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Leichtathletik-WM : Europameister Przybylko besiegt vom Kopfwurm

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Enttäuschung nach dem sportlichen Desaster: Mateusz Przybylko wundert sich über sich selbst. Bild: AP

Früh gescheitert mit indiskutablen 2,17 Metern: Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko wundert sich über sich selbst. Zudem hadert er mit den Zuschauern.

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          Mateusz Przybylko stapfte kopfschüttelnd durch die Stadionkatakomben und zog sein Rollköfferchen hinter sich her. Die Dienstreise des Hochsprung-Europameisters zur WM in Doha war beendet, ehe sie richtig begonnen hatte. „Ich kann keine Worte dafür finden, was da gerade passiert ist“, sagte der Leverkusener, nachdem er gerade mit indiskutablen 2,17 m in der Qualifikation ausgeschieden war: „Aber dieser Wettkampf beschreibt einfach genau meine Saison.“

          Bei der EM in Berlin im Vorjahr war der 27-Jährige noch der große Abräumer gewesen, hatte im Finale den Alleinunterhalter gespielt, ein ganzes Stadion im Griff gehabt und als pures Emotionsbündel mit 2,35 m gesiegt. „Da war ich heiß wie Frittenfett und hatte Bock zu rocken“, sagte Przybylko: „Jetzt bin ich zwar körperlich topfit, vom Kopf her aber gar nicht.“

          Przybylko hatte sich durch ein schier endloses WM-Jahr gemüht, „das hat sich wie Kaugummi gezogen“. Doch irgendwie fehlte der Kick, den er herbeisehnte. Nach seinem mühsamen Sieg bei der DM - dort sprang er mäßige 2,22 m, in Doha scheiterte er dreimal an dieser Höhe - sprach Przybylko vom „Wurm im Kopf“, der da festsitze.

          Vor einem Monat siegte er beim ISTAF erneut in Berlin mit 2,30 m. „Da dachte ich, dass der Wurm endlich draußen ist, der Knoten geplatzt“, sagte Przybylko. In Katar war der Wurm aber wieder drin: Schon beim Einspringen merkte er, „das klappt heute gar nicht, ich komme nicht ins Laufen rein. Mein Trainer meinte, bau doch mal Spannung auf, die habe ich aber sogar gefühlt. Ich bin jetzt enttäuscht von mir und total durcheinander. Das war eine Wundertüte.“

          Eine solche ist Przybylkos ganze Karriere: Qualifikations-Aus bei der WM 2015 und Olympia 2016, WM-Fünfter 2017, Hallen-WM-Dritter und Europameister 2018, jetzt wieder die kalte Dusche. „2018 war mein Jahr. Aber 2019 als Europameister war die Erwartungshaltung bei den Leuten größer, mit dem Druck musste ich kämpfen und umgehen, das habe ich nicht wirklich geschafft“, sagte Przybylko.

          Die maue Atmosphäre im Stadion von Doha habe dem Adrenalin-Liebhaber dann den Rest gegeben. „Ich weiß nicht, ob die Leute hier Geld dafür bekommen, ins Stadion zu gehen. Aber bei Olympia in Rio war es ähnlich. Da war es sogar noch schlimmer, weil die Zuschauer feindselig Sportlern anderer Nationen gegenüber waren, fast wie Hooligans“, sagte Przybylko: „Aber Olympia in Tokio ist mein großer Traum, dafür gebe ich alles. Und da wird auch die Stimmung wieder schön sein.“

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