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Puma-Chef Zeitz über Bolt : „Nie gekanntes Maß an Lockerheit“

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Der Manager und sein Star: Jochen Zeitz (r.) und Usain Bolt Bild: AP

Für Puma-Chef Jochen Zeitz ist Usain Bolt schon vor dem Startschuss der Leichtathletik-WM der große Gewinner. „Es macht Spaß, ihm zuzusehen, unabhängig davon, ob er gewinnt oder nicht“, sagt Zeitz im Gespräch mit FAZ.NET.

          Stars sind das Elixier der Sportartikelkonzerne. Sie transportieren die Werbebotschaften und treiben die Umsätze mit an. Das gilt ganz besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten (siehe: Isinbajewa, Bolt & Co: Die Stars der Leichtathletik-WM). Puma aus Herzogenaurach sponsert nicht nur den amtierenden Fußball-Weltmeister aus Italien und elf Fußball-Nationalmannschaften aus Afrika, wo im nächsten Jahr zum ersten Mal ein WM-Turnier stattfinden wird, sondern auch den schnellsten Mann der Welt aus Jamaika. An diesem Sonntag schaut die Leichtathletik-Welt auf das 100-Meter-Finale der Männer bei den Weltmeisterschaften in Berlin. Für Puma-Chef Jochen Zeitz ist Usain Bolt schon vor dem Startschuss der große Gewinner.

          Was fasziniert Sie an Usain Bolt?

          Wer einmal auf Jamaika war, der weiß, wie sehr sein Stil Ausdruck des jamaikanischen Lebensstils ist. Dieser Enthusiasmus der Menschen, ihre Lebensfreude und die Begeisterung für den Sport. Das gibt es in dieser Form selten auf der Welt. Usain personifiziert genau diese Werte.

          „Auch die pure Freude am Sport ist wichtig”

          Als Sponsor erwarten Sie doch von ihm nicht nur eine gute Show, sondern wie jetzt bei den Weltmeisterschaften ein Rekordrennen, das ihn in die Schlagzeilen bringt.

          Er soll vor allem das zeigen, was ihn als Persönlichkeit ausmacht. Er repräsentiert sein Land und die Marke Puma gleichermaßen - nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch. Es macht Spaß, ihm zuzusehen, unabhängig davon, ob er gewinnt oder nicht. Er bringt ein nie gekanntes Maß an Lockerheit in den Sport und das finden viele Menschen attraktiv. Es sollte nicht immer nur um Höchstleistung gehen, auch die pure Freude am Sport ist wichtig.

          Steht nicht gerade Bolt für fast übermenschliche Leistungen, die neben Erstaunen auch ein ungutes Gefühl hinterlassen?

          Eben nicht. Er ist sehr greifbar und nahbar. Er zeigt Leichtigkeit, keine Verbissenheit. Das ist eine neue Dimension im 100-Meter-Sprint. Er ist nicht nur der Mann, der einen Rekord aufgestellt hat - sonst wäre diese Begeisterung für ihn weltweit nie zustande gekommen.

          Kommen Ihnen keine Zweifel, wie eine solche Leistung in einer über Jahrzehnte dopingverseuchten Disziplin wie dem 100-Meter-Sprint möglicherweise zustande kommt?

          Viele sogenannte Beobachter der Szene, gerade in Deutschland, tendieren zum Negativismus. Natürlich: Es gibt Enttäuschungen im Radsport oder auch in der Leichtathletik. Im Fall von Usain Bolt sollte man allerdings anerkennen, dass hier ein Sportler am Start ist, der einen ganz anderen Laufstil hat und über seine naturgegebene Physis zu diesen Höchstleistungen gekommen ist. Alles andere sind reine Spekulationen. Er ist einer der am häufigsten getesteten Athleten auf der Welt. Es gibt bei ihm keine Zweifel und keine Verdachtsmomente. Dabei sollte man es bewenden lassen (siehe: Usain Bolt: Rockstar ohne Angst).

          Trotzdem kommt einigen die Leistung verdächtig vor.

          Man muss sich vor Augen führen, von wo Usain Bolt kommt. Er ist keiner, der aus dem Nichts aufgetaucht ist und plötzlich Superleistungen erzielt hat. Er ist in ganz jungen Jahren schon sehr schnell gelaufen, ihm fehlte es nur etwas an der nötigen Technik. Er ist dann kontinuierlich aufgebaut worden und ist heute kein muskelbepackter Laufroboter, sondern ein normal aussehender Sportler mit einer athletischen Figur.

          Was dachten Sie, als vor drei Wochen fünf Sprinter der von Ihrem Unternehmen gesponserten Leichtathletikmannschaft Jamaikas bei einem Dopingtest durchfielen?

          Dass sich dies zunächst sehr nach einer Pauschal-Vorverurteilung anhörte, noch bevor es einen genauen Befund gab. Um es ganz deutlich zu sagen: Wenn von Puma gesponserte Vertragsathleten des Dopings überführt werden, dann würden wir als Unternehmen alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen und sofort Konsequenzen ziehen. Aber natürlich können wir nicht für alle Athleten eines Verbandes gleichermaßen die Hand ins Feuer legen. Im Falle der von Ihnen angesprochenen vier jamaikanischen Athleten sind nach meinem jetzigen Kenntnisstand inzwischen alle vom Vorwurf des Dopings entlastet worden.

          Der zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte gerade, aufgrund der vielen Dopingskandale hätte für ihn der Sport seine Unschuld verloren?

          Mit einer solchen Aussage kann ich mich nicht anfreunden. Es gibt immer Einzelne, die betrügen, aber deshalb sollte man nicht den gesamten Sport pauschal verurteilen. Außerdem: Früher war es doch nicht besser. Im Gegenteil. Die Wahrscheinlichkeit, einem Dopingsünder auf die Spur zu kommen, ist doch durch die heutigen Meßmethoden viel größer geworden.

          Bei Ihrer Firma fällt die hohe Affinität zu den weniger Privilegierten im Sport auf. Sie sponsern die Leichtathleten aus Jamaika oder elf Fußball-Nationalmannschaften in Afrika. Welche Strategie steckt dahinter?

          Wir denken nicht in Kategorien von arm und reich. Bei uns geht es um Sport und Lifestyle, weniger ums Gewinnen oder die pure Spitzenleistung als solche. Und da hat eine jamaikanische oder afrikanische Kultur prägenden Einfluss auf die Weltkultur. Ob das der Reggae ist oder die Wurzeln der afrikanischen Musik und Kunst: Diese Kulturen reflektieren auch die Werte und die Persönlichkeit der Marke Puma - genauso wie auch eine in Puma-Trikots gut aussehende Fußball-Nationalmannschaft von Italien, die nicht nur amtierender Weltmeister ist, sondern auch den Lebensstil des Landes verkörpert. Im Hinblick auf ihre Kultur und die positive Lebenseinstellung sind Jamaika und Afrika im übrigen nicht arm, sondern äußerst reich.

          Bezogen auf Pumas Spezialgebiet Afrika herrscht derzeit aus Sicht der westlichen Welt nicht allzu hohes Zutrauen, was die Ausrichtung der Fußball-WM angeht. Sie sehen das bestimmt anders.

          Wenn ich mir unsere westliche Historie in einigen Bereichen anschaue, könnte mir manchmal auch das Vertrauen verloren gehen. Verschiedene Kontinente befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Wir müssen uns untereinander mehr auf Augenhöhe begegnen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat doch gezeigt, dass bei uns längst nicht alles funktioniert.

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