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70+1 Leichtathleten für Doha : Christoph Harting doch dabei

  • Aktualisiert am

Der Querkopf darf doch mit nach Doha: Diskus-Olympiasieger Christoph Harting Bild: dpa

Zu den 71 deutschen Startern bei der Leichtathletik-WM in Doha gehört auch Diskus-Olympiasieger Christoph Harting, obwohl er zuletzt eher durch Lustlosigkeit als durch Leistung auffiel.

          2 Min.

          Trotz seines umstrittenen Verhaltens ist Diskus-Olympiasieger Christoph Harting doch noch für die Weltmeisterschaften vom 27. September bis 6. Oktober in Doha/Qatar nominiert worden. Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) an diesem Montag bekanntgab, gehört der 29-jährige Berliner zu den 71 Startern bei der WM in der Wüste. Der DLV hatte bereits Anfang August ein Teilaufgebot von 46 Athleten für das WM-Aufgebot ausgewählt, bei dem Harting trotz Normerfüllung (66,01 Meter) nicht berücksichtigt worden war.

          Der 29-Jährige hatte sich zuletzt weniger durch sportliche Leistungen als durch despektierliche Äußerungen über den DLV und seine Konkurrenten bemerkbar gemacht. So bezeichnete er die deutschen Meisterschaften als „letzten Erpressungsversuch der deutschen Leichtathletik“ und es gebe „wenig Unbedeutenderes“ als den deutschen Meistertitel. Bei der DM im Berliner Olympiastadion lieferte er dann einmal mehr drei ungültige Versuche ab. Beim Istaf an gleicher Stelle im September erreichte er nur den neunten und letzten Rang.

          Schon seit seinem Goldcoup in Rio vor drei Jahren sucht der jüngere Harting nach seiner Form. Für die WM 2017 konnte er sich nicht mal qualifizieren, bei der Heim-EM 2018 leistete er sich in der Qualifikation drei ungültige Versuche und schied aus. In der laufenden Saison hatte er signalisiert, einen WM-Start („Einen Tag vorher anreisen, zwei Tage Wettkampf und am nächsten Tag auf Wiedersehen“) nicht besonders zu schätzen. In einem Gespräch mit DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska soll er sich jedoch einsichtig gezeigt haben.

          Die großen Medaillenhoffnungen in Qatar sind im deutschen Lager aber sowieso andere - allen voran die starken Speerwerfer: Weltmeister Johannes Vetter ist als Titelverteidiger mit einer Wildcard dabei, dazu kommen Olympiasieger Thomas Röhler, der deutsche Meister Andreas Hofmann und Julian Weber. Der eigentlich nominierte, aber formschwache Bernhard Seifert verzichtete zugunsten Webers auf seinen Startplatz.

          „Wir werden in Doha ein gut vorbereitetes deutsches Team sehen“, sagte DLV-Cheftrainer Alexander Stolpe. Große Hoffnungen setzt der Verband vor allem auf Weitsprung-Europameisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz), die mit einer Serie von Sieben-Meter-Sprüngen als Nummer eins der Weltrangliste eine Goldmedaillenanwärterin bei der WM ist. Über 100 Meter hatte die 25-Jährige ebenfalls die WM-Norm geschafft. In Qatar wird sie sich aber auf ihre Spezialdisziplin konzentrieren.

          Derzeit die Weltbeste in ihrem Fach: Weitspringerin Malaika Mihambo

          Zu den Hoffnungsträgern zählt zudem Konstanze Klosterhalfen, die zuletzt mit einer Serie von drei deutschen Freiluft-Rekorden in die Weltklasse aufgestiegen ist. Die 22-jährige Leverkusenerin befindet sich sowohl über 1500 Meter als auch über 5000 im Aufgebot. Nicht chancenlos sollte auch Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause ins rennen gehen. Kandidaten auf Edelmetall sind die Mehrkämpfer Kai Kazmirek und Niklas Kaul sowie die WM-Zweite Carolin Schäfer.

          Der DLV hat auch aber auch eine Reihe Ausfälle von prominenten Athleten zu beklagen. So sagten der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl sowie Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz und Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch für die WM ab. Passen mussten auch Hürdensprinter Gregor Traber sowie die beiden Dreispringer Max Heß und Kristin Gierisch. Im Zehnkampf fehlen der WM-Zweite Rico Freimuth und Europameister Arthur Abele.

