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Leichtathletik-WM in London : Ein großer Moment für Carolin Schäfer

Carolin Schäfer holt Silber im Siebenkampf bei der WM in London. Bild: AFP

Sie ist der aufgehende Stern der deutschen Leichtathletik. Nun holt die Siebenkämpferin Carolin Schäfer Silber bei der WM. Eine Enttäuschung gibt es für einen anderen Deutschen.

          Carolin Schäfer hat mit der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in London ihren Aufstieg in die Weltklasse der Siebenkämpferinnen bestätigt. Hinter Olympiasiegerin Nafissatou Thiam aus Belgien (6784) kam sie am Sonntag mit 6696 Punkten auf Platz zwei; im Ziel übermannten sie die Tränen. Die 25 Jahre Frankfurterin kam im abschließenden 800-Meter-Lauf in 2:15,34 Minuten als Siebte ins Ziel und hielt damit die niederländische Europameisterin Anouk Vetter auf sechzig Punkte Abstand (6636). Claudia Salman-Rath, ebenfalls aus Frankfurt, rannte zum Schluss vorneweg und sicherte sich damit Platz acht (6362). Sie wird am nun versuchen, sich für das Weitsprung-Finale am Freitag zu qualifizieren und besser abzuschneiden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die letzte WM-Medaille für Deutschland hatte 2011 Jennifer Oeser geholt. Wegen der Doping-Disqualifikation der russischen Weltmeisterin Tatjana Tschernowa war die Leverkusenerin vom dritten auf den zweiten Platz geklettert. WM-Silber erhielt sie nachträglich kurz vor der Siebenkampf-Entscheidung in London.

          Carolin Schäfer freut sich nun nach drei hochklassigen Mehrkämpfen in Götzis, in Ratingen und in London auf zwei Monate Erholung. Sie wolle Ferien machen und so viele PR-Termine wahrnehmen, wie sie könne, versprach sie. Den Grundstein zu ihrem ersten internationalen Erfolg legte die Polizistin am ersten Tag, an dem sie Bestleistungen im Hochsprung und im Kugelstoßen erreichte: 1,86 Meter und 14,84. Im Hürdensprint war sie nach 13,09 Sekunden im Ziel, über 200 Meter nach 23,58 Sekunden. Im Speerwurf bekam sie für 49,99 Meter ihre geringste Punktzahl, 860. Dann kamen die zwei Stadionrunden.

          „Das ist ein Moment zum Genießen“, sagte sie hinterher und strahlte. „Die jahrelange Arbeit hat sich ausgezahlt. Eine Medaille war das Ziel, auch um meinen Trainer zu belohnen.“ Carolin Schäfer ist ein aufgehender Stern der deutschen Leichtathletik. 2008 und 2009 wurde sie bei den Junioren Welt- und Europameisterin. Nun etabliert sie sich bei den Senioren. In Götzis steigert sie in diesem Jahr ihre Bestleistung auf 6836 Punkte. Claudia Salman-Rath scherzte, dass sie vielleicht bis zur Europameisterschaft im kommenden Jahr noch Speerwerfen lernen werde. In London kam sie auf 40,70. Durch ihren couragierten Lauf zum Schluss verbesserte sie sich von Rang zehn auf Platz sieben. Vor zwei Wochen noch hatten Knieprobleme ihren WM-Start in Frage gestellt.

          Der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl ging bei dieser WM leer aus. Er erreichte mit 20,80 Metern als Zehnter nicht einmal den Endkampf, eine Enttäuschung wie im vergangenen Jahr Platz sieben bei den Olympischen Spielen von Rio. „Es war kein mentales, sondern ein technisches Problem – es war mein drittschlechtester Wettkampf in diesem Jahr“, sagte der völlig konsternierte Storl. „Das darf bei einer WM nicht passieren.“

          Sie hat es geschafft: Carolin Schäfer sichert sich WM-Silber. Bilderstrecke

          Den Sprint der Frauen gewann am späten Abend Tori Bowie. Im 100-Meter-Finale setzte sich die Amerikanerin nach einem spannenden Finish in 10,85 Sekunden durch. Marie-Josee Ta Lou von der Elfenbeinküste lag als Zweite nur eine Hundertstelsekunde zurück. Bronze erkämpfte sich Europameisterin Dafne Schippers aus den Niederlanden in 10,96 Sekunden. Für Olympiasiegerin Elaine Thompson aus Jamaika reichte es diesmal nur zum fünften Platz (10,98 Sekunden).

          Für eine gehörige Überraschung hatte am Wochenende auch die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper gesorgt. Die 20-Jährige aus Dortmund lief im Vorlauf am Samstag 10,95 Sekunden. Als letzte deutsche Sprinterin war 1991 Katrin Krabbe mit 10,91 unter der 11-Sekunden-Marke geblieben. Im Halbfinale am Sonntag schied Gina Lückenkemper allerdings mit 11,16 Sekunden als Sechste aus. „Ich habe alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte“, sagte sie. „Jetzt wollen wir mal sehen, was in der Staffel geht.“

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