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800-Meter-Läufer Nick Symmonds : „Es ist Zeit, die Macht des Verbandes zurückzuerobern“

  • -Aktualisiert am

WM-Silber unter dem Sternenbanner: 2013 in Moskau war die Welt von Nick Symmonds noch in Ordnung. Bild: Getty

Der amerikanische Leichtathletik-Verband nimmt Weltklasseläufer Nick Symmonds wegen seines Ausrüsters nicht mit zur WM. Der will sich das aber nicht gefallen lassen - und könnte damit bei allen Athleten für mehr Geld sorgen.

          Es war ein typisches Rennen, bei dem einer der alten Hasen der amerikanischen Leichtathletik sein ganzes Können ausspielte. Er ließ, wie so oft, andere das Tempo machen. Dann rollte er in der zweiten Runde das Feld von hinten auf und gewann. Der Erfolg im Juni in Eugene bestätigte die Ausnahmestellung von Nick Symmonds über 800 Meter. Er wurde mit einer Zeit von 1:44,53 Minuten zum sechsten Mal amerikanischer Meister. Vor allem weil er keine Furcht vor dem Spiel mit den Nerven der anderen hat. Und auch nicht vor dem Spiel mit den eigenen Reserven im Tank. Er genießt es jedes Mal, wenn sich – rund hundert Meter vor dem Ziel – diese Gewissheit einstellt, dass er noch zulegen kann. Er nennt das: „Ich habe es einfach in den Beinen.“ In den Beinen und Armen. Denn den Erfolg zelebrierte er meistens so: Indem er vor den Kameras den Bizeps anspannt, auf dem sich die temporäre Tätowierung mit dem Markenzeichen eines Sponsors befindet.

          Bald darauf meldete sich auch der Kopf. Denn mit dem Sieg hatte sich Symmonds zwar für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften qualifiziert, die am 22. August in Peking beginnen. Aber als der 31-Jährige kurze Zeit später im Hotel ankam, um sich um die Formalitäten für die Reise zu kümmern, wurde er mit einer Verpflichtungserklärung konfrontiert, in der ihm der amerikanische Verband eine ganze Reihe von Verhaltensmaßregeln auflistet. Dazu gehört auch, dass Mannschaftsmitglieder nicht nur beim Rennen und der Siegerehrung die offizielle Bekleidung der Ausrüsterfirma Nike tragen müssen, sondern auch bei offiziellen Terminen.

          Bei den Profis bleibt nicht viel von den Einnahmen hängen

          Symmonds, der seit zwei Jahren einen Vertrag mit dem amerikanischen Sportschuhhersteller Brooks hat, lehnte ab, wie er es auch schon vor der Hallen-WM 2014 getan hatte. Damals durfte er starten, aber diesmal fing er sich sofort eine herrische Bemerkung eines Funktionärs ein: „Junge, wenn du das nicht unterschreibst, gehst du nicht nach Peking.“ „Dann versuche, mich aufzuhalten“, entgegnete der Mann aus Idaho, der vor zwei Jahren bei der WM in Moskau Silber gewonnen hatte und wohl nicht glauben wollte, wie ernst es dem Verband ist. Am Montag allerdings teilte US Track and Field (USATF) seinem Medaillenaspiranten offiziell mit, dass er zu Hause bleiben wird.

          Die Organisation riskiert mit ihrer knallharten Linie einen Rechtsstreit nach dem Muster der Collegesportler, die auf der Basis des Wettbewerbsrechts vor einiger Zeit Amerikas Universitätenaufsicht erfolgreich verklagten und nun Honorare kassieren werden. Auch Symmonds hat keine schlechten Argumente. Einige packte er in einer ausführlichen Erklärung auf der amerikanischen Website der „Huffington Post“ Stunden später aus. Dazu gehört die weithin unbekannte Erkenntnis, die auf einer Untersuchung des Wirtschaftswissenschaftlers Andrew Zimbalist fußt.

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          Der Professor vom Smith College in Northampton, Massachusetts, angesehener Experte im Sportbusiness und Autor des vor kurzem erschienenen Buches „Circus Maximus“, hatte ermittelt, dass bei den Spitzenleichtathleten Amerikas jedes Jahr nur acht Prozent der Gesamteinnahmen des Verbandes ankommen. Die belaufen sich 2015 auf etwas mehr als 40 Millionen Dollar. Ein Anteil, den Symmonds als „beleidigend niedrig“ bezeichnete. Er wirft dem Verband vor, die patriotischen Gefühle der Athleten quasi auszubeuten.

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