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Leichtathletik-WM-Spezial : Der erste Schritt des Neuaufbaus ist gelungen

  • Aktualisiert am

Bild: FEM

Sieben Medaillen, Platz 3 in der Nationenwertung - ein Fazit der Leichtathletik-WM aus deutscher Sicht.

          3 Min.

          „Enttäuschungen und positive Überraschungen haben sich die Waage gehalten“, zog Leistungssportdirektor Rüdiger Nickel aus Sicht der deutschen Mannschaftsleitung ein ausgeglichenes sportliches Fazit der Leichtathletik-WM.

          Mit der Silbermedaille der 4 x 400 Meter-Staffel der Frauen am Schlusstag hat die deutsche Mannschaft insgesamt sieben Medaillen gewonnen (zwei Gold, vier Silber, eine Bronze). „Das Ergebnis ist kein Grund zur Euphorie, aber auch kein Grund zur Panik“, unterstrich Präsident Clemens Prokop im Gespräch mit FAZ.NET (siehe Interview), „die ausgesprochen junge Mannschaft hat gezeigt, dass sie Potential hat.“

          Niederlage an der Dopingfront

          Auf Funktionärssicht hat die deutsche Mannschaft eine Niederlage hinnehmen müssen. Das IAAF hat die neue Überprüfungskommission (Review Board) für die Anrufung des internationalen Sportgerichtshof (CAS) bei Doping-Streifällen mit IAAF-Präsident Lamine Diack, dem Amerikaner Robert Hersh und dem Spanier José Maria Odriozola besetzt.

          „Das ist ein Rückfall in die 80er Jahre, wo Dopingfälle nicht thematisiert, sondern verschleiert wurden und ist für ein Dopingbekämpfungssystem unwürdig“, kritisierte Prokop. Drei Männer die weder Juristen, noch Dopingfachleute sind. Der Experte Arne Ljungqvist gehört nicht dazu. Stattdessen ist Hersh dabei, als Vertreter eines Verbandes, „der auf die Verschleierung von Dopingfällen spezialisiert ist.“ Auf Betreiben des DLV war vor der WM die umstrittene Arbitration Panel abgeschafft worden. Das Review-Board sollte unabhängig vom IAAF-Council sein. „Der Wille des Kongresses ist konterkariert worden.“

          Experiment Edmonton sollte nicht wiederholt werden

          Den kanadischen Ausrichtern der WM stellte der Präsident ein gutes Zeugnis aus: „Die Organisation war perfekt, das Transportsystem auf höchsten, die Unterkunft auf hohem Niveau.“ Dennoch kritisierte er genau wie Generalsekretär Hensel die Entscheidung, die WM nach Edmonton zu geben: „Solche Experimente sollte man in Zukunft unterlassen.“

          „Das Herz der Leichtathletik schlägt in Europa. Durch die Zeitverschiebung haben wir unser Publikum nur sehr reduziert erreicht.“ Wegen der nicht zu übersehenden Längen im Zeitplan sollte das Programm zudem von zehn auf sieben bis maximal acht Wettkamptage gestraft werden.

          Platz 3 in der Nationenwertung

          Sportlich haben die Deutschen mit ihren sieben Medaillen das gewünschtes Ergebnis „zwischen Sydney und Sevilla“ (fünf bis zwölf) erzielt. In der Nationenwertung, in die alle Endkampfresultate eingehen (acht Punkte für Platz eins bis hin zu einem Punkt für Platz acht), hat das deutsche Team dank 24 Endkampfplatzierungen mit 105 Punkten den angestrebten dritten Platz erreicht.

          Vizepräsident Nickel unterstrich, dass Deutschland mit einer stark verjüngten Mannschaft an den Start gegangen sei, und das dieser Prozess im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2004 mit Zwischenziel EM 2002 in München auch notwendig war: „Die Integration jüngerer Athleten ist der richtige Weg. Der erste Schritt des Neuaufbaus ist gelungen“ Eine Taufe der Newcomer im Mannschaftshotel durch die altgedienten Athleten wie Lars Riedel verstärkte den Teamgeist.

          Acht persönliche Bestleistungen

          Dass viele Athleten in der Lage seien, sich auf den Punkt zu konzentrieren, bestätigte die Bilanz von acht persönlichen Bestleistungen und sieben Saisonbestleistungen. „Das ist mehr als in den vergangenen Jahren und zeigt, dass wir keine Athleten mit Hasenherzen nominiert haben.“ Einen deutschen Rekord hat allerdings nur die Geherin Melanie Seeger aufgestellt.

          Demgegenüber stehen 21 Erstrundenausfälle im 70 Athleten starken Team. Nickel erklärte dies mit der verstärkten Nominierung jüngerer Athleten. Grundsätzlich war er mit dem Auftreten der Jugend zufrieden. „Sie haben das Prädikat 'Junge Wilde' verdient.“ Das erneute Leergeld der Stabhochspringer zählte dagegen ebenso zu einer Enttäuschung wie das schwache Speerwerfen von Altmeister Peter Blank.

          So ist Sport

          Wir haben noch einige Athleten im Team, deren Leistungsanspruch uns nicht gefällt“, gab Nickel zu bedenken, ohne Namen zu nennen: „Sie setzen sich noch nicht selbstkritisch genug mit ihrer Leistung auseinander. Die meisten haben allerdings ein hohes Maß an Kritikfähigkeit.“

          Grundsätzlich solle man aber nicht vergessen, dass Prognosen im Sport unberechenbar seien: „Der Dienstag und der Mittwoch waren symptomatisch für eine WM mit Höhen und Tiefen. Am Dienstag sind wir mit großen Hoffnungen reingegangen, die sich nicht erfüllt haben. Am Mittwoch haben wir dann mehr erreicht, als wir uns vorstellen konnten. So ist Sport.“ Und das ist auch gut so, möchte man hinzufügen.

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