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Leichtathletik : Harting besucht Stabhochspringerin Grünberg

Kämpferin nach schwerem Unfall: Kira Grünberg Bild: Picture-Alliance

Den Unfall von Kira Grünberg hatten die Stabhochspringer bei der Leichtathletik-WM ausgeblendet. Bald wird es ein Benefizspringen für die querschnittsgelähmte Athletin geben. Robert Harting besuchte sie schon jetzt.

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          „Kira ist so stark und voller Lebensmut, es ist nicht zu glauben.“ Mit bewegenden Worten wird Diskus-Olympiasieger Robert Harting in einer Mitteilung vom Freitag zitiert, nachdem er die querschnittsgelähmte österreichische Stabhochspringerin Kira Grünberg in der Reha-Klinik in Bad Häring besucht hat. „Ich habe so großen Respekt vor ihr, sie ist eine richtig tolle Frau und eine wahre Kämpferin“, so der 30 Jahre Berliner. „Robert hat mir als Sportler schon immer getaugt und dass er heute hier in Bad Häring war, gibt mir viel Kraft", sagte Grünberg: „Vor allem weil wir uns beim Gespräch sofort gut verstanden haben und er eine richtig lockere Ausstrahlung hat.“

          Die 22 Jahre alte Leichtathletin war am 30. Juli im Training in Innsbruck verunglückt. Ihr Stab hatte sich bei einem Übungssprung nach nur acht Schritten Anlauf nicht komplett aufgerichtet. Die österreichische Rekordhalterin landete danach zwar mit dem Rücken auf der Matte, schlug aber mit dem Nacken auf die Kante des Einstichkastens auf. Dabei brach ihr der fünfte Halswirbel. Die Verletzung hat eine komplette Lähmung vom Hals abwärts zur Folge.

          Nach dem tragischen Unfall war eine Debatte über die Sicherheit im Lager der Stabhochspringer entbrannt. Der ehemalige Bundestrainer Herbert Czingon, der auch Grünberg schon betreut hatte, sprach davon, dass es im Stabhochsprung „leider keine hundertprozentige Sicherheit“ geben könne. Eine Helmpflicht gibt es nicht im Stabhochspringen, angesichts des Unfallhergangs hätte ein Helm aber möglicherweise auch nicht schützen können.

          Benefizspringen für Kira Grünberg

          Während der derzeit laufenden Weltmeisterschaft in Peking hatten die Stabhochspringer ausweichend auf das Thema reagiert. „Es war ein tragischer Unfall, schlimm für unsere Sportart und unsere Disziplin. Aber wir müssen nach vorn schauen – und das hätte Kira auch gewollt“, sagte die frühere WM-Zweite Martina Strutz. Den Springern sei das Risiko bewusst, sie dürften es aber auch nicht zu nah an sich heranlassen. „Man muss Profi genug sein, um das wegzuschieben“, so Strutz.

          Wer es nicht wegschieben kann, hört besser auf. Die frühere deutsche Rekordhalterin Annika Becker, heute 33 Jahre alt, hatte bei der WM 2003 Silber gewonnen, und kurz danach ihre Karriere beendet. Im Training war ihr ein Stab gebrochen, beim Sturz zog sie sich eine Halswirbelverletzung zu, die zu ihrem Glück nicht so dramatische Folgen hatte wie bei Grünberg. Aber die Angst blieb. Sie konnte nicht mehr springen.

          Gefährliche Sportart: Martina Strutz beim Stabhochspringen in Peking
          Gefährliche Sportart: Martina Strutz beim Stabhochspringen in Peking : Bild: AP

          Während der WM gab es keine gemeinsame Aktion der Sportlerinnen für Grünberg. Dafür, so Strutz, habe „niemand den Kopf frei“. Stabhochsprung erfordert neben turnerischem Können, Kraft und Konzentrationsfähigkeit auch den Mut, sich immer wieder zu überwinden. Der Gedanke an einen möglichen Sturz mit seinen Folgen darf da keinen Platz haben. Dafür wird es am 4. September in Salzburg ein Benefizspringen für Kira Grünberg geben. Auch Olympiasieger Renaud Lavillenie aus Frankreich hat spontan seine Teilnahme zugesagt.

          Der Besuch von Harting bei der jungen Sportlerin war seit längerem geplant. Nach seiner Kreuzband-Operation im vergangenen September hatte der Diskuswerfer seine Teilnahme bei der WM in Peking absagen müssen. Der dreimalige Weltmeister schenkte Grünberg zum Abschluss seines Besuchs ein signiertes WM-Trikot mit einer persönlichen Widmung. „Ich hoffe, mein Besuch hat sie gefreut“, so Harting: „mir hat es wirklich was bedeutet, sie zu treffen.“

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