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Weitsprung-Trainer Seagrave im Gespräch : „Neun Meter stechen 9,9 Sekunden“

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„Er ist ein guter Schüler”: Seagrave über Phillips, den Favoriten auf Weitsprung-Gold Bild: AP

Vor dem Weitsprung-Finale bei der Leichtathletik-WM an diesem Samstag in Berlin philosophiert Lauren Seagrave, Trainer des Gold-Favoriten Dwight Phillips, über mögliche Neun-Meter-Sprünge und Usain Bolts Weitsprungtalent.

          Lauren Seagrave, 57 Jahre alt, ist der Trainer von Dwight Phillips, dem Weitsprung-Olympiasieger von Athen 2004 und Weltmeister von Paris 2003 und Helsinki 2005. Die beiden arbeiten seit dem vergangenen Jahr zusammen, als Phillips in eine sportliche Krise geriet. In Berlin qualifizierte er sich mit 8,44 Meter, dem weitesten aller Sprünge, für das Finale an diesem Samstag.

          Sie bringen dem Olympiasieger und Weltmeister Weitsprung bei. Wie das?

          Er ist von Natur aus schnell; 6,47 Sekunden auf 60 Meter. Aber er hat das schnelle Laufen nie kultiviert. Er lief schnell an und wurde vor dem Brett langsamer. Er wusste nicht, wie er richtig abspringen sollte.

          Im Mai ist Dwight Phillips 100 Meter in 10,06 Sekunden gelaufen

          Dwight Phillips wurde Olympiasieger ohne Technik?

          Das zeigt sein unglaubliches Talent. Wir arbeiten daran, ihn beständig zu machen. Er hat manchmal Rückfälle in das alte Bewegungsmuster. Aber er merkt es immer gleich.

          Stecken Sie dahinter, dass er in dieser Saison weiter springt denn je?

          In Eugene hat er im Juni 8,74 Meter erreicht, Jahresbestleistung. Das ist alles er. Er ist ein guter Schüler, und er nimmt meine Ratschläge wirklich gut auf.

          Er sieht schlanker aus als früher. . .

          Sein Krafttraining war falsch ausgerichtet. Für den Strand war das gut. Aber er hatte an einigen Stellen zu viel Muskelmasse und an anderen zu viel Fett. Er hat seine Ernährung umgestellt und neun Kilo verloren. Die habe ich jetzt drauf.

          Ist er auch schneller geworden?

          Im Mai ist er 100 Meter in 10,06 Sekunden gelaufen, persönliche Bestzeit. In dem Rennen davor hatte er noch Angst gekriegt. Bei siebzig Metern führte er, und dann hat er angefangen, mit den Armen herumzurudern. Er ist fast gestürzt. Alle dachten, er sei verletzt. Aber er war durch seine Koordinationsbarriere gebrochen. Sprint ist Kraft plus Muskelkoordination.

          Haben Sie ihm Koordination beigebracht oder ihn nicht mehr sprinten lassen?

          Er sagt, er sei kein Mann, wenn er nicht 9,9 Sekunden laufe. Ich sage: Neun Meter stechen 9,9 Sekunden.

          Sind neun Meter und mehr möglich?

          Absolut. Randy Huntington, der Mike Powell trainierte, als der den Weltrekord von 8,95 Meter aufstellte, sagt, Dwight Phillips sei auf den letzten Metern genauso schnell wie Powell.

          Erwarten Sie den Weltrekord in Berlin?

          Dwight zieht seine Energie daraus, dass er starke Gegner hat. Deshalb war er in Eugene stark, und bei den Trials am selben Ort fühlte er sich wie im Training – die Gegner waren nicht gut genug. Aber natürlich, man springt nicht gegen jemanden. Man muss den Sprung perfekt ausführen.

          Sollte Usain Bolt Weitsprung versuchen?

          Schnell ist er, 12,3 Meter pro Sekunde. Wenn man das einfach mal um den Faktor reduziert, den man bei allen annimmt, würde Usain Bolt immer noch mit fünf Meter pro Sekunde mehr abspringen als die meisten anderen. Potenziell kann er damit neuneinhalb Meter springen. Aber er wird sich sagen: 9,5 oder 9,4 Sekunden sind besser als 9,5 Meter. Da hat er recht.

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