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Jelena Isinbajewa : Mit chinesischen Millionen zu neuen Höhen

Berliner Luft: Isinbajewa in der Qualifikation Bild: ddp

Der ehemalige chinesische Turner Li Ning hat Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa viel Geld und neue Motivation beschert - in China wird die Russin schon wie ein Rockstar gefeiert. Diesen Montag Abend will sie mal wieder Weltmeisterin werden.

          Was Jelena Isinbajewa bei dieser WM vielleicht am meisten stören dürfte, ist die Tatsache, dass sie in diesem langweiligen russischen Outfit antreten muss. Dabei könnte sie dem Trikot schon ein bisschen mehr Pep verleihen. So wie bei ihrem persönlichen Leibchen. Seit sie im Januar dieses Jahres den Vertrag mit dem chinesischen Sportartikel-Unternehmen des ehemaligen Turners Li Ning unterzeichnet hat, darf die russische Stabhochsprung-Königin mit Trainingsdependance Rieti und Wohnsitz Monte Carlo ihrer modischen Kreativität freien Lauf lassen. „Mein Wettkampf-Trikot habe ich selbst entworfen“, sagt sie und ist stolz auf ihr Design.

          Natürlich ziert ein stilisierter goldener Drache das Oberteil in den Farben Pink, Schwarz und Weiß. „Ich mache das jetzt immer selbst.“ Das passt zwar nicht zu den harzverschmierten Händen, mit denen die Stabhochspringer ihr Arbeitsgerät im Klebegriff halten, aber dass Jelena Isinbajewa ein Faible für die schönen Dinge des Lebens hat und durchaus einen Glamour-Faktor in die Szene bringt, zeigt die Tatsache, dass sich die Tochter eines Klempners längst mühelos in Jetset-Kreisen bewegt.

          Natürlich hat der Vertrag mit dem chinesischen Idol Li Ning ganz andere Perspektiven eröffnet. Vielleicht würde sie ohne ihn hier in Berlin gar nicht springen. Vielleicht würde sie gar nicht mehr springen. „Ich habe mich so leer gefühlt nach Peking. Ich war ausgebrannt, ich wollte zumindest eine Pause vom Sport.“ Sie wollte Kinder haben und drei, vier Jahre nur für die da sein. Dann kam Li Ning. „Er hat mich inspiriert und mir meine Motivation zurückgegeben.“

          Die Leere nach Peking: Nach dem Olympiasieg (Foto) wollte Isinbajewa aufhören

          Es dürfte selten eine bessere Motivationshilfe gegeben haben. Fünf Jahre läuft der Vertrag mit Li Ning, bis zu den Weltmeisterschaften 2013 daheim in Russland, und jedes Jahr soll er der 27 Jahre alten Stabhochsprung-Koryphäe eine Garantiesumme von eineinhalb Millionen Dollar einbringen. Nicht eingeschlossen Prämien für Siege, Weltrekorde und Titel. Daniel Wessfeldt, ihr schwedischer Manager, spricht stolz von einer neuen Dimension. Nein, nicht Usain Bolt oder Kenenisa Bekele seien die Großverdiener der Lauf-, Wurf- und Sprungbranche. „Es ist doch gut, dass die Leichtathletik endlich auch Dimensionen erreicht wie Tennis und Fußball.“

          „Wie Tiger Woods“

          Und er wagt sogar einen kühnen Vergleich. „Jelena genießt hohe Popularität in China, Südkorea und Japan. Sie ist für Li Ning das, was Tiger Woods für Nike ist.“ Ausschlaggebend für den angeblich lukrativsten Vertrag in der Leichtathletik-Geschichte war aber der Auftritt bei Olympia in Peking. Dass die ehemalige Turnerin, die irgendwann zu groß geriet, mit dem Stab mittlerweile 26 Weltrekorde aufgestellt hat, dass sie als einzige Frau der Welt Höhen jenseits der fünf Meter gemeistert hat, dass sie Olympiasiegerin und Weltmeisterin ist, dass sie eloquent ist und neben Englisch inzwischen auch auf Italienisch parlieren kann, dass sie gut aussieht und auch Wert darauf legt, dass sie auch im luftigen Ballkleid eine gute Figur macht - das alles war bekannt. „Entscheidend für den Vertrag war wirklich der Olympiasieg“, sagt Manager Wessfeldt, der überzeugt ist, dass der chinesische Markt für seine Mandantin noch „wenigstens zwei zusätzliche Verträge“ abwirft.

          Im März war Jelena Isinbajewa das erste Mal nach Olympia wieder in China, hat Schulen und Trainingszentren besucht, ihren Sponsor repräsentiert und sich um die Wettkampf-Mode gekümmert: „Volles Programm von frühmorgens bis spätabends“, sagt sie: „Anstrengender als Training.“ Aber irgendwie auch befriedigender, weil es ihr neue Einblicke eröffnet, „weil ich hier so viel lernen kann“. Und noch eines kommt hinzu: „Die Leute behandeln mich wie eine Königin“, sagt die Russin. Und ihr Manager sagt: „Für die Chinesen ist sie wie ein Rockstar.“ Der nächste Besuch steht erst wieder im September an, denn die Musik spielt immer noch im Stadion, auf der Sprunganlage.

          Sie muss kämpfen

          Denn Li Ning will auch Erfolge sehen. Das wolle sie auch, behauptet Jelena Isinbajewa. Aber man könnte schon auf die Idee kommen, dass die vielbeschäftigte Russin doch eine Menge anderer Dinge im Kopf hat als Training. Dieses Jahr ist die Frau, die ansonsten zwei Handbreit über der Konkurrenz thront, nicht so dominant wie in den Jahren zuvor. Sie muss kämpfen, sie hat sich manches Mal nur mit Glück oder wegen der Mehrversuchsregel gerettet, und in London hat sie mit 4,68 Metern sogar gegen die Polin Anna Rogowska verloren. Von einer kleinen Verletzung war die Rede, weil das Knie vor ein paar Wochen getaped war. Aber da hat Jelena Isinbajewa abgewinkt. „Nicht der Rede wert.“

          Was nichts daran ändert, dass sie in diesem Jahr nie über 4,85 Meter hinausgekommen ist. Von den 5,20 Metern, die sie der Konkurrenz als unverdauliches Erbe hinterlassen will, ist das noch weit entfernt. Aber sie hat ja noch fünf Jahre Zeit. Und wer sie in Berlin bei ihrem einzigen Sprung über die geforderte Qualifikationshöhe von 4,55 Meter gesehen hat, weiß: Mag sein, dass sich Jelena Isinbajewa manchmal ein bisschen verzettelt hat, aber bei der WM in Berlin wird sie Li Ning nicht enttäuschen.

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