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Leichtathletik-WM : „Wir räumen mit dem Doping auf“

David Howman: „Das organisierte Verbrechen wäscht Geld durch Sportwetten“ Bild: dpa

David Howman, Chef der Integrity Unit der IAAF, über die mögliche Zusammenarbeit mit Geheimdiensten, die Bedrohung durch Wettbetrug und Interessenkonflikte in der Welt-Anti-Doping-Agentur.

          6 Min.

          David Howman führte 13 Jahre lang bis 2016 die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) als Generalsekretär. 2017 übernahm der Jurist aus Neuseeland den Vorsitz der vom Leichtathletik-Weltverband (IAAF) ausgegründeten Athletics Integrity Unit, die unter anderem für Dopingkontrollen und -sanktionen zuständig ist. Howman ist in den Ethikkommissionen des Tennis- und des Squash-Weltverbandes sowie in der Anti-Korruptions-Einrichtung des Kricket-Weltverbandes engagiert. An der Auckland University of Technology ist er außerordentlicher Professor für Führung und Management im Sport.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wird die Athletics Integrity Unit (AIU), der Sie vorsitzen, anders mit der Datenmanipulation der Russen umgehen als die Wada, deren Generalsekretär Sie waren?

          Selbstverständlich. Wir haben unterschiedliche Mandate. Wada folgt dem internationalen Standard für Compliance. Das bedeutet, dass sie in einem Fall wie diesem sich zuerst an Russland wendet und sagt: Bitte erklären Sie das. Bis sie eine Antwort erhält . . .

          . . . oder die Frist von drei Wochen abläuft ...

          . . . kann die Wada nichts tun. Dann, so schreiben es die Regeln vor, macht sie dem Exekutivkomitee eine Empfehlung. Damit übernimmt die Politik: Das Exekutivkomitee entscheidet, ob es sich um Non-Compliance handelt, also um einen Verstoß gegen die Regeltreue. Wenn ja, entscheidet es, wie dieser sanktioniert wird.

          Und bei der IAAF?

          Die Taskforce für den Russland-Fall überprüft eine Reihe von Bedingungen für die Wiederzulassung des Verbandes. Dazu gehört die Prüfung der Daten. Beide Organisationen gehen von unterschiedlichen Positionen aus: Für die Wada ist Russland kooperativ; sie muss entscheiden, ob sich das ändert. Bei der IAAF ist der russische Verband suspendiert und will zurückkommen.

          Können Sie bestätigen, dass die Daten manipuliert wurden?

          Ja. Wir haben die Daten vor neun Monaten erhalten. Wir sollten überprüfen, ob die Taskforce die richtigen Daten erhalten hat. Sie können es in deren Bericht lesen: Wir haben zahlreiche Diskrepanzen zwischen den Daten festgestellt, welche die Wada von einem Whistleblower und welche sie im Januar von den Russen erhalten hat. Viele positive Befunde fehlen, auch die „disappearing positives“, die im McLaren-Report erwähnt werden.

          Der Leichtathletik-Weltverband hat die AIU geschaffen, damit wichtige Fragen unabhängig behandelt werden können. Betrachten Sie die Wada als unabhängig?

          Meine persönliche Definition von Unabhängigkeit ist: Gibt es einen Interessenskonflikt? Und wenn es einen gibt, ist er erklärt worden? Wenn Sie dies als Test nehmen, haben Sie die Antwort.

          Das IOC ist der größte Stakeholder und der größte Förderer der Wada. Es will die besten und größten Olympischen Spiele, die möglich sind, also mit Russland. Ein Ausschluss würde den Interessen des IOC schaden. Meinen Sie das?

          Das Verhältnis von 50:50 zwischen IOC und Regierungsvertretern im Exekutivkomitee wurde geschaffen, weil sie diejenigen sind, die die Wada finanzieren. In jüngster Zeit hat ein Governance-Report zu einer Reihe von Vorschlägen geführt, von diesem 50:50-Ansatz weg zu mehr Unabhängigkeit zu kommen. Ich würde sagen: Die Tür ist leicht geöffnet. Nächstes Jahr werden zwei Unabhängige im Exekutivkomitee sitzen, je einer auf Vorschlag des IOC und der Regierungen. Witold Banka, der kommende Präsident der Wada, wird der letzte sein, der diesem regelmäßigen Wechsel zwischen IOC und Regierungen entstammt. Der nächste Präsident wird unabhängig sein.

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