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Leichtathletik-WM : „Die Situation hat sich verschlechtert“

Darf mit seiner Prothese wohl nicht mehr an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften teilnehmen: der unterschenkelamputierte Weitspringer Markus Rehm Bild: dpa

Nachdem die IAAF Athleten mit Prothesen den Start bei Olmypischen Spielen und Weltmeisterschaften untersagt hat, üben der DLV und Weitspringer Markus Rehm Kritik am Leichtathletik-Weltverband.

          Für Leichtathleten mit Prothese wird es künftig praktisch unmöglich sein, an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften teilzunehmen. Der Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf Einführung einer Regel, die einen Beitrag zur Inklusion leisten sollte, ist im Council des Weltverbandes IAAF in Peking derart verändert worden, dass Sportlern wie dem Weitspringer Markus Rehm künftig unterstellt wird, dass die Prothese ihnen einen Vorteil bietet.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Christian Kamp

          „Die Situation hat sich für den behinderten Athleten verschlechtert“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop, „weil er für eine Teilnahme in der Wertung nun nachweisen muss, dass er keine Vorteile hat. Bisher musste diese Frage der Verband klären.“ Weil die Beweislast bisher beim Verband lag, hatte die IAAF dem südafrikanischen Läufer Oscar Pistorius die Teilnahme an WM und Olympia erlauben müssen. Der scheidende IAAF-Präsident Lamine Diack erwiderte auf die Frage, wie er den Geist der neuen Regel zusammenfasse: „Die Idee ist, dass die Frage nicht mehr auftaucht. Athleten mit Prothesen sollen woanders starten.“

          Der noch amtierende IAAF-Präsident Lamine Diack: „Athleten mit Prothesen sollen woanders starten.“

          „Generalverdacht liegt nahe“

          Rehm reagierte am Montag mit Erstaunen auf die Entwicklung. Ihm liege noch keine offizielle Information der IAAF vor, somit seien „noch viele Fragen offen“. Eine Regel, nach der die Beweislast beim Athleten liegt, sei aus seiner Sicht aber „nicht richtig“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das ist, als würde man jeden unter Generalverdacht stellen.“ Führte man diese Logik fort, müssten auch andere Athleten unabhängig von Prothesen „nachweisen, dass sie fairen Sport betreiben“, bevor sie bei Wettkämpfen starten dürften. Mit Blick auf gemeinsame, inklusive Wettbewerbe schob Rehm die pikante Frage, die nicht nur ihn bewegt, gleich hinterher: „Ist es vielleicht gar nicht erwünscht?“

          Prokop ist über die Novellierung erst am Wochenende informiert worden; er ist nicht Mitglied des Councils. Die IAAF teilte mit, dass am 17. August die Regel 144.3 (d) beschlossen wurde und am 1. November in Kraft trete, laut der „jede mechanische Hilfe“ als unterstützendes Hilfsmittel betrachtet werde und somit nicht erlaubt sei, „es sei denn, der Athlet kann nachweisen (...), dass der Gebrauch des Hilfsmittels ihm keinen Vorteil im Wettbewerb gegenüber Sportlern, die ein solches Hilfsmittel nicht benutzten, verschaffen würde“. Diese Regel gelte, teilt die IAAF weiter mit, für WM und Olympia.

          Wie ernst ist es dem DLV mit dem Thema "Inklusion"?

          Bei anderen Wettbewerben sei die Teilnahme von Sportlern mit nicht autorisierten Prothesen mit getrennter Wertung erlaubt. Dies entspricht auch der aktuellen Regelung des DLV. Diese war als Reaktion auf Rehms Sieg bei den deutschen Meisterschaften 2014 eingeführt worden. In diesem Jahr in Nürnberg erzielte der unterschenkelamputierte Paralympics-Sieger wieder die größte Weite, erhielt aber nicht den Titel. Rehm will sich nun an den DLV wenden - auch, um zu erfahren, wie der Verband sich in dieser Frage weiter verhalten werde.

          Die jetzige Situation sei auch eine Gelegenheit, zu beweisen, „dass man es ernst meint“ mit dem Thema Inklusion, sagte er. Dann, so Rehm, dürfte der DLV eine solche Regelung nicht ohne weiteres hinnehmen. Prokop teilte mit, dass darüber zunächst intern beraten werde, auch in Abstimmung mit dem Deutschen Behindertensportverband. Die Richtung, fügte er mit Blick auf die IAAF-Novelle allerdings hinzu, sei „vorgezeichnet“.

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