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Leichtathletik-WM : Nicht nur flink, sondern auch flott und frech

  • Aktualisiert am

Smarter Flieger: Danny Ecker Bild: dpa-Sportreport

Gepiercter Bauchnabel, Tattoos auf Schulter oder Rücken, Sonnenbrille im Haar. Die deutschen Leichtathleten wollen mit zeitgemäßem Auftreten junge Leute begeistern.

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          „Turbo-Tim“ Goebel, die schöne Sina Schielke, Höhenjäger Danny Ecker, Ausdauer-Ass Wolfram Müller und allen voran Olympiasieger Nils Schumann: Mit den „Jungen Wilden“ hofft der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nicht nur auf eine erfolgreiche Zukunft, sondern auch auf eine neue Generation, die sich gut vermarkten lässt.

          Nicht nur flink, sondern auch flott und frech heißt die Devise: gepiercter Bauchnabel, Tattoos auf Schulter oder Rücken, Sonnenbrille im Haar. „Ich glaube, dass sich die Leichtathletik Gedanken machen muss, wie man über Kult junge Leute begeistert“, räumt DLV-Leistungssportdirektor Frank Hensel ein.

          Love Parade in Spikes“

          Junger Wilder: Nils Schumann

          In den vergangenen Jahren holten vor allem die routinierten „Schwerathleten“ wie Lars Riedel oder Astrid Kumbernuss die Medaillen, da schreit längst kein „Bravo“-Leser mehr hurra. Das einstige Läufer- Idol Dieter Baumann kippte vom Sockel, nur Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler genießt unvermindert hohe Popularität bei Jung und Alt.

          Zu wenig für eine Sportart, die sich vor allem über Zahlen und Zeiten definiert, und immer mehr um öffentliche Aufmerksamkeit kämpfen muss. „Love Parade in Spikes“ betitelte kürzlich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ eine Story über die kessen Talente und riet dem Verband, „die neuen Hingucker zu pflegen. Mit ihnen könnte eine überfällige Imagekorrektur gelingen“.

          Der Markt ist da

          Ähnliches denkt Klaus Kärcher als Manager von 800-m-Star Schumann, aber er hat da seine Zweifel an der Umsetzung. „Das Konzept muss eigentlich schon seit zwei Jahren in der Schublade liegen. Dass es einen Generationswechsel geben muss, weiß man schon seit fünf Jahren“, kritisiert der Schwabe.

          Der Markt ist jedenfalls offen: Die EM 2002 findet in München statt und im Zuge einer möglichen deutschen Olympia-Bewerbung für 2012 will sich der DLV im nächsten Jahrzehnt als Veranstaltungs-Weltmeister beweisen.

          Im Junioren-Bereich führt der DLV

          Talente gibt es genügend, ob sie bei den Aktiven den Sprung in die Weltspitze schaffen, ist eine andere Frage: Bei der U 23-EM in Amsterdam führte die DLV-Mannschaft die Nationenwertung ebenso an wie bei der U 20-EM in Grosseto.

          Einer von der ganz schnellen Sorte ist Wolfram Müller. U23-Europameister über 1 500 m, deutscher Meister, Junioren-Europameister im Crosslauf - und seit ein paar Tagen auch Vater eines Sohnes. „Ich zweifle nie daran, dass ich gewinnen kann“, sagt der 20-Jährige aus Pirna, was aber nicht für die WM der „Erwachsenen“ in Edmonton gilt. Da peilt „das größte Talent seit Dieter Baumann“ (Bundestrainer Lothar Hirsch) erst einmal das Halbfinale an. „Die Jungen sind von sich überzeugt, die haben den Mut, von etwas Großem zu träumen. Das ist etwas ganz, ganz Wichtiges“, sagt Hensel.

          Typen locken Leute an

          Der DLV-Funktionär weiß, dass man Typen wie Schumann, Müller oder auch den smarten Sechs-Meter-Springer Danny Ecker (Leverkusen), Sohn von Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl braucht, „um die Leute ins Stadion zu locken“.

          Tim Goebel (100-m-Bestzeit 10,21 Sekunden) könnte den deutschen Sprint wieder salonfähig machen, auch wenn der deutsche Meister und Vize-Junioren-Europameister natürlich kein neuer Maurice Greene wird. „Ich merke schon, dass hohe Erwartungen an mich gestellt werden. Aber schließlich bin ich erst 19 Jahre alt“, sagt der Kölner vor seinem WM-Debüt.

          Individualismus durch Äußerlichkeiten betonen

          Sein weibliches Pendant Sina Schielke (20) wird in Edmonton zwar fehlen. Die vom Vermarktungsprofi Werner Köster betreute Studentin der Wirtschaftswissenschaften war in den letzten Wochen jedoch das Covergirl der deutschen Leichtathletik. Die rot gefärbten Haare der Dortmunderin sorgten für mindestens so viel Gesprächsstoff wie die Nacktfotos der ebenfalls verletzten Weitspringerin Susen Tiedtke im „Playboy“.

          „Ich möchte durch Erfolge auf der Bahn auf mich aufmerksam machen, nicht durch mein Äußeres“, behauptet Schielke. Doch wenn man „dem Zeitgeist der Jugend entsprechen will“, so Schumann-Manager Kärcher, „dann muss man seinen Körper gestalten und Individualismus durch Äußerlichkeiten betonen“.

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