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Anna Battke : Eine Frage der Ehre

Anna Battke: Eine Frage der Ehre Bild: dpa

Sie ist attraktiv, hoch begabt und erfolgreich. Im Stabhochsprung gewann Anna Battke gerade EM-Bronze, der Kampf gegen Doping ist für sie „eine Frage der Ehre“.

          3 Min.

          „Doping - a question of honour“, hatte sie sich diesmal aufs Bein geschrieben, und damit ihre Konkurrentinnen ein bisschen genervt. Ob das jetzt in Mode käme, wurde sie bei der Hallen-EM in Turin gefragt. Doch Anna Battke kann nicht anders. Ihr reicht es nicht, einfach dabei zu sein, sie muss dem Wettkampf ihren eigenen Stempel aufdrücken, und der steht im Zeichen des Anti-Doping-Kampfes. Im vergangenen Jahr war die „ehrliche Haut“ mit den Körper-Aufschriften „Stop doping“, „true arm“ und „true leg“ erstmals international in Erscheinung getreten. Diesmal also die Frage der Ehre.

          Dabei ist Anna Battke keine Missionarin, sondern eher eine Zweiflerin. Die für den USC Mainz springende Psychologiestudentin kann vier Sprachen, darunter hebräisch, spielt Klavier und Saxophon und fragt sich immer mal wieder, ob das Flugerlebnis beim Stabhochspringen wirklich so einzigartig ist, dass sie ihr Leben damit verbringen sollte. Oder ob es in der weiten Welt nicht doch mehr zu entdecken gibt als Einstichkasten treffen, perfekt Aufrollen und schmerzfrei Fallen.

          „Hauptsache, ich darf ein bisschen winken“

          Andererseits genießt sie es, wenn es funktioniert. In Turin sprang sie am Wochenende mit persönlicher Bestleistung von 4,65 Metern zur Bronzemedaille und strahlte schon während des Wettbewerbs über das ganze Gesicht. Prompt ging ihr beim Kampf um Gold, Silber oder Bronze die Konzentration abhanden. Egal: „Hauptsache, ich darf aufs Podest, und ein bisschen winken.“

          Wunder Stabhochsprung: „Ich weiß auch nicht, wie ich das mache. Ich konzentriere mich nur auf den Absprung, der Rest passiert von alleine”

          „Anna Battke ist unberechenbar“ hatte Stabhochsprung-Trainer Leszek Klima zuvor über die zierliche Athletin gesagt, die erst mit 19 Jahren mit dem Leistungssport begann. „Sie ist die Schnellste von allen, sie kann gewinnen, wenn sie ihre Nerven im Zaum behält und sich konzentriert.“ Gerade das fällt dem Bewegungswunder aber gelegentlich schwer. „Ich weiß auch nicht, wie ich das mache. Ich konzentriere mich nur auf den Absprung, der Rest passiert von alleine“, erklärt sie ihre Sprungtechnik. Jüngst landete sie bei den Süddeutschen Meisterschaften neben der Matte. Warum das passierte, konnte sie auch nicht sagen: „Ich habe bei der Lattenüberquerung die Augen zu.“ Außer einer leichten Gehirnerschütterung war aber nichts passiert.

          Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss

          Als Battke im Laufe des Winters mehrfach daran gescheitert war, ihre Bestmarke von 4,60 Metern zu steigern, rief sie die Devise aus: „Man muss dann hochspringen, wenn es darauf ankommt.“ Nach dem Motto: ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Andererseits sagt sie im Fernblick auf die Heim-WM in Berlin im August: „Wettkampf ist Wettkampf, egal ob Kreismeisterschaft oder WM, da gucken höchstens mehr Leute zu.“ Nach ihrem ersten großen internationalen Erfolg in Turin steigt nun aber doch langsam die Vorfreude auf die „Berliner Meisterschaft“.

          Die Sommer-Saison will Anna Battke auf alle Fälle voll durchspringen, nachdem sie den Olympischen Sommer wegen Zahnentzündung und Achillessehnenreizung weitgehend verpasst hatte. Auch will sie weiterhin der Leichtathletik den Spiegel vorhalten. Seit sie von Balian Buschbaum trainiert wird, sehe sie die Doping-Problematik noch klarer, meint Battke. Buschbaum hieß früher Yvonne und gewann zwei EM-Bronzemedaillen, ehe er eine Geschlechtsumwandlung vornahm, deshalb mit männlichen Hormonen behandelt wurde, und die aktive Karriere beendete (siehe: Balian Buschbaum im Gespräch: „Ich kam mir vor wie ein Pitbull“). Bei manchen Springerinnen seien ihr Bewegungsmuster aufgefallen, die an ihren Trainer erinnerten: „Lauter kleine Balians“, die aber nach wie vor bei den Frauen springen, meint Battke. Nur könne sie das leider nicht beweisen.

          „Die Botschaft ist angekommen“

          Also bemalt sie sich mit Sprüchen und freut sich, wenn die anderen gucken. „Die Botschaft ist angekommen“, sagte sie in Turin, räumte aber ein, dass nicht jeder potentielle Adressat am Start gewesen sei. Eine Anspielung auf Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa, die sich seit Jahren in einsamen Höhenbereichen um die fünf Meter herum bewegt. Auch bedauerte sie, dass sie im Finale ohne Aussage springen musste - sie hatte irgendwo zwischen Hotel und Halle ihre Filzstifte verloren.

          Ihre Hausmarke von nun 4,65 Metern will Anna Battke trotz aller Zweifel an ihrem unkreativen Tun - „man muss immer nur Pläne abarbeiten“ - unbedingt steigern: „Damit die Leute nicht mehr sagen können: die redet nur über Doping, weil sie selbst nicht hoch genug springen kann.“

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