übertraf in der Addition aller Werte seinen eigenen Weltrekord von 2012 um sechs Punkte - umgerechnet eine knappe Sekunde über 1500 Meter. „Er ist der größte Leichtathlet, den es gibt“, schwärmte der drittplazierte Rico Freimuth. „Für mich ist seine Leistung größer als die von Usain Bolt.“

          Bronze für Freimuth -  aber kein Familienrekord

          Auch Rico Freimuth aus Halle an der Saale schaffte in der Summe der zehn Disziplinen eine neue persönliche Bestleistung. Mit 8561 Punkten gewann er am Samstag die Bronzemedaille und erfüllte sich damit „einen Lebenstraum“. Seine Karriere habe „den Höhepunkt“ erreicht, schwärmte der 27-Jährige im Ziel - nachdem er wieder sprechen konnte. Vorher musste sich der 95-Kilo-Brocken im 1500-Meter-Lauf richtig quälen, um seinen Vorsprung auf den Russen Ilja Schkurenjow zu verteidigen. Freimuth schaffte es, er kam nach - für seine Verhältnisse - ordentlichen 4:37,05 Minuten ins Ziel und rettete 23 Punkte Vorsprung.

          Rico Freimuth: Bronze bei der WM 2015

          Dort hatte ihn sein über 1500 Meter deutlich schnellerer, insgesamt aber unter den Erwartungen gebliebener Teamkollege Michael Schrader schon erwartet und ihn herzhaft angefeuert, ja nicht nachzulassen. Und Freimuth kämpfte, wie er es auch seiner Trainingskameradin Cindy Roleder versprochen hatte. Die blonde Siebenkämpferin war am Vortag überraschend zu WM-Silber über 100 Meter Hürden gerannt, trainiert aber seit einiger Zeit verstärkt Mehrkampf und hatte ihm vorher eingebleut: „Du kämpfst heute.“

          Und Freimuth kämpfte, wofür er anschließend auch mit einer herzlichen Umarmung Cindy Roleders belohnt wurde. Er schaffte am Ende zwar nicht den Hausrekord seines Vaters Uwe, der 1984 - nach alter Wertung - 8792 Punkte erzielt hatte. Doch er gewann die erste Medaille der Familiengeschichte. Denn für den damaligen DDR-Athleten Uwe hatte es 1983 bei der ersten Leichtathletik-WM in Helsinki nur für einen vierten Platz gereicht.

          Das war nichts: Zehnkämpfer Schrader bleibt im Stabhochsprung unter seinem Niveau

          In einem insgesamt enorm starken WM-Wettkampf 2015 im „Vogelnest“, bei dem sechs der ersten acht persönliche Bestleistungen schafften, gewann der Kanadier Damian Warner Silber. Mit 8695 Punkten stellte er zudem einen neuen Landesrekord auf. Warner hatte schon beim Mehrkampf-Meeting Ende Juni in Götzis seine Extraklasse unter Beweis gestellt: dort markierte er mit 7893 Punkten einen inoffiziellen (und unfreiwilligen) Weltrekord im Neunkampf, nachdem er drei ungültige Kugelstöße verzeichnen musste.

          Den besten Spirit, den stärksten Willen

          Die anderen beiden deutschen Zehnkämpfer Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied und Michael Schrader, (Dreieich) blieben in Peking ein wenig hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Sie landeten mit 8448 und 8418 Punkten auf den Plätzen sechs und sieben. Schrader, in Moskau 2013 noch WM-Zweiter, danach aber ein Jahr lang verletzt, verspielte seine Medaillenchancen im Stabhochsprung, bei dem er mit 4,60 Meter einen knappen halben Meter unter seinem Leistungsvermögen blieb. Danach konzentrierte es sich vor allem darauf, seinen Freund und Trainingspartner Rico zu unterstützen und anzutreiben. Es gelang und Freimuth dankte es ihm: „Jetzt haben wir beide eine Medaille.“

          Zehnkämpfer gewinnen nicht allein: allgemeine Ehrenrunde zu Ehren von Ashton Eaton (USA), Damian Warner (r., Kanada) und Rico Freimuth (l., Deutschland)

          Es spricht für sich, dass Kazmirek, Schrader und Freimuth nach dem Zehnkampf höchstes Lob aus berufenem Munde erhielten. Zehnkampf-König Eaton sagte über seinen Weltrekord: „Das Ergebnis ist großartig, aber ich habe das nicht allein geschafft.“ Und vor der ARD-Kamera schwärmte er über Freimuth & Co: „Ich liebe diese Jungs. Sie haben den besten Spirit und den größten Willen.“

          Leichtathletik-WM, Endstand im Zehnkampf

          1. Ashton Eaton (USA) 9045 Punkte - Weltrekord
          (100 m: 10,23 Sek./ Weitsprung: 7,88 m / Kugelstoß: 14,52 m / Hochsprung: 2,01 m / 400 m: 45,00 Sek. / 110 m Hürden: 13,69 Sek. / Diskuswurf: 43,34 m / Stabhochsprung: 5,20 m / Speerwurf: 63,63 / 1500 m: 4:17,52 Min.)
          2. Damian Warner (Kanada) 8695
          (10,31/7,65/14,44/2,04/47,30/13,63/44,99/4,80/63,50/4:31,51)
          3. Rico Freimuth (Halle/Saale) 8561
          (10,51/7,51/15,50/1,95/47,82/13,91/50,17/4,80/60,61/4:37,05)
          4. Ilja Schkurenjow (Russland) 8538
          5. Larbi Bouraada (Algerien) 8461
          6. Kai Kazmirek (LG Rhein/Wied) 8448
          (10,90/7,40/14,27/2,10/46,83/14,39/40,08/5,20/62,55/4:35,61)
          7. Michael Schrader (Dreieich) 8418
          (10,78/7,71/14,32/1,95/47,12/14,19/44,58/4,60/62,09/4:22,30)
          8. Kurt Felix (Grenada) 8302.

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