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Leichtathletik-Team-EM : Gastgeber Russland siegt vor Deutschland

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Christina Schwanitz siegte zwar am Sonntag, zum Gesamterfolg reichte es aber nicht Bild: dpa

22 Punkte trennen die deutschen Leichtathletik-Asse bei der Team-EM vom Sieger Russland. Der Titelverteidiger kann den Fünf-Punkte-Halbzeitrückstand nicht mehr aufholen. Gastgeber Russland holt sich den vierten Titel seit 2010.

          Bis zum Schluss tapfer gekämpft, aber dann doch deutlich verloren: In der „Höhle des Löwen“ haben den deutschen Leichtathleten 22 Punkte zur Titelverteidigung bei der Team-Europameisterschaft gefehlt. Gastgeber Russland wurde am sonnigen Sonntag in Tscheboksary seiner Favoritenrolle gerecht und etablierte sich mit 368,5 Zählern schon zum vierten Mal seit 2010 als Nummer 1 in Europa. Hinter den Russen, die sich am zweiten Tag mächtig steigerten, und Deutschland (346,5) landete Frankreich mit 319,5 Punkten auf Platz drei.

          DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska war mit der Teamleistung zufrieden. „Ich denke einfach, dass man ein russisches Team nur schlagen kann, wenn alles zu 100 Prozent und mit vielen Überraschungen funktioniert wie im letzten Jahr in Braunschweig“, sagte der Leipziger.

          Das Duell der favorisierten Gastgeber mit dem Titelverteidiger blieb fast bis zum Schluss richtig spannend - erst mit dem Sieg des russischen Frauen-Quartetts über 4 x 400 Meter war die Entscheidung gefallen. Die zuletzt in viele Dopingskandale verwickelte „Sbornaja“ sicherte sich den vierten EM-Titel auch dank eines starken Endspurts.

          Auch ohne Diskus-Ass Robert Harting, der sich nach seinem Kreuzbandriss gerade wieder in Top-Form bringt, boten seine Teamkollegen zwei Monate vor den Weltmeisterschaften in Peking eine starke Vorstellung. Sonntagssiege feierten im Stadion Olimpijskij aber nur Kugelstoß-Europameisterin Christina Schwanitz vom LV 90 Erzgebirge und 3000-Meter-Mann Richard Ringer (Friedrichshafen). Am Ende reichten sechs Einzelsiege, fünf zweite und sechs dritte Plätze aber nicht, um den Coup von Braunschweig zu wiederholen.

          „Es geht Stück für Stück nach oben“

          Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe hätte seinen Dauerrivalen Renaud Lavillenie diesmal richtig ärgern können, weil der Franzose bei zwei Fehlversuchen anfangs schwächelte. Am Ende war die Sprung-Ordnung aber wieder hergestellt: Olympiasieger Lavillenie gewann mit 5,85 Metern, Holzdeppe sprang zwar genauso hoch, musste sich trotz Saisonbestleistung aber mit Rang zwei zufrieden geben. „Es geht Stück für Stück nach oben“, kommentierte der Modellathlet aus Zweibrücken, „ich bin im Endeffekt wunschlos glücklich und konnte mit elf Punkten dem Team gut helfen.“

          Nach vier Erfolgen bei Team-Europameisterschaften riss die Siegesserie von Teamkapitänin Betty Heidler. Die ehemalige Hammerwurf-Weltrekordlerin aus Frankfurt/Main haute im letzten Versuch zwar noch 75,73 Meter raus und lag urplötzlich vorn, doch die Polin Anita Wlodarczyk konterte nervenstark: 78,28 Meter. „Es macht mich stolz, diese Mannschaft zu vertreten. Wir sind in der Höhle des Löwen“, hatte Heidler schon vor dem Start gesagt.

          2014 gewannen die Deutschen vor Russland

          Dass die Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes zur Halbzeit nur fünf Punkte hinter Russland in Lauerstellung lag, war vor allem ihren wettkampferprobten Routiniers zu verdanken: Für Disziplinsiege sorgten am ersten Tag Kugelstoß-Recke David Storl (Leipzig), Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll (Offenburg), Stabhochspringerin Silke Spiegelburg (Leverkusen) und Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause (Frankfurt).

          Vor einem Jahr hatten sich die Deutschen in Braunschweig noch mit 11,5 Punkten vor Russland als Nummer 1 in Europa behauptet. Auch diesmal gab es Licht und Schatten: Doch Ausreißer wie Platz zwölf durch Hammerwerfer Paul Hützen (Leverkusen) konnten nicht kompensiert werden.

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