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Leichtathletik-WM : „Wir räumen mit dem Doping auf“

Ist solch eine nationale Einteilung sinnvoll? Sind nicht eher die Trainer und Manager verantwortlich, definiert nicht eher die Disziplin das Risiko, ob man Hammerwerfer ist oder Marathonläufer?

Die IAAF besteht aus nationalen Verbänden. Sie muss sicherstellen, dass das, was wir wollen, auf nationaler Ebene durchdringt. Länder und Verbände schicken Mannschaften zu den Meisterschaften. Sie sind verantwortlich. Deutschland ist ein gutes Beispiel. Das Anti-Doping-Programm ist gut, die Nada ist gut. In anderen Ländern gibt es nicht einmal Nadas. Denen müssen wir helfen.

Im sauberen Deutschland, in Erfurt, stand offenbar ein Arzt im Mittelpunkt eines Blutdoping-Rings, der vor allem aus Skiläufern verschiedener Nationalitäten bestand. Was lehrt Sie das?

Wer betrügen will, findet irgendwo auf der Welt jemanden, der ihn unterstützt. In der Vergangenheit hat es manchmal Verdacht ausgelöst, wenn sehr viele Athleten einen Arzt aufsuchen, der anscheinend etwas hatte, das andere Ärzte nicht haben. Denken Sie an den Arzt in München.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt?

Er wurde aller möglichen Sachen verdächtigt.

Das war immer Spekulation.

Manche mögen sagen, das war Hokuspokus. Manchmal ist das ein Psycho-Faktor und nicht Doping.

Alberto Salazar ist ein ungewöhnlicher Trainer. Sein Nike Oregon Project macht Läufer und Läuferinnen so erfolgreich, dass sie aus aller Welt zu ihm drängen, auch aus Deutschland. Es gibt Vorwürfe, die amerikanische Anti-Doping-Agentur ermittelt seit Jahren. Ganz persönlich: Würden Sie ihm Ihre Tochter anvertrauen?

So persönlich werde ich nicht. Ich glaube, dass in dieser Untersuchung, die noch nicht abgeschlossen ist, Bewegung ist. Ziemlich bald könnte etwas passieren. Da ich einiges davon weiß, bevorzuge ich, nicht darüber zu sprechen.

Sie lassen als vertrauensbildende Maßnahme bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft hier in Qatar die Dopingproben der qatarischen Athleten nicht in deren Land analysieren, sondern in einem anderen. Bedeutet das grundsätzlich, dass Kontrolleure und Kontrollierte nicht aus demselben Land stammen sollten?

Das fordern wir seit Jahren. So würde man jeden Eindruck von Bevorteilung verhindern, wie die öffentliche Wahrnehmung beim Betrug von Sotschi war, bei der Manipulation in einem rumänischen Labor ...

... und in der DDR vor vierzig Jahren.

Wir sagen: Keine Probe eines Athleten aus einem WM-Gastgeberland wird in dessen Heimatland untersucht. Um für Anonymität zu sorgen, schicken wir auch Proben anderer Athleten. Das werden wir von jetzt an bei allen Weltmeisterschaften tun. Die Weltmeisterschaft in zwei Jahren übrigens wird in Oregon stattfinden.

Sie haben Schlagzeilen mit der Behauptung gemacht, dass nur Dumme überführt werden. Müssen Sie sich nicht korrigieren: Nur die Armen werden erwischt, nicht die Reichen?

Mir kommt es darauf an, auf welchem Niveau Anti-Doping-Programme stattfinden. Um gut zu sein, muss man alle seine Informationen nutzen und sicherstellen, dass der Test zählt. Ich kann massenhaft Leute auf der Straße testen; damit produziere ich sehr viele negative Fälle, weil ich nicht Informationen nutze, die mir sagen, wer dopt und wen ich testen muss. Diejenigen, die für die Kontrollprogramme zuständig sind, brauchen einen anderen gedanklichen Ansatz. Ich will nicht übertrieben kritisch sein. Aber bei der AIU nutzen wir intensiv die Informationen, die wir von Whistleblowern und durch eigene Ermittlungen haben, um dafür zu sorgen, dass die Tests einen Wert haben. Die Resultate sind überzeugend.

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