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Stabhochsprungtraining : „Sogar Tim Lobinger hat alles mitgemacht“

Glorreiche Sieben: Deutschlands Stabhochspringer beim Trainingscamp in Südafrika Bild: Privat

Ein halbes Dutzend Athleten in Stellenbosch, eine Gruppe in San Diego, alle auf dem Sprung nach Berlin. Die Stabhochspringer leben ihren Konkurrenzkampf in aller Freundschaft.

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          Was passiert, wenn man zehn deutsche Hochleistungssportler, darunter drei Frauen, drei Wochen lang gemeinsam in einer Villa in Südafrika unterbringt? Sie werden besser! Was nach einer Casting-Show im Privatfernsehen klingt, ist das gelebte Stabhochsprungleben unter Leitung von Leszek Klima. „Wir hatten perfekte Bedingungen“, sagte der polnische Trainer, der seit einem guten Jahrzehnt für den dauerhaften Aufschwung der deutschen Stabhochspringer mitentscheidend ist. „Wir konnten jeden Tag mit Sonnenschein und Rückenwind an der Technik arbeiten. So viel und so gut haben wir noch nie trainiert.“ Und was für Klima das erstaunlichste war: „Sogar Tim Lobinger hat alles mitgemacht.“

          „Eine meiner schönsten Zeiten erlebt“

          Der ewige Einzelgänger und einstige Großsprecher der deutschen Leichtathletik scheint auf seine alten Wettkampftage milde zu werden. „Ich habe eine meiner schönsten Zeiten im Trainingslager innerhalb der Gruppe um Leszek Klima erlebt. Die Zeit mit den Springern in der „Vaulter's Mansion“ war grandios“, schreibt der mittlerweile 36 Jahre alte Lobinger auf seiner Homepage: „Und das tägliche Training in der Gruppe war wirklich toll und effektiv.“ Klima, der in Lobingers Anfangszeit schon dessen Trainer war, hat mit Wohlwollen den neuen Teamspirit gespürt: „Tim ist zurück zu seinen Wurzeln gekommen.“

          Tim Lobinger: Der einstige Einzelgänger hatte eine schöne Zeit in der Gruppe

          Da alle Sportler in Stellenbosch, 40 Kilometer von Kapstadt entfernt, unter einem Dach lebten, verschwammen Training und Privatleben miteinander. Das abendliche Videoprogramm bestand häufig aus gegenseitigen Sprunganalysen vom Tage. Jeder konnte jeden sehen, kritisieren und verbessern - und wurde seinerseits gesehen, kritisiert und verbessert.

          Nur drei dürfen bei der WM starten

          Das Problem dieser gemeinschaftlichen Aufschwungübungen: Nur drei Stabhochspringer aus jeder Nation dürfen bei der Weltmeisterschaft im August antreten, mindestens doppelt so viele haben aber die Chance, den Sprung nach Berlin zu schaffen. Tendenz steigend. Da gibt es die Altmeister um den 31 Jahre alten Danny Ecker (WM-Dritter von 2007), Lars Börgeling (30), der schon 2002 EM-Zweiter war, den 5,90-Meter-Springer Björn Otto (31), und eben Tim Lobinger, Hallen-Weltmeister von 2003 und zu seinen Glanzeiten der erste „Sechs-Meter-Mann“ Deutschlands.

          Daneben drängen die Jungen nach. Raphael Holzdeppe schwang sich mit 18 Jahren schon auf Rang 8 bei den Olympischen Spielen von Peking auf. Alexander Straub (25) gewann zuletzt Bronze bei der Hallen-EM. Und auch Fabian Schulze (25) hat 5,80-Meter-Potenzial.

          „Tim hat gekämpft gegen die Jungen“

          Aufgeben kommt für die Alten vor der Heim-WM nicht in Frage. „Tim hat gekämpft gegen die Jungen“, stellte Klima in Südafrika wohlwollend fest. Aber ob es noch mal reicht? Beim offiziellen Abschlusswettkampf in Stellenbosch, der unter dem Motto „springen und grillen“ stand, landete der Wahl-Münchner zwar nicht auf dem Grill neben der Matte, aber auch nicht auf dem Treppchen: 5,42 Meter reichte nur zu Rang vier hinter drei gerade mal 22, 23 Jahre alten Jungspringern. Malte Mohr gewann vor seinen Leverkusener Vereinskameraden Hendrik Gruber (beide 5,62) und Tobias Scherbarth (5,52).

          Leistungen, die zum Abschluss eines dreiwöchigen Grundlagen-Trainingslagers durchaus beachtlich sind. „Im Moment ist Malte absolut der Beste“, zog Klima als Fazit, und wagte die Prognose: „Er kann in diesem Jahr schon sehr früh 5,90 Meter springen“.

          Elberdings Gruppe wählt San Diego

          Auch Bundestrainer Jörn Elberding freute sich per Ferndiagnose über die „erstaunlich guten Leistungen“ der Klima-Truppe zu Saisonbeginn. Er selbst geht mit seinen Springern einen anderen Weg und fliegt diesen Dienstag für drei Wochen nach San Diego (Kalifornien). „Das hat nichts mit Grüppchen-Bildung zu tun“, erklärt Elberding vorsorglich: „Aber mit zu vielen Leuten kann man eben auch nicht optimal trainieren.“

          Seine Crew um Börgeling, Otto, Straub und Militärweltmeister Florian Sürth (22) wird im optimal eingerichteten olympischen Trainingscenter von Kalifornien die Vollverpflegung genießen. „Hier sind sogar beim Krafttraining Videomonitore installiert, so dass man eine direkte Rückmeldung hat“, schwärmt Elberding von den technischen Bedingungen.

          Perfekte Bedingungen in Amerika

          Auch beim Training auf der Stabhochsprung-Anlage ist eine permanente, direkte Video-Analyse möglich. In Deutschland müssen die Trainer meist selbst filmen, wodurch sie dann den Gesamtblick auf den Bewegungsablauf verlieren. Für Elberding sind es diese Kleinigkeiten, die „eben den Unterschied ausmachen können.“

          Die Resultate der vergangenen Großereignisse sprechen in der Summe für den amerikanischen Weg: zwei der drei letzten Olympiasieger (Nick Hysong, Tim Mack) und der aktuelle Weltmeister (Brad Walker) sind Amerikaner. Dagegen haben die Deutschen trotz der breiten Phalanx an guten Leuten nur eine Bronze-Medaille von Danny Ecker vorzuweisen.

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