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Bekenntnis nach Salazar-Sperre : Klosterhalfen trotzt dem Skandal

Souverän ins Finale: Konstanze Klosterhalfen in Doha Bild: dpa

Die deutsche Läuferin Konstanze Klosterhalfen will auch weiterhin im Nike Oregon Projekt bleiben – und zeigt sich bei der Leichtathletik-WM in Doha völlig unbeeindruckt von den aktuellen Entwicklungen. Derweil steht eine weitere Untersuchung an.

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          Konstanze Klosterhalfen hat bei der Weltmeisterschaft in Doha ein Bekenntnis zum Nike Oregon Project gegeben, dessen Kopf Alberto Salazar am Dienstag für vier Jahre vom Sport ausgeschlossen wurde, weil er „verbotenes Doping-Verhalten orchestriert und gefördert“ habe. „Ich freue mich jetzt schon drauf, nach der Saisonpause wieder hin zu gehen und weiter dort zu trainieren“, sagte die 22 Jahre alte Läuferin, die als Jahrhunderttalent gilt, nachdem sie sich souverän für den Endlauf über 5000 Meter am Samstag qualifiziert hatte. „Ich habe bisher das beste Jahr gehabt, ich bin total glücklich.“

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Im Herbst war sie aus Leverkusen in die Trainingsgruppe am Unternehmenssitz von Nike bei Portland (Oregon) gewechselt. Bereits seit mehr als einem Jahr führte damals die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada), ohne dass die Öffentlichkeit davon erfuhr, ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Salazar und einen Arzt des Teams, das zur Sperre der beiden in dieser Woche führte. Mo Farah indes, vier Mal Olympiasieger, sechs Mal Weltmeister und der erfolgreichste Sportler des Projekts, hatte sich zu Beginn des Verfahrens aus Amerika verabschiedet und war, angeblich aus familiären Gründen, in seine Heimatstadt London zurückgekehrt.

          Siege über die Gesundheit der Athleten

          Die Usada wirft Salazar und seinem Arzt Dr. Jeffrey Brown vor, beim Umgang mit Testosteron, L-Carnitin und Thyroxin Regeln verletzt, Ermittlungen manipuliert und generell Siege über die Gesundheit der ihm anvertrauten Athleten gestellt zu haben. Salazar hat angekündigt, das Urteil anzufechten. Bei der Weltmeisterschaft in Doha haben vom Nike Oregon Project die Niederländerin Sifan Hassan über 10.000 Meter und der Amerikaner Donovan Brazier über 800 Meter Goldmedaillen gewonnen.

          „Aus unserem Team betrifft das alle nicht“, behauptete Klosterhalfen. „Wir konnten damals noch gar nicht laufen.“ Der Vorsitzende von Usada, Travis Tygart, bestätigte unterdessen im ZDF, dass das Verfahren den Zeitraum von 2010 bis 2014 betreffe. „Die Athleten hatten wirklich keine Ahnung, was mit ihnen getrieben wurde, was ihnen gegeben wurde“, sagte er. „Welche Dosierung, ob die Methoden verboten waren oder nicht, wussten sie gar nicht.“

          Klosterhalfen beschrieb nach dem Vorlauf, dass sie versuche, Ablenkung vom Sport auszublenden und Medien zu meiden. „Wir konzentrieren uns hier darauf, unsere Leistung zu bringen und damit zu zeigen, wie hart wir trainieren“, sagte sie. „Andere beschäftigen sich damit mehr als wir selbst.“ Es sei klar, dass sich alle auf die negativen Nachrichten stürzten, fuhr sie fort. „Dies ist das beste Team der Welt, und es ist klar, dass sich dann auf solche News gestürzt wird.“  Sie wisse für sich selbst und alle in ihrem Umfeld, „was passiert und was nicht passiert“. Die amerikanische Läuferin Jenny Simpson kommentierte den Skandal um Salazar derweil mit drastischeren Worten: „Raus mit ihm. Das ist meine Reaktion“, sagte die Weltmeisterin über 1500 Meter von Daegue 2011. „Er hat betrogen, er ist gesperrt, und ich glaube an lebenslange Sperren.“

          Aus Amerika ist zu hören, das Salazars Assistent Pete Julian dessen Nachfolge antreten solle. Julian trainiert Klosterhalfen und den neuen Weltmeister Brazier. Hassan wird nach dem Ausschluss von Salazar in Doha vom niederländischen Cheftrainer Charles van Commenée betreut. Klosterhalfen hat seit ihrem Wechsel zum NOP sechs deutsche Rekorde aufgestellt, drei in der Halle, drei im Stadion.

          Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) will sich nach der WM gründlich mit den Vorgängen beim Oregon Project beschäftigen. „Es ist für uns wichtig, uns in die Unterlagen einzuarbeiten und die Positionen zu bewerten. Wir werden das im Nachhinein sehr intensiv gestalten und in den Austausch treten“, sagte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Doha. „Konstanze ist eine mündige Athletin, die klar formuliert hat, dass sie jegliche Form von Manipulation verurteilt und dass sie am Ende aber auch Verantwortung zeigt für Entscheidungen.“

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