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Zehnkämpfer : Die komplette Leichtathletik in Person

  • -Aktualisiert am

Michael Schrader: „A new star is born” Bild: dpa

In der Addition wird das Mittelmaß zum Superlativ - so definiert sich Zehnkampf. Die Deutschen haben lange auf einen Star warten müssen: Michael Schrader soll der neue König der Athleten sein.

          5 Min.

          Es ist eine Gratwanderung; eine, die zwei Tage dauert, mit einer unruhigen Nacht dazwischen. Eine, die in zehn strapaziösen Etappen durch rauhes Gelände direkt zum Gipfel führt, oder eben steil abwärts. Eine, die Zähigkeit, Konzentration und Willensstärke verlangt. Ein falscher Tritt, eine Überdosis Hochmut, und schon kommt der Fall. „Zehnkämpfer“, sagt Claus Marek, der Manager des deutschen Zehnkampf-Teams, „stehen immer am Abgrund“. Der Mann weiß, wovon er redet. Er hat die Tücken und die Quälerei als Athlet am eigenen Leib erfahren, und seit gut zwei Jahrzehnten fühlt er als Bundestrainer und später als Team-Manager mit seinen Athleten.

          Und dann steht er, vor drei Wochen, kopfschüttelnd auf dem Rasen des schmucken Möslestadions in der Vorarlberger Marktgemeinde Götzis, mit dem herrlichen Alpenpanorama im Rücken, und genießt nach langer Zeit wieder einmal ein unverhofftes Erfolgserlebnis - den Sieg eines 21 Jahre alten Ruhrpott-Jungen namens Michael Schrader. Noch dazu im Mekka des Mehrkampfs, wo die Protagonisten am Tag vor dem Wettkampf auf dem Sozius von donnernden Harley-Davidson-Maschinen bis zur Bühne auf dem Marktplatz gefahren werden, wo sie dann auf dem blauen Sofa Platz nehmen, zwei, drei Sätze sagen und anschließend in Reih und Glied mit baumelnden Beinen den Autogrammwünschen der Mehrkampf-Fans nachkommen. Der Schriftzug von Schrader war noch nicht sonderlich gefragt. Zwei Tage später, nach 8522 Punkten, war das anders. Schrader hatte am Ende Krämpfe im linken Unterarm - von der elften Disziplin: zu viele Autogramme schreiben.

          Und Marek hat vor der Heim-WM im August in Berlin wieder einen, der zu Medaillenträumen verführt. Da tut es nichts zur Sache, dass Schrader gerade seine Teilnahme am Mehrkampf-Meeting am Wochenende in Ratingen wegen der hohen Belastung nach dem Coup von Götzis abgesagt hat. Wer die Weltrangliste anführt, muss sich keine Sorgen um seine WM-Qualifikation machen, zumal die Konkurrenten Andre Niklaus und Arthur Abele ohnehin verletzt ausfallen. Was zählt, ist Berlin. Und wenn er dort fit an den Start geht, sieht es gar nicht so schlecht aus.

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          Zehnkämpfer : Die komplette Leichtathletik in Person

          Wieder eine junge, hungrige Generation Zehnkämpfer

          Der Zehnkampf steckt international im Umbruch, Branchenriesen wie der Este Erki Nool oder der Tscheche Tomás Dvorák sind abgetreten, dessen Landsmann, Weltrekordhalter Roman Sebrle, ist in die Jahre gekommen. Hinter dem Amerikaner Brian Clay ist „das Terrain offen“, wie Marek sagt. Und Deutschland hat mit Schrader, Pascal Behrenbruch und Norman Müller, die in Götzis ebenfalls mit 8374 respektive 8272 Punkten persönliche Bestleistungen erzielten, wieder eine junge, hungrige Generation Zehnkämpfer, die sich quälen kann. Das war nicht immer so. „Da haben wir Glück“, sagt Marek. Es geht immer auf und ab in Wellenbewegungen. Ganz oben auf dem Wellenkamm surft im Moment Schrader, und wie er in Götzis diesen Ritt bis zum Ende durchgehalten hat, mit sieben Bestleistungen trotz Wadenkrämpfen, weckt nicht nur bei Marek Erinnerungen: „Wie bei Frank Busemann.“ Der war der Letzte in der großen deutschen Zehnkampf-Tradition, der die Leichtathletik-Fans in seinen Bann gezogen hat. Mit der Silbermedaille 1996 in Atlanta (8706 Punkte). Mit 21 Jahren. Zwei Monate zuvor hatte Busemann 8522 Punkte erzielt - wie Schrader.

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