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Frühere Kugelstoßerin Kleinert : „Dann ist die Leichtathletik in zehn Jahren tot“

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Nadine Kleinert, hier 2008 in Peking, weiß, wie Olympia geht. Bild: Picture-Alliance

Früher stieß Nadine Kleinert Vier-Kilo-Kugeln und sammelte Medaillen. Heute trägt die 43-Jährige in Thüringen Pakete aus. Mit der Leichtathletik geht die Olympia-Zweite von 2004 hart ins Gericht.

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          Mangelnde Attraktivität für Teenager, kaum noch TV-Präsenz, frustrierte Trainer und die oft fehlende finanzielle Absicherung der Athleten: Die frühere Weltklasse-Kugelstoßerin Nadine Kleinert gibt der olympischen Kernsportart keine große Zukunft. „Wenn es so weitergeht, dann ist die Leichtathletik in zehn Jahren tot – und den DLV gibt's nicht mehr“, sagte die Olympia-Zweite von 2004 in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

          Die ehemalige Magdeburgerin hat ihre erfolgreiche Karriere nach 25 Jahren Leistungssport Mitte September 2013 beendet. Sie lebt seit drei Jahren im Kyffhäuserkreis in Thüringen und arbeitet dort als Paketzustellerin. „Ich bin ja an schwere Gewichte gewöhnt“, sagt Kleinert lachend, „und ein Paket wiegt bis zu 31,5 Kilo“. Rekord waren vor Weihnachten „knapp über 200 Pakete in acht Stunden“.

          „Das ist nicht mehr meine Leichtathletik“

          Doch mit ihrer Sportart geht die Europameisterin von 2012 hart ins Gericht: „Es ist nicht mehr meine Leichtathletik!“ Und: „Die Zuschauer gehen doch lieber zu einem Fußballspiel der F-Jugend als zur Leichtathletik.“ Zudem werde es immer schwerer, Nachwuchs zu finden.

          Leistungssport, Schule, Studium, Arbeit – dies sei heute für viele Athleten eine Schicksalsfrage. „Und auf dem freien Markt heute mit über 30 noch einmal einen Beruf lernen? Dann ist man 34, 35, bis man fertig ist“, erklärt Kleinert, die selbst erst mit 37 Jahren aufgehört hat. „Wer nimmt einen dann noch? Es ist wirklich so hart. Ich hab's am eigenen Leib erfahren.“

          Ihre Medaillen hat sie noch immer: Nadine Kleinert, hier 2019
          Ihre Medaillen hat sie noch immer: Nadine Kleinert, hier 2019 : Bild: Picture-Alliance

          Nach ihrer erfolgreichen Karriere mit der Vier-Kilo-Kugel hatte die dreimalige WM-Zweite zunächst als Trainerin gearbeitet. Bei ihrem früheren Verein SC Magdeburg sei sie „als Übungsleiter abgestempelt“ worden, für 200 Euro netto im Monat. „Wer will's denn heute noch für'n Appel und 'n Ei machen? Sich von acht Uhr früh bis abends 20 Uhr in die Halle stellen und ein paar aufmüpfige Teenager trainieren, die auf nichts Bock haben?“

          Rund ein dutzendmal wurde die heute 43-Jährige nach Dopingfällen ihrer Konkurrentinnen nachträglich hochgestuft; sie führte eine Liste, „wo das Gröbste draufsteht. Aber ich hab' aufgehört zu zählen.“ Gerade habe sie die Information bekommen, dass sie wieder mal eine Plakette nachgereicht bekommt: Silber statt Bronze von der WM 2007 in Osaka. „Zwölf Jahre später!“ Der Weltverband IAAF habe sie zur WM nach Doha eingeladen, die am 27. September startet. „Das ist eine Geste, ja, aber 'tschuldigung: Die arbeitende Bevölkerung hat keine Zeit.“

          Olympia-Silber von Athen 2004 bekam Kleinert ebenfalls nachgereicht, weil die Siegerin Irina Korschanenko auis Russland wenige Tage nach dem Wettkampf im antiken Olympia des Dopings überführt wurde. Bronze bei der Hallen-WM 2010 in Doha hat sie erst neun Jahre später in der Hand. Sie meint mit Galgenhumor: „Die letzte Medaille werde ich wahrscheinlich mit dem Rollator abholen.“

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