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Verfahren eingestellt : Coleman wird laufen gelassen

  • Aktualisiert am

Kann sich als Sieger fühlen: Christian Coleman Bild: AP

Der amerikanische Topsprinter Coleman darf trotz drei verpasster Dopingtests bei der Leichtathletik-WM in diesem Monat starten. Grundlage der Kehrtwende ist ein Kalendertrick

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          Keine Sperre, stattdessen Rettung durch eine fehlerhafte Angabe: der amerikanische Topsprinter Christian Coleman darf trotz drei verpasster Dopingtests nach derzeitigem Stand an der Weltmeisterschaft in Doha (27. September bis 6. Oktober) teilnehmen. Die amerikanische Anti-Doping-Behörde (Usada) stellte die Ermittlungen gegen den WM-Zweiten über 100 Meter ein.

          „Die konsequente Anwendung der globalen Anti-Doping-Regeln ist in jedem Fall unerlässlich. In diesem Fall haben wir die Regeln auf Herrn Coleman so angewendet, wie es die Usada für jeden anderen Athleten auf internationaler Ebene versteht“, wird Usada-Chef Travis Tygart in einer Erklärung zitiert.

          Coleman (23) hatte in den vergangenen zwölf Monaten drei Dopingtests verpasst und drohte damit sowohl für die WM in Qatar als auch für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio gesperrt zu werden. Die Usada bestätigte am 25. August erstmals, dass es eine Anhörung in dieser Sache gäbe. Diese sollte am Mittwoch dieser Woche stattfinden, nun ist sie hinfällig und wurde abgesagt.

          Denn wie die Usada mitteilte, müsse das Datum von Colemans erstem verpassten Test vom 6. Juni 2018 auf den ersten Tag des Quartals, den 1. April rückdatiert werden. Damit liegen die Daten der drei so genannten „missed tests“ Colemans nicht mehr innerhalb von zwölf Monaten. Die weiteren verpassten Tests passierten am 16. Januar 2019 und am 26. April 2019. Erst bei drei Meldepflichtverstößen droht Athleten eine Sperre.

          Coleman reagierte erleichtert. „Obwohl diese Tortur frustrierend war und ich einige Wettbewerbe verpasst habe, die ich nicht hätte verpassen dürfen, weiß ich, dass ich niemals verbotene Substanzen genommen habe und dass ich niemals gegen eine Anti-Doping-Regel verstoßen habe“, teilte der Weltjahresbeste über seinen Rechtsanwalt mit.

          Der Grund für die Rückdatierung des ersten Tests ist ein sogenannter „Filing Failure“ - Coleman hatte sich nicht an dem Ort aufgehalten, den er für einen möglichen Test angegeben hatte. Coleman argumentierte, dass nach den Richtlinien der Internationalen Standards für Tests und Untersuchungen (Isti) das Datum bei einem solchen Verstoß jedoch auf den Anfang eines Quartals - dem Zeitpunkt, an dem der Athlet die fehlerhafte Angabe tätigte - zurückgesetzt werden müsse. Diese Ansicht teilte die Usada. Zuvor hatte sich die Behörde von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eine Interpretation der Isti-Richtlinien, die 2021 überarbeitet werden sollen, eingeholt.

          Dennoch sorgte die Usada-Entscheidung auch für Kritik. „Dieses Schlupfloch muss geschlossen werden, verwendet das Testdatum und nicht das Quartal. Drei versäumte Tests in zwölf Monaten = Sperre“, schrieb der ehemalige schottische Bahnradfahrer und Olympiasieger Callum Skinner auf Twitter. Die ehemalige WM-Zweite über 10.000 Meter, Kara Goucher, bezeichnete die Entscheidung im selben Netzwerk als „unwirklich“: „Stell Dir vor, Du brichst eine wirklich wichtige Regel, nur um eine neue Regel zu entdecken, die die andere Regel nutzlos macht.“

          Um Tests außerhalb von Wettkämpfen zu ermöglichen, müssen Spitzenathleten ihre Trainingszeiten angeben sowie täglich eine Stunde sowie den Ort benennen, während derer sie für unangekündigte Kontrollen zur Verfügung stehen.

          Vor zwei Jahren in London hatte Coleman hinter seinem umstrittenen und bereits des Dopings überführten Landsmann Justin Gatlin WM-Silber geholt und Sprintsuperstar Usain Bolt mit Bronze in Rente geschickt. Seine Bestzeit über 100 Meter steht bei 9,79 Sekunden. Er liegt damit auf dem geteilten siebten Platz der ewigen Bestenliste.

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