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Leichtathletik : Bedenkliche Schlupflöcher im Kontrollsystem

Das fast beherrschende Thema im Sport: Doping Bild: picture-alliance/ dpa

Ein ARD-Film beleuchtet am Mittwoch um Mitternacht die dunklen Seiten der Leichtathletik. Auch deutsche Athleten geraten drei Tage vor WM-Beginn ins Doping-Zwielicht.

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          Drei Tage vor Beginn der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin zeigen sich die Schwächen und Schlupflöcher des weltweiten Dopingkontrollsystems immer deutlicher. Während das erste Fernsehprogramm mit der Reportage „Geheimsache Doping – Die Doping-Drahtzieher der Leichtathletik“ (Mittwoch/24 Uhr) von illegalen Tests für Doper in Labors berichtet, die bei der Welt-Antidopingagentur (Wada) akkreditiert sind, und auch Verbindungen aufzeigt, die deutsche Athleten in ein schlechtes Licht rücken, räumt der Welt-Leichtathletikverband (IAAF) ein, in Afrika und Russland überhaupt keine Blutproben zu nehmen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Stefan Matschiner, eine der Schlüsselfiguren im österreichischen Dopingskandal (siehe auch: Doping in Österreich: Überall böses Blut), behauptet in der ARD, dass es „mehr als ein“ Dopinglabor in Mitteleuropa gebe, bei dem er Dopingtests für seine Klienten habe vornehmen lassen, um sicher zu gehen, dass sie bei offiziellen Tests nicht auffallen. Er habe dafür unter der Hand 150 bis 500 Euro gezahlt. „Das hat einige Jahre gut funktioniert – und das funktioniert auch immer noch“, behauptet Matschiner. David Howmann, Generaldirektor der Wada, sagt dazu: „Das sind sehr ernste Anschuldigungen. Das ist ein gefährlicher Regelbruch, einer der schlimmsten.“

          Deutscher Top-Läufer im Visier

          Unter seinen Kunden, behauptet Matschiner, sei auch ein „deutscher Top-Läufer“, ein deutscher Meister des Jahres 2009. Ob dieser bei der Weltmeisterschaft startet, dürfe aus juristischen Gründen nicht mitgeteilt werden, sagte ARD-Dopingexperte Hans-Joachim Seppelt, der zusammen mit Robert Kempe Autor der Reportage ist. Matschiner war unter anderem Manager des dopingüberführten österreichischen Radprofis Bernhard Kohl und besaß bei seiner Verhaftung im April eine Blutzentrifuge aus der ominösen Wiener Blutbank. In Untersuchungshaft legte er ein Geständnis ab.

          Matschiner packt über die Leichtathkletik aus

          Die ARD-Reporter sprechen auch mit dem mexikanischen Dopingdealer Angel Heredia, der weltweit 45 Athleten, davon 32 in der Weltklasse, zu seinen Kunden zählte. Er berate bis heute Sportler, sagt Heredia und behauptet, dass er Dopingmittel an den österreichischen Athletenmanager Robert Wagner verkauft habe. Wagner arbeitete zu jener Zeit laut IAAF mit dem deutschen Stabhochspringer Tim Lobinger, Speerwerfer Boris Henry, Diskuswerfer Michael Möllenbeck, Weitspringerin Sofia Schulte und dem Sprinter Sebastian Ernst zusammen. Wagner bestreitet Dopinglieferungen und behauptet, sich „aktiv gegen Doping“ einzusetzen. Ein Interview mit der ARD lehnte er ab.

          Die Reporter der ARD kauften gemeinsam mit Heredia Epo, Wachstumshormon, das Schwangerschaftshormon HCG und Testosteron-Gel rezeptfrei in einer mexikanischen Apotheke und schmuggelten den Stoff im Auto über die Grenze nach Texas, um zu beweisen, wie leicht man an diese Dopingmittel gelangen kann.

          Kontrollfreie Zonen Afrika und Asien

          Unterdessen erweisen sich Afrika und weite Teile Russlands als kontrollfreie Zonen. Die IAAF jedenfalls bestätigte dem „Tagesspiegel“, dass es in keinem afrikanischen Land in diesem Jahr bisher unangekündigte Blutkontrollen gegeben habe. Allein die Läuferinnen und Läufer aus Kenia (5 Gold / 5 Silber / 4 Bronze) und Äthiopien (4/1/2) hatten bei den Olympischen Spielen von Peking im vergangenen Jahr 21 Medaillen gewonnen. Außerdem ist Kenia sehr beliebt für Trainingslager. Anfang des Jahres erlitt der Schweizer Marathonläufer Viktor Röthlin nach einem Aufenthalt dort zwei Lungenembolien.

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