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Leichtathletik-WM : Lars Riedel bleibt der Herr der Ringe

  • -Aktualisiert am

Goldene Wurfwerkzeuge: Lars Riedel Bild: AP

Zum fünften Mal wurde Lars Riedel Weltmeister im Diskuswerfen. Michael Möllenbeck sicherte sich Bronze. Gratuliert haben sich die beiden Deutschen nicht.

          2 Min.

          „Heute Abend will ich eine Party, bei der es kein Morgen gibt“, gab Lars Riedel die Devise für eine lange Nacht aus. Und er hatte sich eine rauschende Party wahrlich verdient. Zum fünften Mal innerhalb von zehn Jahren (1991, 1993, 1995, 1997) gewann der Modellathlet den Weltmeistertitel im Diskuswerfen.

          Es war ein großartiger Wettkampf, den sich der Chemnitzer und sein Dauerrivale Olympiasieger Virgilijus Alekna aus Litauen lieferten. „Der schwerste bisher“, sagte Riedel. Beide übertrafen den bisherigen WM-Rekord und kratzten an der magischen 70-Meter-Marke. Für den ersten Paukenschlag hatte allerdings der Wattenscheider Michael Möllenbeck gesorgt.

          Feierabend-Diskuswerfer Möllenbeck

          Mit 67,61 Metern übertraf er gleich im ersten Versuch seine persönliche Bestleistung um 17 Zentimeter und setzte sich an die Spitze des Feldes. Dass ihn Alekna direkt im Anschluss um vier Zentimeter überbot, ließ bei dem Feierabend-Diskuswerfer die Laune nicht sinken. Hauptsache vor Riedel, denn die beiden Zweieinhalb-Zentner-Männer verbindet eine innige Feindschaft.

          Bronzeschrei: Michael Möllenbeck

          Möllenbeck war erst kurz vor dem Wettkampf nach Edmonton gereist, da der 31jährige nach einer Umschulungsmaßnahme des Arbeitsamtes in der Ausbildung zum SAP-Programmierer steht. „In sechs Wochen habe ich Prüfung, da konnte ich nicht so lange fehlen“, erklärte er sein spätes Anreisen. „Einerseits bin ich von ganzen Herzen Leistungssportler, andererseits muss ich an meine Berufsausbildung denken“, schilderte er seine Zwickmühle.

          Sie schien ihm gut getan zu haben, denn am Ende reichte sein erster Wurf zur Bronzemedaille. Ehefrau Anja jubelte überschwänglich auf der Mannschafts-Tribüne, auch sie ist Diskuswerferin, ihr Wettkampf beginnt Donnerstag. Ob sich die freigestellte Kriminalkommissarin bei ihrem Mann einen Tipp anholt? „Diskus-Diskussionen gibt es bei uns eigentlich nicht“, sagte Michael.

          Jäger Riedel

          Lars Riedel konnte aus den ersten drei Würfen nur 67,10 Meter mit in die zweite Hälfte des Wettbewerbs nehmen, während Olympiasieger Alekna mit 69,40 vermeintlich der große Wurf gelungen war. Doch wie hatte Riedels Trainer Karl-Heinz Steinmetz schon vorher prophezeit: „Alekna ist der Favorit, Lars ist der Jäger.“

          Im vierten Versuch bewies Riedel, dass er der Herr der Diskusringe ist. Obwohl er nicht wusste, wie weit sein Kontrahent geworfen hatte - „Ich habe nicht hingeguckt und mir extra die Ohren zugehalten“ - übertraf er ihn um genau zehn Zentimeter (69,50). Und während Alekna nicht mehr zusetzen konnte, steigerte sich Riedel sogar noch auf 69,72. Das war der Sieg.

          Getrennte Freude

          Mit blanker breiter Brust posierte Modellathlet Riedel nach dem Wettkampf wie eine griechische Werferstatue vor den Kameras, ehe er sich mit der Deutschlandfahne auf die Ehrenrunde begab. Der bärige Möllenbeck umarmte in der Minute seines größtes Erfolges still seine Frau und verschwand aus dem Innenraum.

          Silbermedaillengewinner Virgilijus Alekna gratulierte beiden, und konnte nicht recht verstehen, warum sich die beiden Deutschen nicht gemeinsam freuten. „Dazu kein Kommentar“, waren die Kommentare der verfeindeten Diskusbrüder. Möllenbeck meinte später: „Da gibt es nichts mehr zu kitten.“

          Zwei Medaillen zur rechten Zeit

          Der Wattenscheider hatte nach einem Streit mit Riedel 1994 im Traininigslager in Portugal einen Tisch aus dem Fenster geworfen. Riedel hatte das Verhalten von Möllenbeck, der vom DLV für ein halbes Jahr suspendiert wurde, damals drastisch kommentiert.

          Gefeiert wurde im deutschen Lager trotzdem. Es waren zwei Medaillen zur rechten Zeit.

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