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3000 Meter Hindernislauf : Eine Sache des Willens

Am Ziel: Gesa Felicitas Krause könnte nach ihrer Bronzemedaille die ganze Welt umarmen. Bild: EPA

Gesa Felicitas Krause holt über 3000 Meter Hindernis mit Bronze die erste Medaille für das deutsche Team bei der Leichtathletik-WM in Doha. Und doch geht ihr Blick längst Richtung Olympia.

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          Auf Gesa Felicitas Krause ist Verlass. Wie sie es sich vorgenommen, wie sie es praktisch versprochen hatte, gewann die Frankfurterin bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Doha am Montagabend über 3000 Meter Hindernis eine Medaille – die erste der deutschen Mannschaft an Tag vier. „Der Wille entscheidet“, habe ihr Freund ihr vor dem Rennen gesagt, erzählte sie hinterher, und ihr eiserner Wille war es, mit dem sie sich an eine Gruppe kettete, die praktisch von der ersten der siebeneinhalb Runden weg verzweifelt versuchte, die überlegene Kenianerin Beatrice Chepkoech zu verfolgen, die mit einem staunend machenden Solo in 8:57,84 Minuten Weltmeisterin wurde. Erst im Ziel ließ Gesa Krause locker, umarmte die Siegerin und ließ sich auf die Bahn sinken.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Viele Läuferinnen übernahmen sich bei der Verfolgung der angriffslustigen Kenianerin, während die 27 Jahre alte Europameisterin von Amsterdam 2016 und Berlin 2018 und Weltmeisterschaftsdritte von Peking 2015 dank ihrer hervorragenden Sprungtechnik am Wassergraben immer wieder aufschloss. Auf der letzten Runde stürmte sie von Platz sechs auf Platz drei und unterbot, wie sie es prognostiziert hatte, den deutschen Rekord – um reichlich vier Sekunden. Er steht nun bei 9:03,30 Minuten; nur eine einzige europäische Läuferin war je schneller. Erst bei den deutschen Meisterschaften im Sommer in Berlin hatte Gesa Krause die Bestmarke zuletzt verbessert. Nur die neue Weltmeisterin Chepkoech und die alte, Emma Coburn aus den Vereinigten Staaten (9:02,35), waren schließlich vor ihr.

          „Dies ist die Arbeit der letzten zehn Jahre“, sagte ihr Trainer Wolfgang Heinig auf der Tribüne im Fernsehen – und machte deutlich, dass mit diesem Erfolg noch nichts gewonnen ist. „Wir sind ja auf dem Weg nach Tokio, und das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Heinig, längst pensioniert und mit seiner Läuferin auf dem Weg zu einem letzten sportlichen Triumph, hatte Gesa Krause eingeschärft, dass das Rennen auf den letzten achthundert Metern entschieden werde und sie deshalb ihre Kraft nicht zu früh verpulvern dürfe.

          Nach der WM ist vor Olympia

          Gleichwohl: „Der erste Kilometer war eine Herausforderung“, stellte Gesa Krause hinterher fest – die Attacke der Kenianerin riss das Feld auseinander. Doch so wie ihre Technik beim Sprung über die massiven Hürden im Laufe des Rennens immer besser wurde, wuchsen ihre Ruhe und Zuversicht, tatsächlich die Entscheidung auf der letzten Runde erzwingen zu können. „Manchmal muss man einen Schalter umlegen“, sagte sie über die Kopfarbeit auf der Bahn. Dass sie noch dazu als erste deutsche Leichtathletin dieser WM eine Medaille gewann, mache sie Stolz und erfülle sie mit Glück – auch für Heinig. „Dies ist nicht nur ein Erfolg für mich, sondern auch für ihn“, sagte sie. „Wir sind ein cooles Team, und ich freue mich, dass wir das so auf die Beine gestellt haben.“

          3000-Meter-Hürdenlauf in Doha: Felicitas Krause (Zweite von rechts) schafft es auf Rang Drei.

