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Leichtathletik-WM : „Wir räumen mit dem Doping auf“

Erwarten Sie, eine russische Mannschaft bei den Olympischen Spielen von Tokio im nächsten Jahr zu sehen?

Das Verfahren, dem die Wada folgen muss, bedeutet, dass wir über die Russen nichts sagen dürfen, bis sie geantwortet haben.

Sie vertreten nicht mehr die Wada.

Ich werde immer als ihr ehemaliger Chef vorgestellt. Ich weiß um die Bedeutung dessen. Ich muss fair sein. Wenn Russland eine nachvollziehbare Erklärung hat, ist dies das Ende der Diskussion. Folgt man dem Protokoll, hat das Exekutivkomitee der Wada zu entscheiden, nicht das IOC. Mein persönliches Gefühl als jemand mit ein bisschen Hintergrund? Sie kriegen meinen Kommentar nach der Entscheidung.

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Witold Banka sagt, die Geheimdienste müssten in die Doping-Bekämpfung involviert werden. Hat er recht?

Diese Position ist in vieler Hinsicht interessant, auf alle Fälle dahin gehend, dass es nicht reicht, einfach Urinproben zu nehmen. Wie weit man gehen muss, um an Informationen zu kommen, hängt von den Behörden in jedem einzelnen Land ab. Geheimdienste einzubeziehen war möglicherweise nicht das, was er sagen wollte. Vielleicht wollte er sagen: Wir brauchen das Engagement der Strafverfolger, damit die richtigen Informationen in unsere Hände gelangen. Das fordere ich schon eine ganze Weile.

Auf Sie geht die Kooperation der Wada mit Interpol zurück. Geheimdienste sind, jedenfalls was Russland betrifft und was die DDR einst betraf, am Doping beteiligt, am Austausch von Proben, an der Manipulation der Analysen, und sie hacken die Computer von Wada und Sport-Organisationen.

Darüber könnten wir lange reden. Ich schaue mir gerade vieles an, das mit Wetten zu tun hat. Das organisierte Verbrechen wäscht Geld durch Sportwetten. Wir haben einen Bericht der Asian Racing Federation . . .

... Pferdewetten ...

... der andeutet, dass die Nordkoreaner Hunderte von Hackern haben, deren Aufgabe es ist, über Online-Wetten Geld zu waschen. So werden sie ihr nordkoreanisches Geld los und bekommen amerikanische Währung. Darüber wird nicht viel gesprochen, aber das ist riesig, und es berührt den Sport und seine Integrität.

Spielt Leichtathletik eine Rolle?

Dafür haben wir keine Hinweise. Aber wir sorgen dafür, dass wir es merken, wenn sich das ändern sollte. Andere Sportarten sind stark betroffen. Kricket. Fußball natürlich. Und zwar auf allen Ebenen. Sogar auf U-16-Spiele wird gewettet. Basketball. Wir geraten hier auf ein ganz anderes Feld. Hat das mit Geheimdienst zu tun? Vermutlich. Wenn Sie das FBI als Geheimdienst betrachten, hat dieser Geheimdienst eine Menge Gutes für die Integrität des Sports getan, etwa durch die Razzia in dem Fifa-Hotel in der Schweiz. Ich will sagen: Ich sehe, was Herr Banka sagen will.

Was ist die größte Bedrohung der Leichtathletik?

Die Leichtathletik ist dabei, ihre größte Bedrohung zu überwinden.

Doping?

Doping hat es so lange gegeben in diesem Sport. Wir sind dazu da, einen Ruf wiederherzustellen, der durch diese ganze russische Saga verlorengegangen ist. Das passiert nicht über Nacht. Aber wir sorgen dafür, dass die Leute sehen, was wir tun: aufräumen.

Sie nennen fünf Länder als besonders gefährdet durch Doping: Kenia, Äthiopien, Weißrussland, Ukraine und Bahrein ...

Jedes dieser Länder folgt einem Programm, auf das wir bestehen. Es beinhaltet, mehr Verantwortung für das Anti-Doping-Programm zu übernehmen. In etwa einem Monat werden wir bewerten, ob sie weiterhin als Hoch-Risiko-Länder gelten sollen oder nicht.

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