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Leichtathletik-WM : Lobinger scheitert, Bolm jubelt, Unger verlassen die Kräfte

  • Aktualisiert am

Schon wieder nichts: Tim Lobinger scheitert in Helsinki Bild: AP

Während Tim Lobinger und Danny Ecker bei der Leichtathletik-WM gescheitert sind, hat Hürdenläuferin Kirsten Bolm ein kämpferisches Finale geliefert. Tobias Unger wird über 200 Meter Siebter.

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          Bei Wind- und Regen in Helsinki haben die deutschen Stabhochspringer Tim Lobinger und Danny Ecker ihre Erwartungen nicht erfüllen können. Der frühere Hallen-Weltmeister und der Olympiafünfte kamen mit den widrigen Bedingungen bei der Leichtathletik-WM nicht zurecht und belegten die Plätze fünf und zehn. Trotz Regens, starker Winde und eines technischen Defekts an der Anlage schwang sich dagegen der Holländer Rens Blom auf 5,80 Meter hinaus und holte das erste WM-Gold für die Niederlande in der Leichtathletik-Geschichte.

          „Alles war heute nur eine Frage der Sicherheit und des Selbstbewußtseins“, sagte Ecker. Zu den ersten, die ausschieden gehörte er aber selbst. Dem Sohn von Heide Rosendahl gelang es nicht, die Anfangshöhe von 5,50 Metern zu überwinden. Er erließ sichtlich genervt die Anlage: „Die Bedingungen waren einfach beschissen“, klagte er. „Ich wäre lieber gleich in der Qualifikation rausgeflogen als heute ohne gültigen Versuch dazustehen. Aber das war heute noch mehr eine Sache der Überwindung als sonst.“

          Lobinger: „Jedes Kreissportfest ist besser organisiert“

          Lobinger ließ seinen Frust an den Organisatoren aus. „Ich kann nur sagen: Was für eine peinliche Veranstaltung“, wetterte der 32 Jahre alte Hallenweltmeister von 2003: „Jedes zweitklassige Kreissportfest ist besser organisiert als dieser Wettbewerb hier. Das ist einfach unglaublich. Schließlich ist das eine WM, bei der Millionen Menschen zuschauen.“ Lobinger ärgerte sich über den Zustand der Sprunganlage. „Da baue ich zu Hause in der Garage bessere Anlagen als die hier stehen haben“, schimpfte der Kölner: „Nach jedem zweiten Sprung musste irgendwas repariert werden.“ Erbost war der zweimalige Hallen-Europameister auch darüber, daß eine Verlegung des Finals nicht einmal angedacht wurde. Das Finale der Frauen war dagegen von Mittwoch auf Freitag verschoben worden.

          Auch Danny Ecker ist ausgeschieden

          Vorwürfe, daß er die Medaille leichtfertig verschenkt habe, ließ Lobinger nicht zu. „Ich kann mir nichts vorwerfen“, meinte er: „Denn ich bin am Wettergott gescheitert. Im ersten Sprung war ich sehr gut. Dann bin ich dreimal gegen drei Meter Gegenwind pro Sekunden angesprungen. Zaubern kann ich auch nicht.“
          Silber ging an den Amerikaner Brad Walker (5,75 Meter), Bronze an den Russen Pawel Gerasimow (5,65). Der EM-Zweite Lars Börgeling (Leverkusen) war bereits in der Qualifikation gescheitert.

          Kirsten Bolm: „Es ist super“

          Um die Winzigkeit von sechs Hundertstelsekunden ist die Mannheimerin Kirsten Bolm bei der Weltmeisterschaft in Helsinki an einer Medaille vorbeigelaufen. Die 30Jährige kam über 100 Meter Hürden mit 12,82 Sekunden auf den vierten Platz. Neue Weltmeisterin wurde die Amerikanerin Michelle Perry in 12,66 Sekunden vor den zeitgleichen Jamaikanerinnen Delloreen Ennis-London und Brigitte Foster-Hylton (12,76).

          „Es ist super, denn es war mein erstes großes Finale“, freute sich Kirsten Bolm, fügte aber an: „Ich habe trotzdem etwas mit einer Medaille geliebäugelt, aber die Mädels haben ein unheimliches Pfund drauf.“ Um ihnen in Zukunft Paroli bieten zu können, müsse sie vor allem am Beginn des Rennes besser in die Gänge kommen: „Dafür muß ich beim Start noch ein wenig zulegen.“

          Unger steigert sich über 200 Meter

          Über 200 Meter belegte Tobias Unger in 20,81 Sekunden den siebten Platz. Der Kornwestheimer, der Anfang Juli über 200 Meter in deutscher Rekordzeit von 20,20 Sekunden noch weiter in die Weltklasse vorgestoßen war,steigerte sich in Helsinki auch gegenüber seinem siebten Platz im Olympiafinale. „Gegen die Amerikaner gab es keine Chance, das hat man in den Runden vor dem Finale gesehen“, meinte der 26 Jahre alte Sportmarketing-Student, nachdem er sich vor demWM-Auftakt heimliche Chancen auf Bronze ausgerechnet hatte. Gold gewann wie über 100 Meter der Amerikaner Justin Gatlin. In 20,04 Sekunden schlug er bei 0,5 Metern Gegenwind den dem Weltranglistenersten Wallace Spearmon(20,20), Titelverteidiger John Capel (20,31) und den im Vorlauf mit19,99 auftrumpfenden Tyson Gay (20,34).

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