https://www.faz.net/-gai-13ild

Leichtathletik-Regelecke : Stichwort Sex-Test

  • Aktualisiert am

Die Leichtathletik-Regelecke: Laufen, werfen, springen, rechnen Bild: Natascha Vlahovic

800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya muss sich auf Veranlassung des Weltverbandes IAAF einem Geschlechts-Test unterziehen. Aufgrund ihrer männlichen Erscheinung gibt es Zweifel, ob sie eine Frau ist.

          2 Min.

          Die erst 18 Jahre alte Südafrikanerin Caster Semenya siegte am Mittwochabend über 800 Meter in Weltjahresbestzeit von 1:55,45 Minuten. Erst vor drei Wochen war sie quasi aus dem Nichts kommend in die Weltklasse gelaufen. Allerdings muss Semenya sich auf Veranlassung des Weltverbandes IAAF einem Geschlechts-Test unterziehen. Aufgrund ihrer männlichen Erscheinung gibt es Zweifel, ob sie eine Frau ist.

          Sex-Tests hatte das Internationalen Olympische Komitee 1968 verbindlich eingeführt. Vor den Sommerspielen 2000 in Sydney wurden die umstrittenen „Gender Verification“ (Geschlechtstests) jedoch wieder abgeschafft. Auch der Leichtathletik-Weltverband IAAF nimmt laut Sprecher Nick Davies seit 1992 kein Tests mehr vor.

          „Die Übergänge zwischen Mann und Frau sind fließend“

          Das Geschlecht eines Menschen ist nach Auskunft der Berliner Genetikerin Prof. Heidemarie Neitzel nicht so leicht zu bestimmen, wie es gemeinhin scheint. „Man kann das nicht immer so einfach determinieren, die Übergänge zwischen Mann und Frau sind fließend“, erläuterte die Leiterin der Zytogenetik an der Berliner Universitätsklinik Charité im Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa

          Umstrittene Läuferin: Caster Semenya

          Normalerweise weisen Frauen zwei X-Chromosomen (XX) in ihren Zellen auf, Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY). Manche mit einem Y-Chromosom geborenen Menschen entwickeln alle körperlich charakteristischen Merkmale einer Frau - ausgenommen der inneren Sexual-Organe. Sie leiden unter dem Androgen Insuffizienz Syndrom (AIS). Diese Frauen sind XY, allerdings kein Mann, weil ihr Körper nicht auf das produzierte Testosteron reagiert. Deshalb dürften sie auch bei den Frauen starten. „Wir kennen heute Gene, bei denen eine einzelne Mutation dafür sorgt, dass jemand mit einem Y-Chromosom sich zur weiblichen Seite entwickelt“, erläuterte Neitzel.

          „Sie muss mit den Untersuchungen einverstanden sein“

          Sieben der acht Frauen, die 1996 bei Olympia in Atlanta positiv auf Y-Chromosomen getestet wurden, hatten AIS und durften trotzdem teilnehmen. Laut der Internetseite der deutschen AIS-Selbsthilfegruppe gibt es zwei Formen des Androgen Insuffizienz Syndroms. Eine komplette (CAIS), bei der das Gewebe gegenüber Androgenen vollkommen unsensibel ist und eine partielle Form (PAIS), bei der das Gewebe teilweise sensibel gegenüber Androgenen ist, so dass ein gewisses weibliches genitales Aussehen möglich ist. Weiter heißt es: „Sowohl in der kompletten als auch in allen partiellen Formen haben die Betroffenen keine Eierstöcke, keine Eileiter und keinen Uterus, die Vagina endet blind und ist möglicherweise verkürzt oder fehlt ganz.“

          Die Bestimmung des Geschlechts einer Person in Zweifelsfällen sei eine interdisziplinäre Aufgabe für Gynäkologen, Genetiker, Endokrinologen und Psychologen, betonte Neitzel. „Realistischerweise dauert so etwas mehrere Wochen bis Monate.“ Auf jeden Fall müsse bei der 800-Meter-Läuferin Caster Semenya, deren Geschlechtszugehörigkeit nach ihrem WM-Gold angezweifelt worden war, „wie bei jedem Menschen das Selbstbestimmungsrecht gewahrt werden“, betonte Neitzel. „Sie muss mit den Untersuchungen einverstanden sein und das Einverständnis schriftlich erklären.“

          Weitere Themen

          KSC spielt auch gegen Aue Remis

          2. Bundesliga : KSC spielt auch gegen Aue Remis

          Chancenwucher und eine „sehr schlechte erste Halbzeit“: Der Karlsruher SC kommt auch gegen Aue nicht über einen Punkt hinaus. Auf Seiten der Gäste trifft Jan Hochscheidt – und fliegt dann mit Rot vom Feld.

          Münchner Skateboarder will zu Olympia Video-Seite öffnen

          Für den Libanon : Münchner Skateboarder will zu Olympia

          Ali Khachab ist Münchner, doch bei den Sommerspielen 2020 in Tokio will er für den Libanon an den Start gehen, die Heimat seiner Vorfahren. Der 28-Jährige ist Skateboarder, und davon gibt es im Libanon nur sehr wenige.

          Zverev gelingt erster Sieg gegen Nadal

          ATP-Finals : Zverev gelingt erster Sieg gegen Nadal

          Zum Auftakt des Hallenturniers in London zeigt der Hamburger gegen die Nummer eins der Weltrangliste einen starken Auftritt. Nun geht es für Zverev gegen einen „nicht ernst zu nehmenden Griechen“.

          Topmeldungen

          Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

          Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.