          Eine besondere Herausforderung wird für die deutschen Athleten in Qatar die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit werden. Dies betrifft vor allem die Ausdauerathleten, deren Marathon- und Geher-Wettkämpfe erst gegen Mitternacht gestartet werden. Das Khalifa-Stadion wird hingegen klimatisiert sein. „Viele der Erfahrungen werden extrem wertvoll sein für die Olympischen Spiele 2020, die in Tokio unter ähnlichen Bedingungen stattfinden werde“, sagte DLV-Generaldirektor Gonschinska. Bei der WM vor zwei Jahren in London hatten die deutschen Leichtathleten fünfmal Edelmetall gewonnen (einmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze).

          Das deutsche WM-Team für Doha 2019:

          FRAUEN:
          100 Meter: Lisa-Marie Kwayie (Neuköllner SF), Gina Lückenkemper (SCC Berlin), Tatjana Pinto (LC Paderborn)
          200 Meter: Lisa-Marie Kwayie (Neuköllner SF), Tatjana Pinto (LC Paderborn), Jessica-Bianca Wessolly (MTG Mannheim)
          4x100 Meter: Yasmin Kwadwo (TSV Bayer 04 Leverkusen), Lisa-Marie Kwayie (Neuköllner SF), Gina Lückenkemper (SCC Berlin), Jennifer Montag (TSV Bayer 04 Leverkusen), Lisa Nippgen (MTG Mannheim), Tatjana Pinto (LC Paderborn)
          800 Meter: Christina Hering (LG Stadtwerke München), Katharina Trost (LG Stadtwerke München)
          1.500 Meter: Caterina Granz (LG Nord Berlin), Hanna Klein (SG Schorndorf 1846), Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen)
          5.000 Meter: Hanna Klein (SG Schorndorf 1846), Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen), Alina Reh (SSV Ulm 1846)
          10.000 Meter: Alina Reh (SSV Ulm 1846)
          100 Meter Hürden: Cindy Roleder (SV Halle)
          400 Meter Hürden: Carolina Krafzik (VfL Sindelfingen)
          3.000 Meter Hindernis: Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier e.V.)
          20 Kilometer Gehen: Saskia Feige (SC Potsdam)
          Hochsprung: Imke Onnen (Hannover 96)
          Stabhochsprung: Katharina Bauer (TSV Bayer 04 Leverkusen), Lisa Ryzih (ABC Ludwigshafen)
          Weitsprung: Malaika Mihambo (LG Kurpfalz)
          Dreisprung: Neele Eckhardt (LG Göttingen)
          Kugelstoßen: Sara Gambetta (SV Halle), Alina Kenzel (VfL Waiblingen), Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge)
          Diskuswurf: Nadine Müller (SV Halle), Kristin Pudenz (SC Potsdam), Claudine Vita (SC Neubrandenburg)
          Speerwurf: Annika Marie Fuchs (SC Potsdam), Christin Hussong (LAZ Zweibrücken)
          Siebenkampf: Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt)

          MÄNNER:
          4x100 Meter: Patrick Domogala (MTG Mannheim), Joshua Hartmann (ASV Köln), Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar), Julian Reus (LAC Erfurt TopTeam), Roy Schmidt (SC DHfK Leipzig), Marvin Schulte (SC DHfK Leipzig)
          800 Meter: Marc Reuther (LG Eintracht Frankfurt)
          1.500 Meter: Amos Bartelsmeyer (LG Eintracht Frankfurt)
          5.000 Meter: Sam Parsons (LG Eintracht Frankfurt), Richard Ringer (LC Rehlingen)
          20 Kilometer Gehen: Nils Brembach (SC Potsdam), Christopher Linke (SC Potsdam), Hagen Pohle (SC Potsdam)
          50 Kilometer Gehen: Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden), Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie), Nathaniel Seiler (TV Bühlertal)
          400 Meter Hürden: Luke Campbell (LG Eintracht Frankfurt), Constantin Preis (VfL Sindelfingen)
          3.000 Meter Hindernis: Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898), Martin Grau (LAC Erfurt TopTeam)
          Hochsprung: Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen)
          Stabhochsprung: Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen), Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken), Bo Kanda Lita Baehre (TSV Bayer 04 Leverkusen)
          Diskuswurf: Christoph Harting (SCC Berlin), Martin Wierig (SC Magdeburg), David Wrobel (SC Magdeburg)
          Speerwurf: Andreas Hofmann (MTG Mannheim), Thomas Röhler (LC Jena), Johannes Vetter (Wildcard; LG Offenburg), Julian Weber (USC Mainz)
          Zehnkampf: Niklas Kaul (USC Mainz), Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied), Tim Nowak (SSV Ulm 1846)

          MIXED:
          4x400 Meter: Luna Bulmahn (VfL Eintracht Hannover), Karolina Pahlitzsch (SV Preußen Berlin), Nelly Schmidt (LT DSHS Köln), Tobias Lange (TSV Bayer 04 Leverkusen), Manuel Sanders (LG Olympia Dortmund), Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz)

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