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Leichtathletik-WM : Merritt meistert alle Hürden

Tunnelblick: Aries Merritt Bild: dpa

Das WM-Finale über 110 Meter Hürden ist für ihn nur ein Zwischenlauf. Für Weltrekordler Aries Merritt geht es am Dienstag um sein Leben. Er muss zur Nierentransplantation.

          2 Min.

          „Das könnten meine letzten Meisterschaften sein“, hatte Aries Merritt während der Leichtathletik-WM in Peking angekündigt. Er wollte damit nicht etwa mit seinem Rücktritt vom Leistungssport kokettieren. Vielmehr hatte der 30 Jahre alte Amerikaner, Olympiasieger und Weltrekordhalter über 110 Meter Hürden, schwierige Prüfungen zu verkünden: „Ich muss erst mal die Operation überleben.“ Schon vor dem Finale wusste er, dass er über die zehn Hürden nicht um sein Leben laufen musste. Erst am kommenden Dienstag wird es für ihn ernst. Dann wird er sich einer Nierentransplantation unterziehen.

          Obwohl er nach eigener Aussage nur bei 75 Prozent seiner Leistungsfähigkeit ist, zeigte sich Merritt am Freitag in hervorragender Form. Er gewann hinter dem Russen Sergej Schubenkow (12,98 Sekunden) und dem Jamaikaner Hansle Parchment (13,03) in 13,04 Sekunden Bronze. Es war seine erste WM-Medaille. Auch seine Letzte? 2012 hatte der Amerikaner mit den zum Zopf gebundenen Rastalocken olympisches Gold in London gewonnen und beim Finale der Diamond League in Brüssel den Weltrekord auf 12,80 Sekunden gedrückt. Danach musste er seine Pin-Nummer 1292 ändern, wie er fröhlich verkündete, denn die hatte er analog seiner bis dahin gültigen Bestzeit eingerichtet.

          Sein wichtigster Wettkampf folgt am Dienstag: Nierentransplantation
          Sein wichtigster Wettkampf folgt am Dienstag: Nierentransplantation : Bild: AFP

          Die Saison nach seinem besten Jahr lief nicht gut. Auch bei der WM 2013 in Moskau merkte er, dass „irgendwas nicht stimmt“. Ihm fehlte die gewohnte Energie, er litt unter Atemlosigkeit. Zwar wurde er dennoch WM-Sechster, aber schon zwei Monate später musste er sich in die Notaufnahme einliefern lassen. Seine Nierenfunktion, das wurde ihm mitgeteilt, lag unter zwanzig Prozent. Eine genetische Störung wurde als Grund ermittelt. Und dann infizierte er sich noch mit einem Virus, der Nieren und Knochenmark weiter angriff. Ein halbes Jahr lag Merritt im Krankenhaus. Man sagte ihm, er könne nie mehr Rennen laufen. Doch der in Chicago geborene Amerikaner ist nicht nur ein Könner, dessen ausgeprägtes Rhythmusgefühl ihm beim Sprint über die Hürden zugute kommt, sondern auch ein Kämpfer, der sich nicht so schnell geschlagen gibt. Schon im Sommer 2014 kehrte er zurück auf die Laufbahn. Und obwohl er der Weltspitze weit hinterherlief, fühlte er sich glücklich, wieder dabei zu sein.

          In Peking war es für ihn nun an der Zeit, die Öffentlichkeit aufzuklären: Dass er trotz der Erkrankung überhaupt an den Start ging, begründete er damit, dass er nicht einfach nur zu Hause sitzen könne und warten. Erst nach der WM werde er sich auf die OP konzentrieren. Danach auf die Reha. Und danach auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Schritt für Schritt geht er ihn an, den wichtigsten Hürdenlauf seines Lebens.

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