https://www.faz.net/-gtl-9rnhn

Leichtathletik-WM : Mit der Daunenjacke in Doha

  • Aktualisiert am

„Hat mal jemand ’ne Jacke?“ Gesa Felicitas Krause Bild: EPA

Erste Erfahrungen bei der Leichtathletik-WM in Qatar: „Es ist sehr kalt“, zumindest im Callroom. Gesa Krause fragt erst mal nach einer Decke. Wie Imke Onnen und Lisa Ryzih erreicht sie aber ihr Finale.

          3 Min.

          Mal kalt, mal heiß: Die 800-Meter-Läuferinnen Christina Hering und Katharina Trost haben zum Auftakt der Wüsten-WM in Doha als erste deutsche Leichtathleten die schwierigen Bedingungen erlebt. „Im Callroom war es sehr kalt, ich hätte nicht gedacht, dass es so kalt ist“, sagte Trost an diesem Freitag. Die 24-Jährige erreichte im Gegensatz zu ihrer Kollegin von der LG Stadtwerke München das Halbfinale am Samstag. 35 Grad draußen, 24 im gekühlten Stadion und teilweise unter 20 in den temperierten Räumen des Khalifa-Stadions - das ist die Realität für die Sportler in Qatars Hauptstadt.

          „Hat jemand eine Decke? Oder eine Jacke?“, fragte Gesa Krause nach ihrem Vorlauf über 3000 Meter Hindernis. In der Interview-Zone blies überall die künstlich kalte Luft. Bei 24 Grad hatte Krause zuvor erfolgreich ihr Rennen bestritten. „Für die Läufer ist es im Stadion sehr angenehm - im Vergleich zu draußen. Es gab einen leichten Wind, das macht es etwas natürlicher“, sagte die 27-Jährige zu der klimatisierten Arena. Den 40 Grad im Freien ist sie tunlichst aus dem Weg gegangen. Krause war erst am Tag vor dem WM-Start aus dem Trainingslager in Südafrika angereist.

          In ihrem Vorlauf rannte sie von Anfang an an der Spitze mit, um einen der drei ersten Plätze zu ergattern, die den direkten Einzug ins Finale am Montag garantierten. Die Europameisterin kam als Dritte nach 9:18,82 Minuten ins Ziel. „Ich bin guten Mutes fürs Finale. Ich denke, es wird sehr schnell“, sagte Krause mit Blick auf die Weltbestenliste, wo ein halbes Dutzend Läuferinnen besser da steht als die Deutsche. Doch die Frankfurterin hat schon vor vier Jahren bewiesen, dass sie vorne mitmische kann, 2015 hatte sie WM-Bronze gewonnen. Topfavoritinnen sind Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech und Hyvin Kiyeng aus Kenia.

          Und nach dem Rennen in die Eistonne: Katharina Trost

          Hochspringerin Imke Onnen bewies Nervenstärke und übersprang in der Qualifikation im ersten Versuch die geforderten 1,94 Meter. Damit hat die 25-Jährige das Finale am Montag (19.30 Uhr MESZ) erreicht. Die deutsche Meisterin und EM-Dritte Marie-Laurence Jungfleisch hatte ihrer Saison wegen Achillessehnenproblemen abgebrochen.

          Auch Stabhochspringerin Lisa Ryzih hat den Einzug ins Finale geschafft. Die EM-Zweite von 2016 übersprang in der Qualifikation 4,60 Meter. „Ich war heute sehr stabil, es waren gute Sprünge. Das war eigentlich mein bester Wettkampf in dieser Saison, aber so soll es ja auch sein“, sagte Ryzih: „Jetzt geht für alle wieder alles von vorne los.“ Der Endkampf um die Medaillen wird am Sonntag ausgetragen. Katharina Bauer scheiterte dagegen dreimal an der Anfangshöhe von 4,20 Metern und schied aus. Die 29-Jährige vom TSV Bayer Leverkusen ist die erste Stabhochspringerin, die mit einen Defibrillator bei einer Weltmeisterschaft an den Start ging. Seit ihrer Kindheit leidet sie an Extraherzschlägen. 

          Coleman und Gatlin ohne Probleme

          Topfavorit Christian Coleman und Titelverteidiger Justin Gatlin sind schon mal ins Halbfinale (Samstag, 17.45 Uhr MESZ) gelaufen. Boy Coleman, mit 9,81 Sekunden der Schnellste in diesem Jahr, gewann seinen Vorlauf in 9,98 Sekunden und rannte die schnellste Zeit des Feldes. Oldie Gatlin legte 10,06 Sekunden hin. Der ultimative Showdown im Kampf um Gold steigt am Samstag um 21.15 Uhr MESZ. Weltrekordler Usain Bolt hatte seine Karriere nach der WM vor zwei Jahren beendet. Ein deutscher Sprinter war in Doha nicht am Start.

          Coleman hatte vor der WM wegen drei verpasster Dopingtests innerhalb eines Jahres für Schlagzeilen gesorgt. Aus formalen Gründen entging er jedoch einer Sperre. Coleman beteuerte seine Unschuld: Zweimal habe er es versäumt, seine Meldedaten zu aktualisieren, einmal sei der Anruf der Kontrolleurin ausgeblieben.

          Bilderstrecke

          Richard Ringer und Sam Parsons sind über 5000 Meter ausgeschieden. Ringer wurde nach 13:49,20 Minuten lediglich 16. seines Vorlaufs, Parsons landete in 13:38,53 Minuten auf Rang 13. Beide Läufer blieben damit deutlich über ihren Saisonbestleistungen. „Es war ziemlich, ziemlich schwer. Meine Beine waren heute nicht da“, sagte Parsons in der ARD.

          „Im Stadion war es ganz angenehm“, sagte Trost über die vieldiskutierten Bedingungen im Stadion. Hering ergänzte: „Es war etwas windig.“ Im Callroom, wo sich die Sportler direkt vor ihrem Wettkampf versammeln, habe sie sich aber auch eine Daunenjacke übergezogen. Die achtmalige deutsche Meisterin rätselte aber am Ende über ihre schwache Zeit von 2:03,15 Minuten und ihr Ausscheiden als Vierte ihres Vorlaufs. Trost überzeugte dagegen bei ihrer WM-Premiere als Zweite ihres Vorlaufs in 2:01,45 Minuten, womit sie den Einzug ins Halbfinale am Samstag (18.15 Uhr MESZ) schaffte. Wie sie sich nun erholt? „Werde erstmal in die Eistonne gehen, damit die Beine locker werden.“

          Titelverteidigerin Caster Semenya aus Südafrika ist in Doha nicht am Start – wegen einer von der IAAF neu eingeführten Testosteron-Regel. Diese fordert von Athletinnen mit intersexuellen Anlagen, dass sie ihren Testosteron-Wert mit Medikamenten unter einen bestimmten Wert senken, um über Strecken von 400 m bis zu einer Meile international starten zu dürfen. Die WM-Zweite Francine Niyonsaba (Burundi) ist von dieser Regelung ebenfalls betroffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.