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1500-Meter-Läuferin : Dibaba bricht 22 Jahre alten Weltrekord

  • Aktualisiert am

Sie kann es nicht fassen: Genzebe Dibaba nach ihrem Weltrekordlauf Bild: AFP

Beim Diamond League Meeting in Monaco läuft die Äthiopierin Genzebe die schnellste Zeit über 1500 Meter überhaupt. Als nächstes will sie eine magische Marke unterbieten.

          Mit ihrem Weltrekord über 1500 Meter hat Genzebe Dibaba beim Diamond-League-Meeting der Leichtathleten in Monaco das Glanzlicht gesetzt: Die 24 Jahre alte Äthiopierin stürmte am Freitagabend nach 3:50,07 Minuten ins Ziel und blieb damit 39 Hundertstelsekunden unter der immerhin schon 22 Jahre alten Top-Zeit der Chinesin Qu Yunxia. Dibaba krönte damit eine Gala der Weltklasseleistungen im Stade Louis II. „Ich bin so glücklich, die Zeit ist so schnell. Ich freue mich über diesen Rekord“, sagte Dibaba, die nun endgültig aus dem Schatten ihrer älteren Schwestern Tirunesh und Ejegayehu tritt.

          „Ich glaube, Tirunesh wird glücklich sein, ganz Äthiopien wird glücklich sein“, sagte Genzebe Dibaba nach ihrem Sturmlauf. „Ich bin die erste 1500-Meter-Weltrekordlerin aus Äthiopien - das ist erstaunlich.“ An Selbstvertrauen mangelt es der Afrikanerin jedenfalls nicht. „Ich wusste von Anfang an, dass ich den Weltrekord brechen kann“, sagte sie, „und ich bin in der Lage, mich noch zu verbessern. Vielleicht unter 3:50.“

          Aus dem Schatten der Schwester

          Die zweimalige Hallen-Weltmeisterin über 1500 (2012) und 3000 Meter (2014) ist nun die Gold-Favoritin bei der Leichtathletik-WM Ende August in Peking. Dort will sie die 1500 und die 5000 Meter laufen. Ihr großes Talent hat Genzebe Dibaba mit mehreren Hallen-Weltrekorden längst bewiesen. Neun Tage vor Monaco rannte sie in Barcelona schon Afrika-Rekord - die 3:54,11 waren aber noch weit weg vom Weltrekord. Doch nun steigerte sie sich in Monaco um gut vier Sekunden. In diesem Jahrtausend war zuvor noch keine Läuferin unter 3:55 geblieben.

          Doch mit der sechs Jahre älteren Tirunesh kann sich Genzebe (noch) nicht messen: Ihre Schwester war dreimal Olympiasiegerin und holte bei internationalen Meisterschaften Gold im Dutzend. „Die Tempomacherin hat einen hervorragenden Job gemacht“, lobte Genzebe Dibaba nach dem Lauf der Superlative. Die zweitplatzierte Sifan Hassan stellte in 3:56,05 Minuten einen niederländischen Rekord auf, hinter ihr stürmte die Amerikanerin Shannon Rowbury in 3:56,29 zum Nordamerika-Rekord. Drei weitere Läuferinnen blieben unter der Vier-Minuten-Marke.

          Neuer Rekord nach 22 Jahren: Genzebe Dibaba darf stolz auf sich sein

          Die Chinesin Qu Yunxia gehörte in den 90er Jahren zur Armee des berüchtigten Trainers Ma Junren, der einst das „Geheimnis“ seiner schnellen Truppe verraten hatte: Schildkrötenblut. Doping stritt er stets ab. Dabei gehörten sechs seiner Schützlinge zu den insgesamt 27 Athleten, die von den Chinesen kurz vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney aus dem Verkehr gezogen wurden.

          Gut einen Monat vor der Leichtathletik-WM schickte auch der amerikanische Kugelstoßer Joe Kovacs seinem deutschen Dauerrivalen David Storl ein Warnsignal. Der 26-Jährige trumpfte mit der Jahresweltbestleistung von 22,56 Metern groß auf und holte sich souverän den Sieg.

          Seit zwölf Jahren hat kein Konkurrent die 7,257 Kilo schwere Stahlkugel weiter gewuchtet. Kovacs schob sich mit seinem Kraftakt im zweiten Durchgang auf Platz acht der „ewigen“ Weltbestenliste vor. „Es war ein großer Stoß, aber ich wusste, dass ich ihn drauf hatte“, sagte der Amerikaner. „Ich glaube, ich kann sogar noch weiter stoßen - und der Weltrekord ist gar nicht mehr so weit weg.“ Doch es sind immerhin noch 56 Zentimeter.

          Die Rekordmarke hält seit mehr als 25 Jahren der Amerikaner Randy Barnes (23,12 Meter). Im Diamond Race zog Kovacs mit nunmehr 14 Punkten mit Storl gleich. Der zweimalige Weltmeister aus Sachsen musste seinen Start in Monte Carlo wegen einer Blockade im Nackenbereich kurzfristig absagen. Auch die Plätze zwei und drei gingen im Stade Louis II. an die starken Amerikaner: Christian Cantwell (21,24) lag allerdings schon über einen Meter hinter Kovacs zurück; Dritter wurde Reese Hoffa (21,08).

          Justin Gatlin ist über 100 Meter derzeit das Maß aller Dinge

          Für ein weiteres Highlight auf den Laufstrecken sorgte der Kenianer Asbel Kiprop: Bei seinem 1500-Meter-Sieg in 3:26,69 Minuten blieb der Olympiasieger und Weltmeister nur 69 Hundertstelsekunden über dem 17 Jahre alten Weltrekord des Marokkaners Hicham El-Guerrouj. Kiprop ist nun die Nummer drei der Weltbestenliste - hinter El-Guerrouj (3:26,00) und seinem früheren Landsmann Bernard Lagat (USA/3:26,34). „Ich gebe zu, dass ich noch ein bisschen schneller sein wollte“, sagte er.  

          Auch Sprinter Justin Gatlin ließ der Konkurrenz erneut keine Chance und baute seine phänomenale Siegesserie aus. Der 33 Jahre alte Amerikaner gewann die 100 Meter in glänzenden 9,78 Sekunden und blieb damit auch im 18. Finale in Serie ungeschlagen. Seine bis dato letzte Niederlage fügte ihm Jamaikas Olympiasieger Usain Bolt am 6. September 2013 in Brüssel zu. Zweiter beim Sprint-Showdown wurde Gatlins Landsmann Tyson Gay (9,97) vor dem Franzosen Jimmy Vicaut (10,03).

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