          Praktisch andauernd sind die beiden im Training, reisen von Höhentrainingslager zu Höhentrainingslager in die Schweiz, nach Kenia, in die Rocky Mountains und nach Südafrika. Seit Herbst vergangenen Jahres hat Gesa Krause an keinem einzigen Tag die Beine hochgelegt. Alles was sie tut, haben sie und Heinig auf den Gewinn einer Medaille bei den Olympischen Sommerspielen im nächsten Jahr ausgerichtet. Nach Doha wird sich Gesa Krause vierzehn Tage Urlaub gönnen, mit ihrem Freund in Griechenland, dann geht es weiter mit der Olympia-Vorbereitung – als die auch diese Weltmeisterschaft verstanden werden kann. „Es war eine Willensleistung. Ich kann es nicht in Worte fassen“, sagte sie im deutschen Fernsehen. „Ich habe davon geträumt, ich wollte es unbedingt.“

          Für beste Stimmung, zumindest die beste der ersten vier Tage bei dieser unterkühlten Weltmeisterschaft in der Wüste, sorgten in der auch am Montag nicht vollständig besetzten Arena vor allem die Äthiopier. Weltmeister Muktar Edris, der vor zwei Jahren in London Lokalmatador Mo Farah besiegt hatte, setzte sich diesmal in 12:58,85 Minuten gegen seinen Kronprinzen durch, den U18- und U20-Weltmeister Selemon Barega, der ihm bis in Ziel auf den Fersen blieb (12:59,70). Hunderte von Äthiopischen Fans bejubelten ihre Läufer. Auf Platz drei lief der Kanadier Mohammed Ahmed (13:01,11). Die Ingebrigtsen-Brüder aus Norwegen liefen ein couragiertes Rennen; Jakob mischte lange in der Spitze mit und stürzte als Fünfter ins Ziel (13:02,93), Filip musste aufgeben, und Henrik war schon auf den ersten Metern abgehängt und trabte als 13. ins Ziel (13:36,25).

          Wierig wird WM-Achter – Stahl neuer Weltmeister

          Diskuswerfer Martin Wierig hat die Leichtathletik-WM in Doha als Achter beendet. Der 32 Jahre alte Magdeburger warf am Montag im Finale 64,98 Meter weit. Neuer Weltmeister wurde der Schwede Daniel Stahl mit 67,59 Meter vor Fedrick Dacres aus Jamaika, der 66,94 Meter weit warf. Der Österreicher Lukas Weisshaidinger wurde mit 66,82 Meter Dritter. Es ist die erste Männer-Medaille für sein Land in der WM-Geschichte. Olympiasieger Christoph Harting spielte bei der Medaillenvergabe keine Rolle. Der Berliner war in der Qualifikation gescheitert. Auch David Wrobel aus Magdeburg schaffte den Einzug in den Endkampf nicht. Für den deutsche Meister Wierig war es die fünfte WM. Seine bisher besten internationalen Ergebnisse waren Platz vier bei der WM 2013 und Rang sechs bei Olympia 2012.

          Die unter neutraler Flagge startende Russin Marija Lasizkene ist zum dritten Mal in Serie Weltmeisterin im Hochsprung geworden. Im Finale gewann sie mit 2,04 Meter vor Jaroslawa Mahutschich aus der Ukraine, die ebenfalls die Höhe mit mehr Fehlversuchen meisterte. WM-Bronze gewann die Amerikanerin Vashti Cunningham mit 2,00 Meter. Die zweimalige deutschen Hallen-Meisterin Imke Onnen aus Hannover erreichte mit 1,89 Meter den 9. Platz. Wegen einer Verletzung musste die EM-Dritte Marie-Laurence Jungfleisch aus Freiburg die WM absagen.

          Der Norweger Karsten Warholm hat seinen Weltmeistertitel über 400 Meter Hürden erfolgreich verteidigt. Im Finale siegte er in 47,42 Sekunden vor dem Amerikaner Rai Benjamin, der 47,66 Sekunden bis ins Ziel benötigte. Auf den dritten Rang lief Abderrahman Samba vom WM-Gastgeber Qatar in 48,03 Sekunden. Der deutsche WM-Debütant Luke Campbell (Frankfurt/Main) war bis ins Halbfinale gekommen. Constantin Preis (Sindelfingen) schied im Vorlauf aus. (dpa)

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