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Leichtathletik : Die früheren Doper sprinten vorneweg

  • Aktualisiert am

Alter Meister mit fragwürdiger Vergangenheit: Tyson Gay Bild: AFP

Gay in 9,87 Sekunden bei den Amerikanern, Powell sogar in 9,84 auf Jamaika: bei den Landesmeisterschaften der Leichtathleten sprinten die ehemaligen Sünder vorneweg. Superstar Bolt gibt weiter Rätsel auf.

          Tyson Gay hat bei den amerikanischen Meisterschaften der Leichtathleten in Eugene den Titel über 100 Meter gewonnen. Der ehemalige Weltmeister, im Vorjahr aufgrund einer Dopingsperre zum Aussetzen verurteilt, lief am Freitag bei Windstille im Hayward Field in 9,87 Sekunden zum Sieg. Gay verwies den erst 19-jährigen Trayvon Bromell (9,96 Sekunden) auf Platz zwei. „Mensch, der Junge ist zäh. Er hat einen guten Start erwischt und ich musste anschließend meine zehnjährige Erfahrung ausspielen. Es war einer dieser hart erkämpften Siege“, meinte Gay. Dritter wurde Titelverteidiger Michael Rodgers (9,97).

          Das Trio qualifizierte sich für die Weltmeisterschaften im August in Peking. Bromell ist der erste Teenager der amerikanischen Leichtathletik-Geschichte, der über die kurze Sprintstrecke den Sprung zum globalen Großereignis schaffte. Komplettiert wird das amerikanische Aufgebot durch den Weltjahres-Besten Justin Gatlin (9,74) der wegen seines Gesamtsieges in der Diamond League 2014 für die WM gesetzt ist und deshalb in Eugene nur über 200 Meter startet.

          Bolt sagt kurzfristig ab

          Bei den parallel ausgetragenen jamaikanischen Leichtathletik-Meisterschaften hat der frühere Weltrekordhalter Asafa Powell den Titel über 100 Meter gewonnen und davon profitiert, dass Sprint-Superstar Usain Bolt kurzfristig seine Teilnahme abgesagt hatte.

          Der 32 Jahre alte Powell, 2013 als Dopingsünder überführt, setzte sich am Freitag in Kingston in 9,84 Sekunden klar vor Nickel Ashmeade durch, der nach 9,91 Sekunden ins Ziel kam.

          Neues Gesicht bei den amerikanischen Sprintern: Trayvon Bromell

          Olympiasieger Bolt, als Titelverteidiger bereits für die WM qualifiziert, befindet sich weiterhin in einer Formkrise. Eigentlich hatte er für die nationalen Meisterschaften gemeldet, zog dann aber doch Trainingseinheiten dem Kräftemessen in Kingston vor. Sein Ziel sei es nun, rechtzeitig für die Diamond-League-Meetings Anfang Juli in Paris und Lausanne fit zu werden.

          Aus der Spur ist auch Bolt Trainingspartner Yohan Blake, mit seiner Bestzeit von 9,69 Sekunden gemeinsam mit Tyson Gay der zweitschnellste Mann der Welt. Der Weltmeister von 2011, der damals in Daegu von Bolts legendärem Fehlstart profitierte und statt des großen Meisters den Sprint-Titel holte, verpasste in Kingston als Sechster seines Halbfinals mit einer schwachen Zeit von 10,35 Sekunden sogar den Endlauf.

          Gay lässt sich von fehlenden Bolt-Blitzen nicht täuschen

          Bolts Startverzicht war natürlich auch im 5200 Kilometer entfernten Eugene ein Thema. Der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter lief am 19. April in Rio de Janeiro mit 10,12 Sekunden seine Jahresbestzeit - im globalen Ranking wird er damit nur auf Platz 54 geführt. Für Peking muss sich Bolt womöglich darauf gefasst machen, dass die wieder erstarkten amerikanischen Sprintern ihn vom Thron stoßen. „Ich hoffe, dass dies unser Jahr wird“, meinte Gay. Er selbst war der bislang Letzte, der Bolt in einem großen Finale besiegen konnte - es war im 200-Meter-Endlauf der WM 2007 von Osaka. Seitdem sahen die Amerikaner nur noch Bolts Hacken und durften ihm zu Gold und Fabelzeiten gratulieren.

          Neuerdings mit Bärtchen: Tyson Gay spielt seine ganze Erfahrung aus und sprintet vorneweg

          „Nach jetzigem Stand gilt Justin als Favorit, aber du kannst Usain nicht abschreiben. Egal, was die Leute sagen, bislang war er immer bereit, wenn es drauf ankam“, erklärte Maurice Greene der Deutschen Presse-Agentur. Der etwas fülliger gewordene Olympiasieger von 2000 und dreimalige Weltmeister ist seit Jahren der Leichtathletik-Experte von Eurosport unterwegs und verfolgte auch in Eugene aufmerksam die Sprints seiner Erben.

          Auch Gay lässt sich von den bislang ausbleibenden Bolt-Blitzen nicht beeindrucken. „Er hat sich immer als Meisterschafts-Typ bezeichnet. Alles, was er jetzt macht, ist egal. Wenn es um die Titel geht, ist er immer bereit.“

          Frauen-Weltjahres-Bestzeit wieder eingestellt

          Bei den amerikanischen Frauen setzte sich Tori Bowie durch. Sie stellte mit 10,81 Sekunden die Weltjahres-Bestzeit von Jamaikas Olympiasiegerin und Weltmeisteri Shelly-Ann Fraser-Price sowie Murielle Ahoure aus der Elfenbeinküste ein. Platz zwei erlief sich English Gardner (10,86 Sekunden).

          Die Olympia-Zweite und WM-Dritte, Carmelita Jeter, zog sich vor 9081 Zuschauern auf den letzten Metern eine Oberschenkelverletzung zu und verpasste als Siebte das Ticket nach Peking.

          Über 400 Meter verpasste Olympiasiegerin Sanya Richards-Ross als Fünfte ihres Halbfinales den Endlauf und somit die WM.

          Trey Hardee schafft 8725 Punkte im Zehnkampf

          In Abwesenheit des für die WM bereits als Titelverteidiger qualifizierten Superstars Ashton Eaton dominierte Trey Hardee den Zehnkampf. Der zweimalige Weltmeister und Olympia-Zweite stellte mit 8725 Punkten einen Weltjahres-Bestwert auf.

          Die deutschen Zehnkämpfer messen sich an diesem Wochenende bei der zweiten Qualifikation in Ratingen. Die spannende Frage ist, ob der ehemalige Europameister Pascal Behrenbruch noch in die Phalanx der Konkurrenten Kai Kazmirek, Michael Schrader und Rico Freimuth einbrechen kann, die in Götzis Ende Mai allesamt die WM-Norm von 8150 Punkten deutlich überboten hatten.

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