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Fazit der Leichtathletik-WM : Neue Generation, neuer Geist

Deutsche Medaillengewinner: frischer Wind im Team Bild: dpa

Die deutschen Leichtathleten haben die Heim-WM zur Image-Korrektur in eigener Sache genutzt. Sie waren nicht nur erfolgreich, sondern auch sympathisch. Es mag eine Spaßgesellschaft sein, aber eine mit hohen Ansprüchen.

          Es gab diesen einen Moment, der Clemens Prokop besonders im Gedächtnis haften bleiben wird. Es war gleich am Anfang der Weltmeisterschaften, als die Siebenkämpferin Jenny Oeser im abschließenden 800-Meter-Lauf stürzte: „Ich dachte, jetzt ist alles vorbei“, sagt der Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV), auch noch mit dem Abstand einer Woche sichtlich bewegt. Aber Jenny Oeser hat sich wieder aufgerappelt, hat gekämpft, und ist für ihren Einsatz mit Silber belohnt worden. Ein Bild, dem Prokop „fast symbolhaften Charakter“ bemisst. (siehe: Leichtathletik-WM: Oeser und Kleinert gewinnen Silber).

          Weil es die Situation der deutschen Leichtathletik so treffend illustriert. Stürzen, aber nicht liegen bleiben. Sie war ja am Boden nach Peking, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung und in der reinen Medaillenbilanz – einmal Bronze –, aber sie hat sich in Berlin eindrucksvoll zurückgemeldet. „Wir haben die WM nach Berlin geholt, um die deutsche Leichtathletik neu zu positionieren, um neuen Schwung zu bekommen. Das ist uns gelungen“, sagt Prokop und schwärmt von „sensationellen TV-Quoten“, von der Faszination, von der Begeisterung im Stadion, von einer jüngeren Zielgruppe als in der Vergangenheit. Das ist schön, aber eben nur eine Momentaufnahme. Denn über die Nachhaltigkeit ist damit nichts gesagt. Das ist auch Prokop bewusst. „Aber die Begeisterung gibt uns Mut für die Zukunft.“

          Für die sportliche Bilanz ist Jürgen Mallow zuständig, und der Sportdirektor des DLV reibt sich die Hände, nachdem er seinen Ärger über diejenigen, die die Leichtathletik totgesagt haben, losgeworden ist: Er habe schon im April 2008 sein WM-Ziel für Berlin erstmals öffentlich formuliert: „2005 hatten wir fünf Medaillen, 2007 sieben, also mussten es 2009 neun sein.“ Er ist damals belächelt worden, aber er hatte das ernst gemeint. Nun ist die Prognose eingetroffen, und damit ist Mallow den Rechtfertigungszwang, unter dem er stets zu stehen scheint, erst einmal los. Mallow nutzte seine Chance, in die Offensive zu gehen: „Alle lassen uns im Regen stehen. Der DLV hat sich durch die schlechten Leistungen in Athen 2004 und Peking 2008 bei der Förderung nach unten katapultiert. Wir sollen mit immer weniger Mitteln immer mehr Erfolge gegen immer stärkere Konkurrenz erreichen. Das ist ein Paradoxon. Die deutsche Leichtathletik könnte besser sein.“

          Gestürzt, aber nicht liegen geblieben: Jennifer Oeser

          Es geht um die innere Einstellung

          Aber die Medaillenzählerei ist ohnehin nicht das Entscheidende. Es geht mehr um die Frage der Präsentation, der inneren Einstellung. Und da hat sich die deutsche Leichtathletik zumeist hohe Sympathiewerte erworben – durch das Auftreten ihrer Protagonisten. Lächelnd, sympathisch, entspannt, mit dem Publikum flirtend, aber im entscheidenden Augenblick hochkonzentriert. Das ist eine neue Qualität. Nicht mehr die Verbissenheit, die Verkrampfung, die früher so oft ein Markenzeichen war.

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