https://www.faz.net/-gai-13jkg

Leichathletik-WM: Pamela Jelimo : Ein zweiter Platz als Schande

  • -Aktualisiert am

Pamela Jelimo: Die Unbesiegbare ist wieder schlagbar Bild: dpa

Im Vorjahr rannte Pamela Jelimo die 800-Meter-Konkurrenz in Grund und Boden. Nun muss sie Konkurrenz aus dem eigenen Team fürchten. Die Weltmeisterschaft in Berlin wird alles andere als ein Selbstläufer.

          Wieder sind es Zehntausende; und wieder sind sie nur ihretwegen gekommen. „Pamela! Heirate mich!“, schreien die Männer. „Pamela! Lächle!“, rufen die Fotografen. Pamela Jelimo, 19 Jahre alt, legt die Stirn in Falten. Leibwächter bahnen ihr den Weg an den Fans vorbei ins Stadion. Kenia hat viele herausragende Athleten hervorgebracht, doch so eine Geschichte hat es noch nicht gegeben: Innerhalb eines Jahres ist Pamela Jelimo von einer mittelmäßigen Sprinterin zur weltbesten 800-Meter-Läuferin aufgestiegen. Sie hat als erste Kenianerin Gold bei Olympischen Spielen in Peking gewonnen und zwei Monate später in Brüssel den Golden-League-Jackpot über eine Million Dollar. Ihre Siege haben sie über Nacht zur beliebtesten Sportlerin Kenias gemacht – und zur Millionärin. Nun soll sie bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin den Erfolg wiederholen.

          35.000 Menschen verfolgen die WM-Qualifikation im Nyayo-Nationalstadion in Nairobi. Das Staatsfernsehen überträgt live. Auf der Bahn neben Pamela Jelimo startet Weltmeisterin Janeth Jepkosgei. Die beiden kennen sich seit langem. „Wir sind keine Freunde, dafür ist die Konkurrenz zu groß“, sagt Pamela Jelimo. Janeth Jepkosgei gewinnt das Rennen. Pamela Jelimo sackt zu Boden. 1:58 Minuten genügen, um in Berlin dabei zu sein. „Ein zweiter Platz ist trotzdem eine Schande“, sagt sie.

          Eine Woche später sitzt sie in der Lobby des Moi International Sport Centers am Stadtrand Nairobis und kaut an einer Banane. Die Nationalmannschaft bereitet sich hier auf die WM vor. Soldaten schirmen das Gelände ab, Athleten schlurfen durch die Gänge. Alles an Pamela Jelimo ist schmal: ihre Arme, ihre Beine – sogar die Sonnenbrille in ihrem Gesicht. 2009 war bisher kein einfaches Jahr für die junge Läuferin. Sie war verletzt und trennte sich von ihrem Trainer. Bei einem Rennen im Juni in Rabat lief sie als Sechste ins Ziel, in Oregon als Siebte. Die Aura der Unbesiegbarkeit ist fürs Erste gebrochen. „Pamela tut sich schwer, mit dem Trubel umzugehen“, sagt ihr Manager Barnaba Korir.

          Im Vorjahr war Pamela Jelimo Siege gewohnt

          Ein Agent entdeckte das Talent vor drei Jahren

          Der frühere Langstreckenläufer versucht seine Klientin von der Öffentlichkeit abzuschirmen. Pamela Jelimo gibt selten Interviews, und auch Sponsorentermine nimmt sie kaum wahr. „Ich will mich auf das Training konzentrieren“, sagt sie. Sie lebt bescheiden. Von ihrem Brüsseler Preisgeld hat sie bisher keinen Cent ausgegeben. Seit 2007 ist sie mit ihrem Jugendfreund Peter Murrey verheiratet, einem 800-Meter-Läufer. Das Ehepaar wohnt in einem Ein-Zimmer-Apartment im Rift Valley in Westkenia.

          In dem Tal ist Jelimo auch aufgewachsen – als eines von neun Kindern einer alleinerziehenden Mutter. Das nächste Dorf lag weit entfernt, und so musste sie jeden Morgen zur Schule joggen. „Oft blieb sie zu Hause, weil der Familie das Schulgeld fehlte“, erzählt ihr Sportlehrer Philip Ngeno. Pamela Jelimo wusste früh, dass sie schneller laufen konnte als andere Kinder. Vor drei Jahren entdeckte sie ein Agent des kenianischen Leichtathletikverbandes. In Kenia nimmt der Staat begabte Athleten unter Vertrag. Die Sportlerin erhielt eine Stelle als Polizistin.

          „Pamela Jelimo ist die größte Sportlerin Kenias - oder die größte Betrügerin“

          Pamela Jelimo schnürt ihre Schuhe. Sie will noch einmal auf die Bahn. „Kilometer fressen“, sagt sie. Pamela Jelimo läuft Runde um Runde in dem leeren Stadion. Nationaltrainer Julius Kirwa brüllt Anweisungen aufs Feld. „Pamela ist meine Favoritin für Berlin – trotz allem“, sagt er. 2007 gewann sie bei der afrikanischen Juniorenmeisterschaft in Burkina Faso den Titel über 400 Meter. Doch ihre Zeit reichte nicht für einen Start bei internationalen Sportfesten. Sie beschloss, auf 800 Meter umzusteigen. Die Entscheidung sollte ihr Leben verändern: Im Mai 2008 schlug sie Olympiasiegerin Maria Mutola aus Moçambique bei den All African Games. Sie reiste nach Europa und setzte in Holland und Berlin ihre beispiellose Siegesserie fort.

          Zur gleichen Zeit kamen Zweifel auf: Wie kann eine Läuferin, die keinerlei Erfahrung über 800 Meter besitzt, die gesamte Weltspitze vorführen? Auf den Rat ihres Managers unterzog sich Pamela Jelimo einem Geschlechtstest. Auch von Doping ist die Rede. „Pamela Jelimo ist entweder die größte Sportlerin Kenias – oder die größte Betrügerin“, sagte der kenianische Sportjournalist Paul Silva. Sie sei niemals positiv auf Doping getestet worden, sagt Pamela Jelimo dazu, im Übrigen schweigt sie.

          Für die nächsten Jahre hat sie sich viel vorgenommen. Sie glaubt, den seit 1983 bestehenden Weltrekord der Tschechin Jarmila Kratochvilova brechen zu können. Er liegt bei 1:53,28 Minuten, eine Sekunde unter Pamela Jelimos persönlicher Bestleistung. Sie will im Rift Valley eine Schule gründen, wie viele Athleten in Kenia vor ihr. Und sie möchte Medizin studieren. „Ich träume von einem normalen Job. Wie alle anderen Menschen auch.“

          Weitere Themen

          „Sie töten dich, sie vergiften dich“

          Heftige Kritik an Putin : „Sie töten dich, sie vergiften dich“

          Angriff vom linken Flügel: Eishockey-Star Artemij Panarin positioniert sich mit drastischen Worten gegen den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin und dessen System. Es ist ein wohl einmaliger Bruch.

          Topmeldungen

          Engpass bei Medikamenten : Wenn die Arznei nicht mehr zu haben ist

          Patienten im Rhein-Main-Gebiet bekommen immer häufiger nicht ihre benötigten Medikamente. Apotheker müssen manche Kunden aufgrund von Lieferengpässen wegschicken. Doch das Problem ist längst nicht mehr nur regional.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.