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Leichtathletik-WM : Herzloser Verband nach Fairplay der Abgehängten

Gemeinsam stark: Braima Suncar Dabo schleppt Jonathan Busby ins Ziel Bild: AP

Große Geste des Fairplays am ersten Tag der Leichtathletik-WM: ein Läufer schleppt einen völlig entkräfteten Kollegen ins Ziel seines Vorlaufs. Doch dann kommt die Regel 144.3 ins Spiel.

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          Es war das Bild des ersten Tages der Leichtathletik-WM in Doha: Im ersten Vorlauf über 5000-Meter griff ein Mann im roten Trikot einem völlig entkräfteten Läufer in gelb und blau rund 200 Meter vor dem Ziel unter die Arme und schleppte ihn unter dem Jubel der knapp 5000 Zuschauer im Schritttempo die letzten Meter über die Bahn.

          Eine Fair-Play-Geste unter Abgehängten, die das Leichtathletik-Publikum in der ganzen Welt begeisterte und in den Sozialen Medien ihren entsprechenden Nachhall fand. Die besten Läufer waren schon seit fast fünf Minuten im Ziel gewesen, als Braima Suncar Dabó aus Guinea-Bissau und Jonathan Busby von der Karibikinsel Aruba zusammen fanden. Es ging um nichts, außer dem Erreichen des Ziels. Gemeinsam können wir es schaffen, auch wenn es noch so hart ist – diese Haltung strahlte die Szene aus. „Ich wollte ihm einfach nur helfen, das Ziel zu erreichen“, sagte der Samariter der Laufbahn später: „Ich denke, jeder hätte es genauso gemacht.“

          Und wie um seinen Sportsgeist noch zu perfektionieren, schob Dabó seinen Schützling Busby auch noch vor sich über die Ziellinie. Nach exakt 18:10,68 Minuten fiel der dann regelrecht ins Ziel – und schaffte aber noch den typischen Reflex jedes Langstreckenläufers: er drückte als letzte Geste des Willens unmittelbar seine Stoppuhr am Arm ab. Schließlich ging es hier um die persönliche Bestzeit. Der generöse Dabó wurde in 18:10,87 gemessen. Mit diesen Zeiten belegten die beiden neuen Freunde fürs Leben die Plätze 19 und 20 ihres Vorlaufs, natürlich Vorletzter und Letzter. Und doch bedeutete das Resultat für beide persönliche Bestzeit – keiner von ihnen hatte nämlich zuvor ein offizielles 5000-Meter-Rennen absolviert.

          Jeder Hobbyläufer, der nun über die vermeintlich hoffnungslos unterlegenen Exoten grinst, möge sich deren Durchschnitts-Kilometerzeit einmal hochrechnen und mit seinen eigenen Werten vergleichen: 18:10 Minuten über 5000 Meter sind im Schnitt pro Kilometer 3:38 Minuten – und dies fünf Mal nacheinander in der Hitze von Qatar: Respekt. Vorlaufsieger Selemon Barega aus Äthiopien hatte übrigens 13:24,69 gebraucht. Aber was ist schon eine gute Zeit gegen eine tolle Geste?

          Keinen Sinn für diesen Sportsgeist bewies freilich der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF): Er disqualifizierte Busby nachträglich, weil dieser unerlaubte Hilfe genossen hatte: Regel 144.3 kennt kein Herz.

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