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Leichtathletik-Kommentar : Ärger über den Nachschlag

  • -Aktualisiert am

Von Platz fünf auf Rang zwei – nach dem Rennen: Denise Krebs Bild: Picture-Alliance

Immer öfter rücken Leichtathleten in den Ergebnislisten nach vorne, weil anderen nachträglich Doping nachgewiesen wird. Doch Freude kommt kaum auf über verspätete Medaillen. Im Gegenteil.

          Ein Drittel mehr Medaillen hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière jüngst in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von deutschen Spitzensportlern gefordert, um den Aufwand der Förderung zu rechtfertigen. Fragt sich nur, wann er den Moment der Abrechnung ansetzt. Denn Medaillenvergaben sind keineswegs mit der Siegerehrung abgeschlossen, wie man meinen sollte.

          Bei den Olympischen Spielen in London hatten deutsche Leichtathleten acht Medaillen gewonnen – das war immerhin ein achthundertprozentiger Zuwachs nach Peking 2008, als es nur zu einer einzigen Bronzeplakette gereicht hatte. Doch vielleicht gibt es ja noch einen Nachschlag. Dieser Tage treffen sich die Läufer, Werfer und Springer wieder in Peking zu ihren weltumspannenden Meisterschaften, doch es will keine rechte Vorfreude aufkommen.

          Doping-Verfehlungen der Vergangenheit werfen ein denkbar schlechtes Licht auf Gegenwart und Zukunft der olympischen Kernsportart. Rund ein Drittel der 1800 WM-Teilnehmer von 2011 sollen gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen haben – so das Resultat einer Erhebung von Wissenschaftlern nach anonymisierten Umfragen unter Spitzenathleten. Offiziell veröffentlicht wurden die Ergebnisse bislang nicht.

          Für die deutsche 1500-Meter-Läuferin Denise Krebs hatte es 2011 nicht für die WM-Qualifikation gereicht. Zu langsam für die Weltelite. Aber immerhin durfte sie im selben Jahr bei der Universiade starten. Sie kam als Fünfte ins Ziel. Zwei Jahre später wurde die Deutsche dafür mit Bronze belohnt, da zwei vor ihr plazierte Russinnen des Dopings überführt worden waren.

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          Die Mittelstreckenläuferin freute sich über die Medaille, obgleich sie sich des Glücksgefühls des Moments beraubt fühlte. Zwei weitere Jahre später rückt sie nun auf den Silberrang vor. Denn auch die Türkin Asli Çakir Alptekin, nicht nur Universiade-Meisterin 2011, sondern auch Olympiasiegerin 2012, war gedopt. Denise Krebs freute sich nun gar nicht mehr: „Es kotzt einen an.“

          Und sie ist nicht allein mit ihrem Frust. Marathonläuferin Irina Mikitenko hat jüngst den Chicago-Marathon 2009 gewonnen – am grünen Tisch. Die vor ihr plazierte Russin Lilia Schobuchowa war gedopt und deshalb disqualifiziert worden. Der Scheck über 500.000 Dollar Siegprämie steht freilich noch aus.

          Hammerwerfer Markus Esser hat zum Abschluss seiner Karriere im Sommer 2015 die Bronzemedaille von der EM 2006 nachgereicht bekommen. Der vor ihm plazierte Weißrusse war gedopt. Essers Silbermedaille von der WM 2005 – gleich zwei Konkurrenten sind nachträglich disqualifiziert worden – ist dagegen noch auf dem Postweg verschollen. Vielleicht sollte der Innenminister mal Druck machen.

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